Spatenstiel-Prozess: Angeklagter (28) muss endgültig in Haft BGH-Urteil nun offiziell

Löhne/Bad Salzuflen/Karlsruhe (WB/uko). Das Verfahren um den Löhner Spatenstiel-Prozess ist nun offiziell rechtskräftig abgeschlossen. Der 28-jährige Angeklagte aus Bad Salzuflen muss wegen des Todes von Familienvater Harun Aydurmus vier Jahre in Haft – wegen einer Körperverletzung mit Todesfolge. Wie berichtet, hatte der Bundesgerichtshof (BGH) die jüngste Revision des Angeklagten als »unbegründet« zurückgewiesen.

Am Vatertag 2015 sind der später verstorbene Harun Aydurmus und die Männer vor dem Löhner Bahnhof in Streit geraten. 
Am Vatertag 2015 sind der später verstorbene Harun Aydurmus und die Männer vor dem Löhner Bahnhof in Streit geraten.  Foto: Sonja Gruhn/Archiv

Im Mai 2015 war der 49-jährige Harun Aydurmus mit dem betrunkenen Angeklagten und dessen Clique am Löhner Bahnhof an­einandergeraten. Aydurmus hatte seine Tochter zum Bahnhof gebracht, wollte mit seinem Wagen vom Parkplatz fahren. Plötzlich blockierten der Angeklagte und seine Freunde die Ausfahrt. Der Familienvater stieg aus, holte einen Spatenstiel aus dem Auto, rief nach Überzeugung des Gerichts »Scheiß Russen!«. Dann griff der Löhner als erster an. Doch die Männer entwendeten ihm den Stiel, schlugen und traten zu.

Freispruch im ersten Prozess

Im ersten Prozess vor der zehnte Strafkammer des Bielefelder Landgerichts war der 28-Jährige Salzufler freigesprochen worden. Die Richter des damaligen Schwurgerichts kamen zu der Erkenntnis, dass der Angeklagte »in einer Notwehrlage« gehandelt habe, da zuvor ein Angriff vom später verstorbenen Familienvater ausgegangen sei. Der vierte Strafsenat des BGH in Karlsruhe hob dieses Urteil jedoch auf und verwies den Fall zurück ans Bielefelder Landgericht.

Im Mai 2017 stellte dann die erste Strafkammer als Schwurgericht ebenfalls fest, dass die ersten Beleidigungen wohl vom späteren Opfer ausgingen. Auch habe der Löhner den Spatenstiel aus seinem Wagen geholt und damit die Männergruppe attackiert. »Das Opfer hat zur Tat nicht unwesentlich beigetragen«, sagte damals der Vorsitzende Richter Wolfgang Korte.

Aber: Die Notwehr des Angeklagten mochten die Juristen seinerzeit nicht feststellen. Der Angriff des 49-jährigen Mannes sei beendet gewesen, als die Gruppe ihn über eine Strecke von 25 Metern über den Bahnhofsvorplatz zurückgedrängt habe. »Sie wollten es ihm heimzahlen, dass er sie angegriffen hat«, sagte Wolfgang Korte, der gar eine »Rachehandlung« sah. Von vier Personen sei Harun Aydurmus drangsaliert worden.

Drei Schläge mit dem Holzstiel

Die Kammer ging davon aus, dass der Angeklagte drei heftige Schläge mit dem Holzstiel gegen den Kopf des Opfers ausgeübt hatte, ehe dieses zu Boden ging. Dann sei es zu weiteren Tritten aus der Gruppe gekommen. Tödlich sei ein Tritt auf den Kopf gewesen, der zu einem Schädelbasisbruch und später zum Tod des Löhners führte, der aber keinem der Angreifer zugeordnet werden konnte. Daher die Verurteilung zu vier Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Die erneute Revision gegen dieses Urteil wies der BGH nun endgültig zurück. Der Verteidiger des 28-Jährigen hatte zuvor bemängelt, die Rechte des Angeklagten seien durch die Anzahl der Nebenklägervertreter unzulässig »eingeschränkt« worden. Das Schwurgericht, so die Begründung habe die Zahl der Rechtsanwälte der Hinterbliebenen nicht »von fünf auf drei« reduziert. Diese Rüge indes hielten die Bundesrichter für nun »unbegründet«.

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