Gerichtsmediziner sagt am zweiten Verhandlungstag des Spatenstiel-Prozesses aus
»Massive Gewalt gegen den Kopf«

Löhne/Bielefeld (WB). Mit massiver Gewalt muss an Christi Himmelfahrt 2015 am Löhner Bahnhof auf Harun A. eingewirkt worden sein, weshalb der 49-jährige Familienvater später verstarb. Zu diesem Ergebnis kommt der gerichtlich bestellte Gerichtsmediziner. Er hat am Dienstag vor dem Landgericht in Bielefeld seinen Bericht dazu abgegeben.

Mittwoch, 22.03.2017, 06:00 Uhr
Dr. Detlev Binder (links) verteidigt den angeklagten 28-Jährigen bei im sogenannten Spatenstiel-Prozess. Archiv- Foto: Steve Wasyliw

Es sind detaillierte und schreckliche Schilderungen für die Familienangehörigen des Verstorbenen, die dem Prozess am Dienstag  wie schon zum Auftakt als Nebenkläger folgen, die Gerichtsmediziner Dr. Sven Schmidt am zweiten Verhandlungstag des neu aufgerollten Spatenstiel-Prozesses vor dem Bielefelder Landgericht vorträgt.

»Ganz massive stumpfe Gewalt hat auf den Kopf gewirkt«, sagte der 45-Jährige und nannte sechs wesentliche Verletzungsmerkmale im Schädel von A.

Schwierig gestaltete sich für Sven Schmidt, anhand des Verletzungsbildes eine Rekonstruktion des verhängnisvollen Tatgeschehens nachzuzeichnen. Weder die Reihenfolge der Verletzungen noch deren Ursache konnte der Gerichtsmediziner benennen.

In der Gesamtschau sei lediglich festzustellen, dass die sechs Verletzungen im Schädel todesursächlich waren.

Wurde das Opfer mehrfach mit einem Spatenstiel geschlagen?

Blutungen am Hirn habe es auf beiden Seiten des Schädels gegeben, sodass von beidseitiger Gewalteinwirkung ausgegangen werden muss. Durch die unmittelbare Notoperation in einem Bielefelder Krankenhaus seien jedoch genaue Schlussfolgerungen zur Entstehung der Verletzungen schwierig, so Schmidt.

Entscheidend für das Gericht ist die Beurteilung, ob die Gewalt, so wie angeklagt, mit gezielten Schlägen mittels eines Spatenstiels gegen den Kopf des Opfers erfolgte, oder ob auch durch einen Sturz auf den Asphalt die tödlichen Verletzungen hervorgerufen werden konnten, wie es der 28-jährige Angeklagte behauptet.

»Ob Schlag, Tritt oder Sturz; das sind die entscheidenden Modulationen. Aber ich kann keine klare Aussage treffen, welche Handlung ausgeübt wurde«, resümierte Schmidt auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Wolfgang Korte.

Fortsetzung am 5. April

Jedoch sei eine Gewalthandlung alleine nicht ausreichend für die sechs feststellbaren Verletzungen und die tödlichen Hirnschädigungen. Auch ein »ungebremster, hochenergetischer Sturz« könnte vier der sechs Hirnregionen geschädigt haben. Sollte ein Schlag mit dem Spatenstiel ausgeübt worden sein, könnten weitere Tritte für das Schadensmuster notwendig gewesen sein, so Schmidt.

Sollte das Gericht zu der Einschätzung gelangen, der Angeklagte habe zielgerichtet und ohne Notwehr tödliche Schläge ausgeführt, droht ihm eine Verurteilung wegen Totschlags und somit eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Prozess wird am 5. April fortgesetzt.

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