Karl Kemena feiert in Gohfeld 65-jähriges Jubiläum als Müllermeister Eisernen Meisterbrief zum 90. Ehrentag

Löhne (WB). Gleich doppelt Grund zum Feiern hat Karl Kemena an Karfreitag gehabt: An seinem 90. Geburtstag durfte der Löhner den eisernen Meisterbrief der Handwerkskammer Ostwestfalen zu Bielefeld anlässlich seines 65-jährigen Jubiläums als Müllermeister entgegennehmen. Bis zur Stilllegung 1991 bewirtschaftete der Jubilar Kemenas Mühle in dritter Generation.

Von Lydia Böhne
Den eisernen Meisterbrief anlässlich seines 65-jährigen Meisterjubiläums hat Karl Kemena (Mitte) von Egon Schewe, stellvertretender Bürgermeister (rechts), entgegennehmen dürfen. Daneben zeigt Friedrich Rohlfing den ersten Meisterbrief von 1953.
Den eisernen Meisterbrief anlässlich seines 65-jährigen Meisterjubiläums hat Karl Kemena (Mitte) von Egon Schewe, stellvertretender Bürgermeister (rechts), entgegennehmen dürfen. Daneben zeigt Friedrich Rohlfing den ersten Meisterbrief von 1953. Foto: Lydia Böhne

Früh hatte Karl Kemena seinem Vater und Müllermeister Carl Kemena bei der Arbeit an der familieneigenen Wassermühle an der Koblenzer Straße unter die Arme gegriffen, bevor er mit 16 Jahren als Luftwaffenhelfer im Zweiten Weltkrieg eingezogen wurde.

Nach seiner Entlassung aus der amerikanischen Gefangenschaft 1945 trat Karl Kemena dann endgültig in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters. »Mein jüngerer Bruder Gerhard wollte lieber Organist werden«, sagte der heute 90-Jährige. Am 30. Dezember 1953 folgte die Prüfung zum Müllermeister. Dem vorausgegangen waren drei Jahre Berufsschule und fünf Gesellenjahre.

»Ich weiß noch, wie ich immer mit dem Dampfzug nach Herford zur Berufsschule gefahren bin«, sagte Karl Kemena. »Wir haben viel über das Schleifen von Steinen gelernt. Am schwierigsten war der ›Franzose‹ – ein Süßwasserquarz zur Mehlherstellung, der dann auch in der Prüfung dran kam«, erinnerte sich der Jubilar zurück.

Vater übergibt Mühle im Alter von 80 Jahren an Sohn

Lange Jahre hielt der Vater an seinem Eigentum fest, bis er im Alter von 80 Jahren die Getreidemühle 1963 an seinen Sohn überschrieb. »Mein Vater hat die Mühle 1927 modernisiert, und seither wurde sie immer wieder erweitert«, erläuterte der 90-Jährige.

1960 wurde die Mühle um eine Siloanlage mit Loseannahme, Trocknung, Reinigung und automatischer Waage ergänzt. Zum Schroten sei noch der Sandstein vom Großvater, der die Mühle 1893 am Mittelbach erbaut hatte, verwendet worden, »Als dann der Vollkorn-Trend aufkam, brauchten wir neue Steine«, fügte Karl Kemena hinzu.

Heute fänden in modernen Mühlen vorwiegend Metall- oder Porzellanwalzen Verwendung. Überhaupt habe sich das Müllerhandwerk komplett gewandelt. »Wir haben im schmutzigen Blaumann gearbeitet, heute ist in den großen Mühlen alles ganz sauber und steril«, sagte der Löhner. Auch das Brot habe sich verändert.

Roggen, Weizen und Vollkorn werden gemahlen

Roggen, Weizen, Vollkorn und selten auch Futterschrot wurden in der Wassermühle gemahlen. Der Tag habe meist um 7 Uhr in der Früh begonnen. Gearbeitet wurde laut Karl Kemena »bis man fertig war«, weshalb Urlaub lange Zeit ein Fremdwort gewesen sei. Das änderte sich erst, als er 1963 seine Frau Gerda Kemena kennenlernte, die ihn mit ihrer Lehre in häuslicher Landwirtschaft unterstützte.

»Wir haben eingerichtet, auch neben der Arbeit ab und zu wandern zu gehen«, sagte Gerda Kemena. 1991 wurde Kemenas Mühle stillgelegt. »Ich hatte stark mit Rheuma zu kämpfen, was durch das Schleppen schwerer Jutesäcke nicht besser wurde«, sagte Karl Kemena. Inzwischen befindet sich in der 2000 unter Denkmalschutz gestellten Mühle Kemenas Mühlenmuseum.

Seit 1996 gibt es außerdem die Mühlengruppe Melbergen, die sich um die Durchführung der Mühlentage kümmert. Übernehmen wird die Mühle einmal Adoptivsohn Friedrich Rohlfing. Schon jetzt bietet der Leiter des Mühlenbauhofs Petershagen und Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung regelmäßig Führungen an.

»Wer an Mühle denkt, denkt automatisch auch immer an Kemena«, brachte es Egon Schewe auf den Punkt. Der stellvertretende Bürgermeister überreichte den eisernen Meisterbrief in Vertretung für die Handwerkskammer.

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