Zehn Monate Haft ohne Bewährung für 35-Jährigen aus Bad Oeynhausen Ex-Freundin erlebt Albtraum

Löhne  (WB/wa). Zehn Monate Haft ohne Bewährung – so lautete das Urteil für einen 35-jährigen Mann aus Bad Oeynhausen. Er musste sich am Dienstag wegen Körperverletzung und mehrfacher Nötigung gegenüber der Ex-Lebensgefährtin aus Löhne und deren Vater verantworten. Das Amtsgericht war überzeugt: Die Frau hatte nach ihrer Trennung einen Albtraum erlebt.

Vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen hat sich der 35-Jährige aus Bad Oeynhausen wegen Körperverletzung und Nötigung verantworten müssen.
Vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen hat sich der 35-Jährige aus Bad Oeynhausen wegen Körperverletzung und Nötigung verantworten müssen. Foto: Sonja Gruhn/Archiv

Insgesamt drei Anklageschriften musste die Staatsanwältin zu Beginn des Prozesses unter Leitung von Richter Dr. David Cornelius verlesen. Drei Jahre mit Unterbrechungen war die heute 36-jährige Geschädigte mit dem Angeklagten zusammen, dann trennte sich das Paar endgültig.

Das war nach Überzeugung der Kammer zwischen November 2016 und Februar 2017 passiert: Mehrfach hatte der 35-jährige Hilfsarbeiter seine Ex-Freundin belästigt und drangsaliert. Im November 2016 fuhr er sie mit einem Fahrrad an und drängte sie gegen ein Gebüsch. Alkoholisiert übergoss er sie mit Bier und spuckte ihr ins Gesicht.

Silvesterböller geworfen und Vater Nasenbein gebrochen

Trotz auferlegtem Kontaktverbots wurde er dann gleich zweimal in einer Februarnacht 2017 handgreiflich. Mit angezündeten Silvesterböllern hatte er zunächst das Anwesen der Eltern der jungen Frau mit Feuerwerkskörpern beworfen.

Der Vater wollte den Mann mit einer Reitpeitsche vertreiben. In einer Seitenstraße schlug ihm daraufhin der Beschuldigte mit der Faust ins Gesicht. Mit einem Nasenbeinbruch brachte ihn seine Tochter dann in ein Krankenhaus, bevor sie in ihrer Wohnung im ersten Stock ihres Elternhauses ein weiteres Martyrium erlebte.

»Ich wollte auf meinem Balkon eine rauchen«, schilderte sie das Geschehen vor Gericht. »Da stand er plötzlich vor mir.« Der Beschuldigte sei über eine anliegende Garage auf den Balkon gelangt und ihr in ihre Wohnung gefolgt. »Ich habe mich mit Pfefferspray gewehrt«, schilderte die Betroffene. Als die Situation weiter zu eskalieren drohte, sei es ihr gelungen, samt Handy und Wohnungsschlüssel zu den Nachbarn zu laufen und von dort die Polizei zu alarmieren.

Angeklagter macht Ex-Freundin für Jobverlust verantwortlich

»Ich weiß nicht mehr allzu viel«, sagte der Angeklagte zu den Tatvorwürfen, die er im Wesentlichen einräumte. Die Situation zwischen ihm und der Bürokauffrau sei nach einer Kurznachricht eskaliert, in der der Angeklagte die Frau für sein zerstörtes Leben verantwortlich gemacht haben soll.

Der Grund: Der Angeklagte arbeitete nach verbüßter Haftstrafe als Leiharbeiter im Auftrag des Unternehmens, in dem die Geschädigte angestellt war. Nachdem die Firmenleitung von den Schwierigkeiten ihrer Angestellten mit ihrem ehemaligen Lebenspartner erfahren hatte, habe sie diesem Hausverbot erteilt. Der Mann sei seitdem arbeitslos, erklärte der Verteidiger.

Insgesamt verlas Dr. Cornelius 23 Einträge aus dem Bundeszentralregister des vorbestraften Gabelstaplerfahrers. Zudem gebe es bereits vier Strafen, die zur Bewährung ausgesetzt seien. »Da kann ich keine weitere Bewährung mehr aussprechen«, begründete der Vorsitzende Richter das Strafmaß. Der Mann muss für zehn Monate ins Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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