Mit bissigem Humor seziert Andreas Rebers in der Werretalhalle aktuelle politische Geschehnisse Ein Kabarettist will gemocht werden

Löhne (WB). Der Titel seines aktuellen Programmes »Andreas Rebers muss man mögen« ist so doppeldeutig wie der Kabarettist selbst. Der 58-Jährige gehört derzeit sicher zu den angesagtesten, aber auch bissigsten Kabarettisten Deutschlands. Die 180 Zuhörer in der Werretalhalle wissen jetzt, warum.

Von Henning Tonn
Andreas Rebers gehört derzeit zu den angesagtesten Kabarettisten. Seinen bissigen Humor muss man aber mögen.
Andreas Rebers gehört derzeit zu den angesagtesten Kabarettisten. Seinen bissigen Humor muss man aber mögen. Foto: Henning Tonn

Mit seinem vollen braunen Haaren sieht Andreas Rebers von weitem wie ein junger Bursche aus. Nett und lieb wollte er in Löhne aber sicher nicht sein. Der Autor und Komponist von Bühnen- und Schauspielmusik hat – ganz klar – eine sehr spitze Zunge. Seinen besonderen Humor, seine harte und direkte Art, mussten die Zuhörer deshalb schon mögen – da passte dann auch der Titel seines aktuellen Programms.

Wer Andreas Rebers zum ersten Mal in der Werretalhalle auf der Bühne erlebte, lief schnell Gefahr, zu früh zu lachen oder gar zu klatschen. Denn der Künstler ist ein Weltmeister im Drehen und späten Vollenden fast fertiger Sätze und Ausführungen. Wer zu früh lacht, liegt oftmals falsch – und das Lachen bleibt gerne mal im Halse stecken.

Kanzlerin kriegt ihr Fett weg

Während seines Auftrittes bekamen Kanzlerin Angela Merkel und beispielsweise auch die Partei AfD ihr Fett weg. Zum Merkel-Ausspruch »Wir schaffen das« sagte der studierte Akkordeonspieler etwa: »Wir schon.«, Merkel selbst, so meinte Rebers hinsichtlich ihrer politischen Zukunft, wohl er nicht. Sekunden später schaute er frech und ehrfurchtslos in die Zuschauerreihen: »Da hat sie die Backen wohl etwas vollgenommen«.

Zum Thema der Flüchtlinge sagte der Hardliner Rebers, er habe nichts gegen betende Menschen, wohl aber gegen Machtgehabe. Zudem habe Böhmermann »uns die Augen geöffnet.« Dafür gab es lautstarken Applaus im Publikum. Andreas Rebers sei nicht gegen Flüchtlinge, sondern gegen Macht – egal auf welcher Seite und von wem ausgeübt. »Von mir aus sollen die Menschen alle zu uns kommen, sie konkurrieren ja nicht mit mir. Sind ja keine Kabarettisten dabei, sondern nur Ärzte und Ingenieure«, sagte Andreas Rebers. Und er benannte bitterböse die »Grundsätze der Integration«: Wo kommst du her? Wo willst du hin? Hier kannst du nicht bleiben!

Andreas Rebers, so scheint es, ist politisch nicht links und auch nicht rechts. Er selbst sehe sich selber in der Mitte – da wo im Moment niemand zu sein scheint. Aber auch sogenannte Gutmenschen wurden von ihm während seines Auftrittes bedacht: »Brecht für die Intelligenten, Bohlen für die anderen«.

Bitterböse Erziehungstipps

Aber auch mit anderen aktuellen Themen wie dem VW-Skandal beschäftigte sich Andreas Rebers an diesem Abend. »Hätte ich gewusst, wie viele Schadstoffe mein VW rausschmeißt, hätte ich gar nicht so viel fahren müssen …«, sagte der Kabarettist provokant. Auch Aspekte der Erziehung sezierte Andreas Rebers – ebenso bitterböse: »Ich bin für Erziehung. Latte auf den Kopf, dann fliegen die Kopfhörer raus und sie sind ansprechbar.«

Zuschauer Matthias Feld aus Schweicheln hatte sich spontan für den Kabarett-Besuch mit seiner Frau entschieden. »Das Programm ist erstaunlich aktuell und wie gewohnt sehr bissig«, sagte er. Wer eben diese brachiale Art mochte, der erlebte einen unterhaltsamen Abend mit Andreas Rebers.

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