Andreas und Christina Ehlebracht kehren aus Nigeria nach Löhne zurück Zum Abschied die Häuptlings-Ehre

Löhne/Bad Oeynhausen (WB). Vier Jahre haben Andreas und Christina Ehlebracht in Nigeria gelebt und sind nun auf den Löhner Wittel zurückgekehrt. Für die Baufirma Julius Berger arbeitete Andreas Ehlebracht als Religionslehrer. Über das Leben dort und den Mord an zwei Kollegen berichtet er am Sonntag, 20. August, von 10 Uhr an in seiner Predigt in der Loher Kirche.

Von Rajkumar Mukherjee
Vor seinem Abschied aus Nigeria ist Andreas Ehlebracht von seinen nigerianischen Mitarbeitern Simon (links) und Grace (rechts) zum Häuptling ernannt worden. In einer Zeremonie mit Ehefrau Christina erhielt er einen Umhang, einen Hut, eine Kette, einen Fächer sowie einen Wedel. Damit segnen in der nigerianischen Tradition Häuptlinge die Mitglieder ihres Volkes
Vor seinem Abschied aus Nigeria ist Andreas Ehlebracht von seinen nigerianischen Mitarbeitern Simon (links) und Grace (rechts) zum Häuptling ernannt worden. In einer Zeremonie mit Ehefrau Christina erhielt er einen Umhang, einen Hut, eine Kette, einen Fächer sowie einen Wedel. Damit segnen in der nigerianischen Tradition Häuptlinge die Mitglieder ihres Volkes

Zum Abschied gab es eine besondere Ehre für Andreas Ehlebracht (59): Von den nigerianischen Mitarbeitern wurde er zum Stammeshäuptling (»Chief«) ernannt.

Von August 2013 bis zum 1. August 2017 war er von seiner Lehrer-Stelle an der Gesamtschule Detmold beurlaubt. Im »Live Camp« in der nigerianischen Hauptstadt Abuja der Firma Julius Berger Nigeria Plc. und in deren Auftrag arbeitete er bis zum Frühjahr als Lehrer für die Fächer evangelische und katholische Religion, Englisch und Sport in den Jahrgängen fünf bis zehn. »Der Vorteil waren sehr kleine Klassen«, sagt Andreas Ehlebracht.

Ein Land der Gegensätze

Nigeria ist ein Land der Gegensätze. Aufgrund der desolaten politischen Situation nach Jahren einer Militärdiktatur sei es von Kriminalität und Morden geprägt. Viele der Menschen aber haben Andreas und Christina Ehlebracht in persönlichen Treffen beeindruckt. Nigeria ist auch reich an Erdöl, doch davon kommt bei den etwa 170 000 Millionen Bürgern kaum etwas an. »Zuletzt ist auch noch der Ölpreis stark gesunken, das schwächt das Land weiter. Und überhaupt gibt es nur wenige Reiche«, sagt An­dreas Ehlebracht.

Seit etwa 40 Jahren ist die Firma Julius Berger in Nigeria tätig. »Sie hat fast alle großen Bauwerke erstellt: Straßen, Brücken und ganze Stadtteile«, sagt er. Ein großes Geschäft für Berger sei in den 1990er Jahren der Aufbau der neuen Hauptstadt Abuja gewesen. Regierungs- und Botschaftsgebäude sowie ein Stadion für 60 000 Besucher seien mit deutschen Know-How gebaut worden. Und dafür brauchte man Ingenieure. Um für sie und deren Familien den Aufenthalt in Nigeria – abgesehen von der Bezahlung – attraktiv zu machen – wurde das Camp für 2000 Bewohner aufgebaut: mit einer Klinik, einem Supermarkt und der »Deutschen Schule Abuja«. Dort half Christian Ehlebracht in der Hausaufgabenbetreuung.

Starke Konkurrenz aus China

Doch ausbleibende Aufträge – auch aufgrund starker Konkurrenz aus China – hat Julius Berger gezwungen, die Mitarbeiterzahl nun deutlich zu reduzieren: von 2000 Deutschen sind es nun 500, von 20 000 Nigerianern 5000. Somit verlor auch Andreas Ehlebracht seine Arbeit im Camp.

Ihm ist bewusst, dass er und seine Frau in einer Art Enklave hinter einem 2,5 Kilometer langen Stacheldraht abgeschirmt lebten. Kontakte mit Nigerianern hatte er vor allem über die Mitarbeiter. »Meine Frau und ich haben aber die Gelegenheit genutzt, in Nigeria viel zu reisen«, sagt Andreas Ehlebracht. Für bestimmte Regionen gibt es aber Reisewarnungen.

Spendenaktion organisiert

Die Nigerianer habe er als sehr dankbar und zugewandt kennengelernt. Er erfuhr von 70 nigerianischen Gärtnern und Sicherheitsleuten, die für sechs Tage mit jeweils zwölf Stunden Arbeit umgerechnet nur 79 Euro im Monat erhalten. »Davon können sie für sich und ihre Familien nur eine Mahlzeit am Tag bezahlen«, sagt An­dreas Ehlebracht. Um ihnen zu helfen, organisierte er eine Spendenaktion. Von den 3000 Euro erhielt jeder Mitarbeiter einen Sack Reis – die Ration für einen Monat.

Auch Fassungslosigkeit erlebte er. Bei einem Ausflug waren zwei deutsche Kollegen ermordet worden – die Umstände wurden nie aufgeklärt. Über diesen »Doppelmord« berichtet Andreas Ehlebracht am 20. August in der Loher Kirche. Im Anschluss lädt er von 11.30 bis 12.15 Uhr zu einer Fotoschau ins Gemeindehaus ein.

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