Spatenstiel-Vorfall in Löhne: Neues Verfahren am Landgericht Bielefeld beginnt im April
Mittäter stehen vor Gericht

Löhne/Bielefeld (WB). Zwei Gerichtsverfahren und zwei Revisionen vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat es in den sogenannten Spatenstiel-Prozessen gegeben, bis der Hauptangeklagte 2017 wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt worden war. Am Landgericht Bielefeld beginnt nun das Verfahren gegen drei mutmaßliche Mittäter.

Dienstag, 29.01.2019, 06:30 Uhr
Am Vatertag im Mai 2015 ist es vor dem Bahnhof in Löhne zu einem Streit zwischen einem Löhner und einer Gruppe Männer gekommen. Später ist der Löhner an den Folgen einer tödlichen Verletzung gestorben. Nachdem der Hauptangeklagte 2017 verurteilt worden ist, müssen sich jetzt drei mutmaßliche Mittäter vor dem Landgericht in Bielefeld verantworten.  

Von Dienstag, 2. April, an müssen sich die Männer vor dem Landgericht verantworten. Das bestätigt Christian Thüner, Rechtsanwalt in Herford, auf Anfrage dieser Zeitung. Wie bereits in den ersten beiden Verfahren gehört er mit seiner Kanzleipartnerin Deborah Weinert sowie Andreas Stuke aus Bünde zu den Nebenklagevertretern. Sie, sowie zwei weitere Rechtsanwältinnen, vertreten die Interessen der Witwe sowie der sechs Kinder.

Auch im Fall der drei mutmaßlichen Mittäter gehe es beim Tatvorwurf um Körperverletzung mit Todesfolge. »Dies unterscheidet sich damit nicht vom Vorwurf gegen den Haupttäter«, sagt Christian Thüner. Hier liege gemeinschaftliches Handeln vor. Bisher waren die nun angeklagten Mittäter – im Gegensatz zum Hauptangeklagten – aber nicht in Untersuchungshaft gewesen. Eine Haftsache habe nicht vorgelegen.

Mittäter sind nicht in U-Haft gewesen

 Wie mehrfach berichtet, ist der Auslöser für die Spatenstiel-Prozesse ein Streit mit Todesfolge vor dem Löhner Bahnhof. Dort waren am 14. Mai 2015 (Christi Himmelfahrt) der Löhner Familienvater Harun A., damals 49 Jahre alt, und vier weitere Männer aneinandergeraten. In der Folge hatte der Löhner einen Spatenstiel aus dem Kofferraum seines Wagens geholt. Der Spatenstiel soll, so war in den folgenden Verfahren gegen den Haupttäter zu erfahren, mehrfach zwischen den Beteiligten hin und hergegangen sein. Vermutlich verstarb Harun A. aufgrund von Kopfverletzungen in Folge eines Sturzes sowie mutmaßlich wegen Schlägen und Tritten gegen seinen Kopf. Laut eines späteren Gutachtens habe der Haupttäter am Tattag, nach einer Feier zum Vatertag, eine Blutalkoholkonzentration zwischen 2,1 und 2,55 Promille gehabt.

Die gerichtliche Aufarbeitung begann im Oktober 2015. Mit dem Verfahren war die zehnte Strafkammer des Bielefelder Landgerichts betraut. Zur Überraschung vieler Prozessbeteiligter hatte die Kammer den Hauptangeklagten mit dem Urteil vom 3. Dezember 2015 freigesprochen. Die Richter waren der Ansicht, dass der Angeklagte »in einer Notwehrlage« gehandelt habe, da zuvor ein Angriff von Harun A. ausgegangen sei. Gegen den Freispruch hatten die Staatsanwaltschaft Bielefeld sowie die Nebenklage-Vertreter, darunter Christian Thüner, Revision eingelegt. Mit Erfolg: Nach Überprüfung hatte der vierte Strafsenat des BGH das Urteil im November 2016 aufgehoben und den Fall zurück ans Bielefelder Landgericht verwiesen.

BGH weist Revison 2017 zurück

Im folgenden, zweiten Verfahren kamen die Richter der ersten Strafkammer des Landgerichts Bielefeld zu der Einschätzung, dass der Hauptangeklagte drei heftige Schläge mit dem Holzstiel gegen den Kopf von Harun A. ausgeübt hatte, bevor dieser zu Boden ging. Tödlich sei letztlich ein Tritt auf den Kopf gewesen, der zu einem Schädelbasisbruch und später zum Tod des Löhners führte. Der Tritt konnte aber keinem der Angreifer zugeordnet werden. Der Haupttäter wurde schließlich im Mai 2017 zu vier Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Dagegen legte nun sein Verteidiger Revision ein. Ohne Erfolg: Im November 2017 wies der BGH eine Revision ab.

Aus Sicht von Christian Thüner geht mit dem neuen Prozess eine Belastung für die Familie A. einher: »Sie müssen sich dem Ganzen zum dritten Mal stellen, sind aber gut darauf vorbereitet.«

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