Hans Kleine aus Löhne schnitzt in seiner Freizeit mit Kettensägen Holzskulpturen Hier fliegen die Späne

Löhne (WB). Wenn er zum Feierabend nach Hause komme, »fliegen die Späne«, sagt Hans Kleine. Der Leiter der Löhner Kläranlage geht in seiner Freizeit einer ungewöhnlichen Beschäftigung nach.

Von Wilhelm Adam
Hans Kleine ist nicht nur der Leiter der Löhner Klärwerke – in seiner Freizeit gestaltet er Holzskulpturen. Seine Werkzeuge: 20 Kettensägen. Etwa 100 dieser Skulpturen schnitzt Hans Kleine seiner Schätzung nach im Jahr.
Hans Kleine ist nicht nur der Leiter der Löhner Klärwerke – in seiner Freizeit gestaltet er Holzskulpturen. Seine Werkzeuge: 20 Kettensägen. Etwa 100 dieser Skulpturen schnitzt Hans Kleine seiner Schätzung nach im Jahr. Foto: Wilhelm Adam

Wenn es die Witterung erlaubt, hört man das Knattern seiner Kettensägen schon am Ortseingang. Auf dem Hof seines Anwesens stehen sie: eine Parkbank und Figuren aus Holz. Ein Adler und ein Bär, der mit seiner Pranke einen Briefkasten festhält, sind darunter.

Verschiedene Kettensägen helfen Hans Kleine, auch schwierige Muster ins Holz zu sägen. Foto: Wilhelm Adam

Gerade sägt Hans Kleine einen Fisch aus einem Baumstamm. Mit seiner Montur sieht er aus wie ein Waldarbeiter. Ohrenschützer und Schutzbrille sowie Handschuhe gehören zu seiner Arbeitskluft einfach dazu. 20 Kettensägen unterschiedlichster Größe und Körnung der Zähne ihrer Kettenblätter hat er in seiner Werkstatt. Billig ist die Ausrüstung nicht. Die größte Säge mit einem Blatt von über einem Meter Länge hat Kleine für 2000 Euro erworben. Auch Carvingsägen gehören zum Sortiment, die schwierige – auch kurvenförmige – Schnitte ins Holz erlauben.

Wie viele Figuren er mittlerweile aus Holz erschaffen hat, kann Hans Kleine nicht sagen. »So um die 100 sind es pro Jahr«, sagt er. Fast alle hat er im Auftrag von Kunden hergestellt, »neulich war da eine für mich dabei.« Hans Kleine liebt Karikaturen. Bei jener Figur, die er für sich gefertigt hat, handelt es sich um einen fast zwei Meter hohen Bären aus Eichenholz mit einem Briefkasten.

Vorgaben für seine Werke findet er auf Skizzen oder Fotos im Internet. »Ich zeichne beim Arbeiten schon mal eine Markierung ins Holz«, sagt er. Aber das war es dann auch. Die Werke schnitzt er völlig frei, erzählt er, »nach meinen Vorstellungen im Kopf.«

Auch zurückgebliebene Baumstämme im Garten seiner Kunden gestaltet er auf Wunsch neu. Wenn er schnitzt, fertigt er alles aus Eiche. »Hauptsache, die Stämme sind schön groß«, erzählt er. Das Holz sei hart und qualitativ hochwertig, »aber gut zu verarbeiten.« Eine Auswahl seiner Werke postet er auch auf Instagram.

Los ging es im Kurs für Kettensägekunst

Im Jahr 2008 fing für den damals 40-Jährigen alles an. Bisher war er immer gerne in den Wald gegangen, um Brennholz zu sägen, doch dann hatte seine Frau eine zündende Idee. »Sie hat mir einen Kurs für Kettensägekunst geschenkt«, erinnert er sich. Gerade einmal zwischen fünf bis acht Teilnehmer waren es beim ersten Kurs im baden-württembergischen Balingen, etwa 60 Kilometer nördlich vom Bodensee. Kleine begeisterte das Metier so sehr, dass er im darauffolgenden Jahr einen zweiten Kurs buchte.

Rasant schritt die Entwicklung voran: Hans Kleine ließ sich seine Leidenschaft als Nebengewerbe genehmigen. Über Mund-zu-Mund-Propaganda sprach sich sein Können herum: Heute absolviert er auch zahlreiche Vorführungen. »Zehn bis 15 pro Jahr mache ich in der Regel«, erzählt er. So ist er regelmäßig mit seiner Kunst beim Weihnachtsbaumverkauf in Schloss Holte-Stukenbrock zu Gast. Die weiteste Reise führte ihn mit seinen Figuren nach Polen. Czechowice-Dziedzice heißt die polnische Partnerstadt der Gemeinde Hiddenhausen, nahe am Dreiländereck Polen/Tschechien/Slowakei. Vor Ort hat er ein besonderes Kunstwerk geschnitzt. »Es ist eine Freundschaftsbank mit den Namen beider Städte«, erzählt Hans Kleine, »in Hiddenhausen steht auch eine.«

2014 und 2016 kam er bei den Deutschen Meisterschaften im Kettensägeschnitzen bis ins Finale. Im sächsischen Mulda fand die Meisterschaft 2014 statt, wo es noch ein weiteres Event gibt, für das Hans Kleine schwärmt. Es ist der »Huskycup«, bei dem Profis zum Beispiel mittelalterliche Szenarien aus Holz in Lebensgröße entstehen lassen. »Wenn ich da mal als Hauptkünstler eingeladen werden und mitmachen könnte«, sagt er, »das wäre ein Traum.«

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