Amtsgericht Bad Oeynhausen: Neunmonatige Bewährungsstrafe für tausende Fotos und zahlreiche Videos
Löhner zeigt sich wegen Pornomaterials an

Löhne/Bad Oeynhausen (WB/muk). An einem Handel mit Fotos und Videos mit kinder- und jugendpornografischen Darstellungen sei der Angeklagte nie interessiert gewesen. Das beteuerte ein Löhner (34) am Donnerstag vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen.

Freitag, 08.03.2019, 09:00 Uhr
Vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen hat sich ein Löhner wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Schriften verantworten müssen. Foto: Sonja Gruhn/Archiv

Nur weil er es bei einer Polizeivernehmung selbst – und mit der Bitte um Hilfe – ansprach, wurde der Besitz überhaupt bekannt. 2940 Bilder und sieben Videos mit Jugendpornografie sowie 626 Bilder und 17 Videos mit Kinderpornografie hatte die Polizei im April 2018 bei einer Durchsuchung auf einer Festplatte gefunden.

Zu einer Strafe von neun Monaten auf Bewährung sowie 150 Stunden Sozialarbeit verurteilte Richter David Cornelius den Löhner. Zudem muss er – nun unter gerichtlicher Auflage – seine Therapie weiterführen. »Die hatte er selbst begonnen«, sagte Verteidiger Christian Thüner aus Herford.

Probleme seit 2010

Während der Verhandlung ging der Blick des Richters zurück auf das Jahr 2010, als das Sammeln von Bildern und Videos begann. »Was war das los?«, fragte David Cornelius. »Ich war einsam, viel zu Hause, hatte keine Freundin«, sagte der Löhner, der von seiner Mutter begleitet wurde. So habe er über eine Internetsuchmaschine nach und nach Bilder und Videos gefunden.

In einem der sichergestellten Videos sei beispielsweise ein etwa 15-jähriges Mädchen zu sehen, dass sich in einem Zeitraum von etwa 25 Minuten auszieht und sexuelle Handlungen an sich vornimmt, sagte die Staatsanwältin. In einem anderen Video soll es ein zehnjähriges Mädchen gewesen sein.

Von einem »ungewöhnlichen Verfahrensbeginn« sprach Christian Thüner: »Wenn er dies alles nicht selbst bei der Polizei eingeräumt hätte, säßen wir heute nicht hier, und vielleicht hätte er sich nie vor Gericht verantworten müssen.«

Denn es sei nicht Absicht des Angeklagten gewesen, bei einem »Versandhandel« einzusteigen. Gleichwohl: »Ja, er räumte bei der Polizei ein, ich habe hier etwas«, fügte Christian Thüner für seinen Mandanten hinzu.

Wendepunkt 2018

Bei der Polizei war der Löhner im April 2018 deshalb gewesen, weil er zuvor eine Auseinandersetzung mit einer Freundin gehabt haben soll. In diesem Fall, und auch sonst, sei der Löhner nie angeklagt oder verurteilt worden. Mehrere Ausbildungen hatte er begonnen, aber wieder abgebrochen. Als 24-Jähriger habe er »mit Drogen aufgehört«.

Die Selbstanzeige und die danach unverzüglich selbst eingeleitete Therapie werteten der Richter und die Staatsanwältin als strafmildernd. »Ja, Sie haben den Besitz zugegeben, andererseits ist hier ein Sammelsurium von Fotos und Bildern in sehr erheblichem Umfang sichergestellt worden«, sagte die Staatsanwältin.

Zudem betonte sie: »Hinter jedem Foto, jedem Video steht ein Schicksal.« Als Strafe forderte sie ebenfalls neun Monate, in einem Bewährungszeitraum von drei Jahren, allerdings – abgesehen von einer Therapie als Auflage – nur 80 Stunden Sozialarbeit.

Um eine »angemessene Strafe« bat Verteidiger Christian Thüner. Aus Sicht von Richter David Cornelius sei diese entsprechend tat- und schuldangemessen verkündet worden: »Wir halten Ihnen zugute, dass Sie geständig sind und eine Therapie begonnen haben. Aber es sind sehr viele Bilder und lange Videos, mit teils extremen Darstellungen.« Der Angeklagte nahm das Urteil an.

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