Hauptzeuge bezeichnet Gruppe um Angeklagten vor Landgericht Bielefeld als aggressiv
Spatenstiel-Prozess beginnt neu

Löhne/Bielefeld (WB). Seit Donnerstag wird erneut vor dem Landgericht Bielefeld im sogenannten Spatenstiel-Prozess verhandelt. Ein 28-jähriger Mann aus Bad Salzuflen muss sich dafür verantworten, am Vatertag 2015 einen 49-Jährigen am Bahnhof in Löhne zu Tode geschlagen zu haben. Dennoch hatte ihn das Schwurgericht freigesprochen.

Donnerstag, 16.03.2017, 19:00 Uhr

Überraschender Freispruch sorgte für bundesweites Interesse

Der Freispruch kam überraschend und sorgte wie der Fall selbst für bundesweites Interesse. Sowohl Staatsanwaltschaft wie auch Dr. Lutz Klose, damaliger Verteidiger des gebürtigen Kirgisen, hatten eine Haftstrafe beantragt.

Die X. Große Strafkammer des Landgerichts um die Vorsitzende Richterin Jutta Albert sah es jedoch als nicht erwiesen an, dass der Tatbeitrag des Angeklagten maßgeblich für den späteren Tod des Opfers Harun A. war. Zudem habe der damals 26-Jährige in Notwehr gehandelt, um sich gegen den Angriff des 49-jährigen Mannes aus Löhne zu wehren.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld sowie die Nebenkläger um die Ehefrau und Tochter des Verstorbenen legten Revision gegen das umstrittene Urteil ein. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob den Freispruch Ende 2015 auf und verwies die Strafsache zu einer anderen Schwurgerichtskammer am Landgericht Bielefeld.

Die IV. Strafkammer der Karlsruher Richter bemängelte, dass keine ausreichenden Feststellungen zur angenommenen Notwehrlage getroffen wurden.

Tat geschah an Vatertag 2015

Nun beginnt der Prozess also von Neuem. Zuständig ist nunmehr die I. Große Strafkammer als Schwurgericht unter dem Vorsitz von Wolfgang Korte. An sechs angesetzten Verhandlungstagen soll das Gericht klären, wie es zum Tod des Löhner Familienvaters kommen konnte.

Laut Staatsanwalt Christoph Mackel soll der Angeklagte in einer Gruppe von fünf Deutsch-Russen an Vatertag 2015 unterwegs gewesen sein. Stark alkoholisiert sollen sich die jungen Männer (26 bis 28 Jahre) dem späteren Opfer in den Weg gestellt haben, als dieser mit seinem Opel Corsa den Löhner Bahnhof verlassen wollte.

Zuvor hatte er dort seine Tochter abgesetzt, die an Christi Himmelfahrt die Familie besucht hatte.

Nachdem die Männergruppe die Straße nicht verließ, sei der 49-Jährige ausgestiegen, habe zu einem Spatenstiel aus dem Kofferraum gegriffen und damit gedroht. Durch eine Rangelei sei schließlich der Angeklagte in den Besitz des Holzstiels gekommen und habe, so die Auffassung der Staatsanwaltschaft, zwei gezielte Schläge gegen den Kopf des Deutsch-Türken ausgeübt.

Das am Boden liegende Opfer soll mit Tritten traktiert worden sein

Als das Opfer auf den Boden fiel, habe es Tritte in den Körper des reglosen Mannes gegeben. Wenige Tage später erlag der Löhner seinen Verletzungen.

Gestern verwies der Angeklagte durch seinen Verteidiger Dr. Detlev Binder auf seine Aussage im ersten Prozess. Lediglich kleine Ergänzungen wurden beigefügt. So gestehe er die Tat, wisse aufgrund seiner hohen Alkoholisierung (laut Gutachten mindestens 2,1 Promille) jedoch nicht alle Details.

So habe es nur einen Schlag gegen den Körper des Opfers gegeben, welcher schließlich zu Boden gesunken sei. Tritte seinerseits habe es nicht gegeben. Auch habe er sich von dem 49-Jährigen bedroht gefühlt, als dieser mit dem Spatenstiel auf ihn zugekommen sei. Während der Verlesung der Stellungnahme brach der 28-Jährige in Tränen aus. Die Tat bereue er zutiefst.

Ein Hauptzeuge schilderte dem Gericht einen anderen Tathergang. So sei die Gruppe um den Angeklagten aggressiv aufgetreten, habe das spätere Opfer bedroht und geschubst. Nach seiner Ansicht sei die Verteidigung mit einem Werkzeug dringend geboten gewesen. Keinesfalls habe der Bad Salzuflener in Notwehr gehandelt.

Fortsetzung am Dienstag, 21. März

Binder scheiterte mit einem Antrag, die Anzahl der mittlerweile fünf Nebenkläger zu begrenzen. Insbesondere die anfallenden Kosten für fünf Anwälte sowie die Sorge um eine Verschleppung des Verfahrens trug der Verteidiger vor. »Der Angeklagte soll nicht bloßes Objekt dieses Verfahrens werden, wenn alle nahen und fernen Verwandten als Nebenkläger mit Verteidiger auftreten können.«

Die Kammer lehnte den Antrag ab. Im Falle einer Verurteilung wegen Totschlags droht dem Angeklagten eine lebenslange Haft. Der Prozess wird mit Zeugenvernehmungen am Dienstag, 21. März, um 12.30 Uhr fortgesetzt.

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