Unbekannte schänden Friedhof in Mahnen mit nationalsozialistischen Schmierereien
Hakenkreuz auf muslimischem Gräberfeld

Löhne-Bahnhof (WB/sg). Yasemin A. ist fassungslos: Auf dem muslimischen Gräberfeld des Friedhofes Mahnen, auf dem im Mai 2015 ihr Mann Harun beigesetzt worden war, hat sie Mittwochvormittag ein Hakenkreuz gefunden. Es wurde in grüner Farbe auf einen Stein gesprüht, der ein Mekka-Zeichen trägt.

Donnerstag, 23.02.2017, 12:15 Uhr
Am hintersten Teil des muslimischen Gräberfeldes, das auf dem Mahnener Friedhof eingerichtet ist, liegt der Stein mit dem Mekka-Zeichen nahe den Gräbern direkt rechts neben der Bank. Darauf haben Unbekannte mit grüner Farbe ein Hakenkreuz gesprüht. Foto: Sonja Gruhn

»Ich war beim Einkaufen gewesen und hatte plötzlich das Bedürfnis, zum Grab meines Mannes zu gehen«, sagt die Witwe, die gerade erst einen fast vierwöchigen Krankenhausaufenthalt hinter sich hat.

Eine Bekannte, die Yasemin A. begleitet hatte, fotografierte den Stein mit der Schmiererei und schickte das Foto an Yasemins Tochter Songül. Als die 26-Jährige dies einige Zeit später sah, reagierte sie mit einem Post bei Facebook und kündigte eine Videobotschaft an.

Tochter eines Verstorbenen verfasst Videobotschaft

»Ich musste das aber erst mal verdauen. Es hat drei Stunden gedauert, bevor ich es gepostet und das Video gemacht habe, sagt Songül A.

Zwar ist die Wut noch in ihrer Botschaft zu spüren, dennoch kommen die Worte überlegt aus ihrem Mund. Ebenso wie ihre Mutter gehe sie nicht davon aus, dass die Schmiererei gegen ihre Familie gerichtet ist.

Dennoch trifft es sie hart, denn am 16. März ist ein erneuter Prozessauftakt angesetzt, in dem es um den Tod ihres Vaters Harun geht. Dieser war am Vatertag 2015 bei einer Schlägerei vor dem Löhner Bahnhof so schwer verletzt wurde, dass er im Alter von 49 Jahren wenige Tage später seinen Verletzungen erlag.

Belohnung für Hinweise auf Täter ausgesetzt

In ihrer gut vierminütigen Videobotschaft betont Songül A., dass es ihr in erster Linie darum gehe, dass die Verantwortlichen dieser Schändung zur Rechenschaft gezogen werden. Dafür setzt sie sogar eine Belohnung für Hinweise aus, die zur Überführung der Täter beitragen.

»Diese Schändung sehe ich unabhängig von der Religion«, sagt die 26-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie wolle sich für jeden, egal ob Christ oder Muslim, einsetzen, der auf dem Friedhof begraben ist, und für dessen trauernde Angehörige. Es handele bei einem Friedhof um einen Platz des Friedens, an dem Verstorbene ihren Frieden finden sollen.

»Rassismus und Politik haben auf Friedhof nichts zu suchen«

»Ein solches Zeichen, Rassismus und auch Politik haben dort nichts zu suchen«, sagt sie. »Diese Menschen werden und müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Hier in Löhne sind wir Bürger die Starken, die Kriminellen werden hier keinen Platz finden.«

Dass die Löhner zu der Familie halten, habe sich in der Vergangenheit gezeigt. »Ich erlebe auch keine Feindlichkeit, wenn ich auf dem Friedhof bin. Das Gräberfeld ist eine offene Fläche. Es kommen immer mal wieder Menschen von der christlichen Seite hierher, und man kommt ins Gespräch. Das Interesse ist zu spüren«, sagt Songül A.

Familie will Anzeige erstatten

Ihre Mutter will Anzeige erstatten. Somit wird der Staatsschutz involviert. Kontakt hatte sie bereits mit Marion Schröder aufgenommen, die sie und ihre Familie im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Opferschutzorganisation Weißer Ring unterstützt hatte.

»Ich bin sehr erschüttert, dass das passiert ist«, sagt die SPD-Ratsfrau. »Ich denke aber auch nicht, dass sich dies gegen die Familie A. persönlich gerichtet hat. Da waren vermutlich Sprayer unterwegs. So ein liegender Stein bietet sich dafür ja an«, meint Marion Schröder.

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