Gleditschien in Kantstraße in Löhne werden wegen Straßenschäden gefällt
Anwohner trauern um Bäume

Löhne-Obernbeck (WB). Doris Horn ist am Boden zerstört: Die 71-Jährige hat am Mittwochmorgen festgestellt, dass fünf Bäume in der Kantstraße gefällt werden. Grund ist laut Wirtschaftsbetrieben der Stadt Löhne (WBL), dass sie die Straße beschädigen.

Donnerstag, 07.02.2019, 06:30 Uhr
Auch der letzte Baum bleibt nicht verschont: Die laut Anwohnerin Doris Horn 29 Jahre alten Gleditschien (Christusdorn-Bäume) an der Kantstraße beschädigen die Straßendecke. Deshalb wollen die Wirtschaftsbetriebe sie durch junge Bäume ersetzen. Foto: Sonja Gruhn

»Wir sind entsetzt, das diese gesunden Bäume weggemacht werden«, sagte Doris Horn. Seit 60 Jahren wohne sie in der Kantstraße und die Bäume seien mittlerweile 29 Jahre alt.

Am Mittwoch musste sie dann erleben, wie diese nach und nach beseitigt wurden: »Wir dachten, wir sind im falschen Film. Die haben uns nicht einmal Bescheid gesagt.« Es seien am Dienstagabend Halteverbots-Schilder vor den betroffenen Häusern aufgestellt worden, das sei alles gewesen.

Autoblockade wäre Maßnahme gegen Fallung gewesen

Doris Horn dachte sich nichts Schlimmes dabei: »Ich habe vermutet, dass es etwas mit dem Netzbetreiber zu tun hat, die hatten eine Störung gemeldet.« Hätte man sie und die Nachbarn über den Zweck der Schilder vorab informiert, hätten sie eine Autoblockade gebildet, sagt die Rentnerin. Bei den Bäumen handele es sich zudem um eine besondere Art: »Das sind ganz seltene Bäume, die es nur einmal in Löhne gibt.«

Auch mit Blick auf den Naturschutz seien jüngere Ersatzbäume kein Trost, sagt sie. »Junge Bäume bieten den Vögeln keine Möglichkeit, ein Nest zu bauen, weil sie noch viel zu klein sind«, sagt Doris Horn. Sie habe alles versucht, die Bäume zu retten. So habe sie versucht, den Bürgermeister zu erreichen und mit dem zuständigen Ingenieur der Wirtschaftsbetriebe, Thomas Jöstingmeier, gesprochen. Dieser habe ihr als Grund genannt, dass die Bäume den Verkehr gefährden.

»Die Bäume kommen an der Stelle weg, weil sie erheblichen Schaden am Straßenoberbau verursachen«, sagte Thomas Jöstingmeier auf Anfrage. Das Problem ist, dass die Wurzeln die Straßendecke hochdrücken und diese dann aufreißt. Nach Ansicht von Doris Horn sei dies nur bei einem Baum der Fall. Jöstingmeier sagt: »Bei einem weiteren Baum fängt es bereits an. Wir haben beschlossen, das Problem jetzt einmal zu lösen, damit es nicht in den nächsten Jahren immer wieder auftaucht.« Es sollen an die Stelle der alten Bäume, junge Bäume gepflanzt werden, die direkt mit einer Wurzelsperre im Beet versehen werden, um solche Schäden in Zukunft zu vermeiden.

»Die Bäume haben hier eigentlich gar nichts verloren«

Hinsichtlich des Naturschutzes sei es sogar besser, neue Bäume zu pflanzen, sagt Jöstingmeier. Und zwar gerade, weil die exotischen Gleditschien (auch Lederhülsenbaum oder falscher Christusdorn genannt) in der Region nicht beheimatet sind. »Die Bäume haben hier eigentlich gar nichts verloren«, sagt er. Stattdessen würden jetzt Bäume gepflanzt, »die hier heimisch sind, weil die für die hiesigen Insekten wichtig sind«.

Gepflanzt werden sollen fünf Sommer- und Winterlinden, deren Unterbepflanzung außerdem viel artenreicher sei, als bei den alten Bäumen. »Auch wenn das jetzt blöd klingt, tun wir sogar etwas für die Biodiversität«, sagte Thomas Jöstingmeier. Die jungen Bäume sollen Anfang März gesetzt werden.

Die Begründung für diese Maßnahme kann Doris Horn nicht nachvollziehen, wie sie sagt. Neben ihr haben auch weitere Nachbarn das Geschehen verfolgt. Allerdings sind hier die Meinungen geteilt. Denn während die »Früchte« der Bäume für manchen ein Ärgernis sind, werden andere das grüne Laubdach vermissen. Über die Linden, die jetzt an Stelle der alten Bäume gepflanzt werden sollen, kann sich Doris Horn nicht freuen. Denn gegen die ist sie allergisch.

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