Gnadenhof der Familie Bartelheimer ist ein sicheres Zuhause für verwahrloste Tiere Das erste friedliche Weihnachten

Löhne (WB). Die Tiere sind schon da – der Verein »Lebenshof Lilly« ist noch in Planung. Auf ihrem Hof in Mennighüffen pflegt Familie Bartelheimer etwa 50 Tiere, die von ihren früheren Haltern weggegeben wurden. Dieses Weihnachten ist für viele Tiere das erste mit reichlich Futter und trockenem Schlafplatz.

Von Frank Dominik Lemke
Eine Möhre zum Knabbern: Stephanie Bartelheimer füttert die Pointou-Esel (links) und ihre kleineren Artgenossen aus Frankreich. Jeden Morgen kümmert sie sich um insgesamt etwa 50 Tiere auf dem Gnadenhof in Mennighüffen.
Eine Möhre zum Knabbern: Stephanie Bartelheimer füttert die Pointou-Esel (links) und ihre kleineren Artgenossen aus Frankreich. Jeden Morgen kümmert sie sich um insgesamt etwa 50 Tiere auf dem Gnadenhof in Mennighüffen. Foto: Frank Dominik Lemke

»Susi ist neu bei uns«, sagt Stephanie Bartelheimer und streichelt das Pferd mit dem grauschwarz melierten Fell. Die scheue Stute mit den verängstigten Augen kaut unruhig frisches Heu. Sie hat keine gesunden Zähne mehr. »Deswegen geben wir ihr Brei. Den kann sie schlucken«, sagt Stephanie Bartelheimer. Susi kaut, spuckt das Heu aus und tastet mit ihren Lippen nach weiterem Heu, welches sie wieder kauen und ausspucken wird. Ihr Mittagessen hat sie bereits gefressen. Neben dem Heuhaufen liegt ein leerer Bottich, der mit Brei gefüllt war.

Schulpferd für Kinder und Jugendliche

Susi war viele Jahre lang ein Schulpferd für Kinder und Jugendliche. Die Tierrettung Lippe ist auf sie aufmerksam geworden. Als die Helfer erkannten, in welchem Zustand sie ist, hat sie die Familie Bartelheimer gebeten, sich um das kranke Tier zu kümmern. Dieses Weihnachten kann sie sich das erste Mal seit langem wieder richtig satt essen und erholen.

Während Susi nach weiterem Heu stöbert, stupst Fritz den Bottich an und schnüffelt ihn ab. Das Schwein mit schwarzen Borsten und hängendem Bauch grunzt, sieht das Pferd an und macht wieder kehrt. Fritz wurde in Petershagen ausgesetzt. Tierfreunde haben ihn gefunden und zur Familie Bartelheimer gebracht.

Jedes Tier hat seine Geschichte

Zusammen mit seiner Artgenossin Rosi und weiteren 21 Großtieren sowie Hühnern, Hunden und Schafen lebt Fritz glücklich und zufrieden auf dem Hof am Alten Salzweg in Mennighüffen. Jedes Tier hat seine Geschichte. Die drei grauen Esel in der Scheune hat Familie Bartelheimer vor dem Viehhändler gerettet. Zwei weitere Poitou-Esel mit langem braunen Fell bekommen hier ebenso ihr Gnadenbrot. Die Esel leben mit Angoraziegen, Schweinen und Ponys friedlich unter einem Dach.

Stephanie Bartelheimer kommt jeden Tag drei Mal vorbei und füttert die Tiere. Der Hof finanziert sich überwiegend aus Mitteln der Familie. Claus-Martin Bartelheimer verdient das Geld als Orthopädieschuhmacher. Seine Frau pflegt die Tiere. Ihre fünf Kinder helfen auf dem Hof am Wochenende mit.

»Die Welt da draußen ist schon eigenartig.«

Den Hof mit Stall und Scheune haben sie dafür vor vier Jahren gekauft. »Die Welt da draußen ist schon eigenartig«, sagt Stephanie Bartelheimer. Pferde wie Susi würden ihn Leben lang für Menschen arbeiten, um am Ende in einem schlammigen Stall auf einen einsamen Tod oder den Schlachthof zu warten. Der Umgang mit den Tieren sei ein Ausdruck der Gesellschaft, die im Großen wie im Kleinen viel zu oft mit dem eigenen Vorteil, Streit und Missgunst beschäftigt sei.

»Mit der Tierhilfe können wir im Kleinen etwas Gutes tun. Die Tiere haben einen friedlichen Lebensabend«, sagt sie. Der Friede der Tiere sei auch für die Menschen gut. Regelmäßig kommen Kindergärten und Bewohner des Wittekindhofes zu Besuch, die Freude an den Tieren haben und Verantwortung lernen. Im Februar will Familie Bartelheimer den Verein »Lebenshof Lilly« gründen. Damit können sie Spendenquittungen ausstellen und schaffen so für Freunde und Interessierte die Möglichkeit, dem Hof mit kleinen Beiträgen zu helfen.

»Woran werden wir uns selbst messen?«

»Wenn unser Leben zu Ende geht. Woran werden wir uns selbst messen?«, fragt Stephanie Bartelheimer. Sei dann das tolle Auto, die Karriere oder die passende Frisur noch wichtig? Das Wertvollste was ein Mensch zurücklasse, sei die Wirkung, die er auf Menschen und Tiere hatte. »Ich möchte daran gemessen werden, was ich in meinem Leben getan habe«, sagt sie.

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