Löhner Bäckereikette steigt bei Müslihersteller ein – Arbeitsplatzzahl soll mittelfristig steigen »Karlchen« übernimmt Hahne Mühlen

Löhne (WB). Die Bäckereikette »Karlchens Backstube« übernimmt die Hahne Mühlenwerke. Der Müslihersteller hat im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet. Für »Karlchens Backstube« ist es nicht die erste Unternehmensübernahme.

Von Lukas Brekenkamp
Die Hahne Mühlenwerke haben im Jahr 2016 Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen, ansässig an der Mühlenstraße in Löhne, musste etwas später 70 Mitarbeiter entlassen. Aktuell arbeiten 135 Menschen bei Hahne.
Die Hahne Mühlenwerke haben im Jahr 2016 Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen, ansässig an der Mühlenstraße in Löhne, musste etwas später 70 Mitarbeiter entlassen. Aktuell arbeiten 135 Menschen bei Hahne. Foto: Emilia Schonfeld

»Karlchens Backstube« hat in der Vergangenheit bereits mehrfach andere Konditorei-Unternehmen übernommen. So etwa im vergangenen Jahr 13 Filialen der insolvenzbedrohten Bäckereikette »Bäckerjunge« aus Bünde. Zuvor 2013 die Detmolder Bäckereikette Dröge mitsamt 24 Filialen. Und nun also den Müslihersteller.

Das 1848 gegründete Unternehmen war finanziell in den vergangen Jahren ins Straucheln geraten. So war der Jahresumsatz von 60 Millionen Euro auf 20 Millionen Euro gesunken. Ein immer größerer Preiskampf beim Einkauf habe zu dieser Entwicklung geführt. »Ich sage immer: Der Preis am Regal kennt nur eine Richtung – nach unten«, sagt Jörg Wagner. Gemeinsam mit Karsten Krüger von »Karlchens Backstube« ist er in Zukunft in der Geschäftsführung der Hahne Mühlenwerke.

Hahne beschäftigt aktuell 135 Mitarbeiter

Außerdem seien in Aussicht gestellte Exportgeschäfte in Millionenhöhe weggefallen und für die Insolvenz verantwortlich gewesen. Auch falsche Entscheidungen hätten letztendlich dazu geführt. Das Resultat: Nikolaus Hahne, bislang Geschäftsführer der Mühlenwerke, stellte einen Insolvenzantrag, beantragte aber auch die Eigenverwaltung. Bei diesem Insolvenzverfahren hat der Schuldner oder das schuldnerische Unternehmen die Möglichkeit, das Ruder in der Hand zu halten und bei der Sanierung zu helfen.

In der Folge des Sanierungskonzepts des Insolvenzantrags hat Hahne bereits viele Sparmaßnahmen durchgeführt. So wurde nicht nur bei Strom, Gas und Wasser gespart. »Wir haben auch das Produktsortiment angepasst«, erklärt Jörg Wagner. Darüber hinaus musste das Unternehmen Mitarbeiter entlassen. Anfang 2016 mussten 70 Arbeitnehmer den Betrieb verlassen. Aktuell arbeiten 135 Mitarbeiter bei Hahne. An der Sanierung seien auch die Gläubiger beteiligt, die auf die vollständige Durchsetzung ihrer Forderungen verzichten würden und sich mit einer Quote von 15 Prozent zufrieden gäben.

»Karlchens Backstube« steigt bei den Hahne Mühlenwerken ein. Nicht die erste Übernahme für das Löhner Unternehmen. Foto: Emilia Schonfeld

Durch den Insolvenzberater Joachim Walterscheid vermittelt sei letztendlich der Kontakt zwischen den beiden Unternehmen zu Stande gekommen. Walterscheid hatte bereits die Insolvenz der Zimner GmbH & Co. KG – dazu gehörten die »Bäckerjungen«-Filialen, die von »Karlchens Backstube« übernommen wurden – geleitet. »Man kannte sich aber auch schon vorher«, sagt Wagner.

»Das Unternehmen passt super gut zu uns«, sagt der neue Inhaber Karsten Krüger. »Die Situation war für uns ein glücklicher Zufall.« »Karlchens Backstube« habe sich aber auch bewusst auf die Suche nach einem rohstoffproduzierenden Unternehmen begeben. »Wir wollen so die Kette vom Feld in den Laden schließen«, sagt Karsten Krüger.

Unternehmen setzt verstärkt auf Regionalität

Gespräche zwischen den beiden Unternehmen hätten seit ein paar Wochen stattgefunden. Es habe auch Gespräche mit anderen Investoren im Vorfeld gegeben. »Dabei hat sich allerdings nichts Relevantes ergeben«, berichtet Jörg Wagner.

Auch mit seinen Produkten gehen die Hahne Mühlenwerk seit einiger Zeit einen neuen Weg. »Regionalität spielt eine große Rolle – da wollen wir in Zukunft verstärkt auftreten«, beschreibt Wagner die neuen Produkte der 1848-Reihe. Unterstützung erhalte man von regionalen Einzelhändlern. »Wir sind seit ein paar Wochen dabei, die Produkte an den Start zu bringen«, sagt der Geschäftsführer. Darüber hinaus wolle das Unternehmen auch das Exportgeschäft weiter ausbauen.

Wie die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen wird, sei noch unklar. »Wir versuchen aber, die Synergie zu nutzen«, sagt Jörg Wagner. Sowohl er als auch Karsten Krüger betonen, dass beide Unternehmen weiterhin eigenständig seien. Dass mit »Karlchens Backstube« ein Unternehmen ebenfalls aus Löhne einsteigt, bewertet Jörg Wagner als positiv.

Zu dem Betrag, der für die Unternehmensübernahme fließt, haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

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