Hans-Wilhelm Bökamp initiiert Restaurierung von 400 Jahre altem Kirchengut in Löhne Taufstein mit Geschichte

Löhne-Gohfeld  (WB). Lange hat der erste Taufstein der Simeonkirche aus dem Jahr 1618 auf dem Dachboden der Kirche gelegen, dann wechselte er stiefmütterlich im Bereich hinter den Bänken der Kirche seinen Platz. Jetzt wird er nach einer Restauration seiner alten Bestimmung zurückgeführt.

Von Angelina Zander
Hans-Wilhelm Bökamp (links) hat dem 400 Jahre alten Taufstein zu neuem Glanz verholfen: Er organisierte die Restauration des Inneren und besorgte die Taufschale der ehemaligen Johanneskirche, die Pfarrer Harald Ludewig zeigt.
Hans-Wilhelm Bökamp (links) hat dem 400 Jahre alten Taufstein zu neuem Glanz verholfen: Er organisierte die Restauration des Inneren und besorgte die Taufschale der ehemaligen Johanneskirche, die Pfarrer Harald Ludewig zeigt. Foto: Angelina Zander

Am Ostersonntag ist es soweit: Die erste Taufe im 400 Jahre alten Taufbecken nach langer Zeit wird wieder durchgeführt. Die Ehre wird ein kleines Mädchen haben. »Das Besondere an diesem Taufstein ist, dass er zu der Geschichte der Kirche und zu Gohfeld Bezug nimmt. Er erinnert uns daran, dass alle Christen durch die Taufe miteinander verbunden sind«, betont Pfarrer Harald Ludewig. Der ehemalige Architekt und Presbyter Hans-Wilhelm Bökamp hat dem Taufstein zu seiner Renaissance verholfen und ist damit in die Fußstapfen seines Schwiegervaters Karl Ottensmeyer getreten.

Beide engagierten sich knapp 30 Jahre in der Kirchengemeinde. Anfang der 1990er Jahre betreute Bökamp die Installation einer Heizungsanlage in der Kirche, sein Schwiegervater war zu dieser Zeit nicht mehr aktiv in der Gemeinde tätig. Für die Installation sei es nötig gewesen, einen Raum unter dem Dach frei zu räumen. »Der war voll mit alten Stühlen. Und dann bin ich in einer Ecke auf den Stein gestoßen«, erzählt er. Diesen hielten die Kirchenmitglieder seit 1931 für verschwunden. Deshalb ersetzten sie ihn 1932 durch einen zweiten Stein aus Holz, der von einem Chor gespendet worden war. 1958 wurde die Kirche vollständig renoviert und ein dritter Taufstein kehrte ein: diesmal aus Wesersandstein.

Taufstein gerät in Vergessenheit

Der 400 Jahre alte Taufstein geriet unterdessen in einem kleinen Raum der Kirche unter dem Dach in Vergessenheit, bis er 1991 von Hans-Wilhelm Bökamp wiedergefunden worden war. Für seinen Schwiegervater sei klar gewesen, dass er den Taufstein restaurieren lassen wollte. Da er 1991 seinen 75. Geburtstag feierte, kam ihm eine Idee: »Er wollte keine Geschenke. Stattdessen sammelte er Geld für die Restauration«, sagt Bökamp. Karl Ottensmeyer engagierte den Kirchenmaler Wilhelm Becker aus Stemwede. Fünf Farbschichten trug dieser von dem Eichenholz ab. Dann entdeckte er eine Jahreszahl auf dem Holz, die das Alter des Taufsteins zeigte: Er wurde der Kirchengemeinde 1618 von einem Ehepaar gespendet. Der Taufstein kehrte nach der Restaurierung durch den Kirchenmaler in die Kirche zurück.

Doch seit der damaligen Restaurierung hatte der Stein keinen festen Platz in der Kirche gefunden. Immer wieder wurde er von einem Ort zum nächsten transportiert. 2016 startete Pfarrer Harald Ludewig einen Aufruf, um nach der verschwundenen Taube zu suchen, die auf alten Fotos den Taufstein zierte. Wie es der Zufall wollte, war es Hans-Wilhelm Bökamp, der der Gemeinde die Taube zurückbrachte. Sein Schwiegervater hatte sie damals zu sich genommen. Nach seinem Tod und dem Umzug der Schwiegermutter in das Eduard-Kuhlo-Heim erbte Bökamps Frau das elterliche Haus. Das Ehepaar wiederum nahm die Taube zu sich. Als Bökamp von dem Aufruf erfahren hatte, zögerte er nicht und führte die Taube an ihren angestammten Platz zurück.

Reinigung dauert mehrere Monate

Im vergangenen Jahr folgte Hans-Wilhelm Bökamp dann dem Vorbild seines Schwiegervaters: Anlässlich seines 70. Geburtstags organisierte er die Restauration des Taufsteins, diesmal aber von innen. Einige Monate dauerte es, bis das Holz gereinigt und gefärbt war, ein neuer Ring für das Taufbecken eingesetzt und ein Taufbecken der entwidmeten Johanneskirche aus den 1960er Jahren in den Stein eingesetzt werden konnte. »Außerdem haben wir den Sockel fahrbar gemacht«, erklärt Bökamp. Dafür hat er einige Rollen in den Sockel einbauen lassen.

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