Weitere Zeugen sollen gehört werden – Gutachten über Alkoholkonsum des Angeklagten steht aus
Totschlag-Prozess zieht sich in die Länge

Löhne/Bielefeld (WB/hz). Der Prozess vor dem Bielefelder Schwurgericht um den Totschlag am Löhner Harun A. (49) dauert doch länger als erwartet.

Freitag, 13.11.2015, 16:33 Uhr
Der Prozess wegen Totschlags gegen den 26-jährigen Angeklagten (Mitte) Mikhail Z., der hier mit seinen Verteidigern Lutz Klose (rechts) und Helmut Wöhler zu sehen ist, dauert an. Foto: Foto: Hans-Werner Büscher

Statt der für den kommenden Donnerstag angekündigten letzten Zeugenbefragung und den Plädoyers sollen jetzt zwei oder drei weitere Zeugen der Tat vom Abend des 14. Mai vor dem Bahnhof Löhne vernommen werden. Das sagte gestern Vorsitzende Richterin Jutta Albert. Die Juristin entspricht damit den gemeinsamen Anregungen der Verteidiger, der Rechtsanwälte der Nebenkläger (Witwe Yasmine A. und ihre Kinder) sowie dem Wunsch von Staatsanwältin Julia Behrend.

Außerdem steht für den nächsten Verhandlungstag am 19. November noch das Gutachten über den Angeklagten Mikhail Z. (26) aus. Dabei wird es besonders um den Alkoholkonsum, eine eventuelle Alkoholsucht und die Schuldfähigkeit des Anlagenbauers aus Bad Salzuflen gehen. Das Gutachten wird das Urteil des Gerichtes wesentlich mitbestimmen.

Wie berichtet, soll der Angeklagte am Abend des Tattages (Christi Himmelfahrt) nach reichlich Bier- und Wodkakonsum bei einer »Vatertagsfeier« zwischen 2,1 Promille und 2,55 Promille im Blut gehabt haben. Auf dem Bahnhofsvorplatz kam es dann zum verhängnisvollen Aufeinandertreffen zwischen dem 26-Jährigen, seinen vier Begleitern und Harun A.

Der 49-Jährige griff zu einem Schaufelstiel aus dem Kofferraum seines Autos, um sich gegen die Gruppe zu wehren. Dabei soll Mikhail Z. dem Löhner den Stiel entrissen und das Holzstück gegen dessen Kopf geschlagen haben. Zudem soll der Angeklagte das Opfer Harun A. getreten haben, als dieser mit zertrümmerten Schädel bereits auf dem Boden lag. Der Löhner starb zwei Tage später im Krankenhaus.

Vorleben des Täters rückt in den Vordergrund

Auf Betreiben der Rechtsanwälte der Familie des Opfers rückt das Vorleben von Mikhail Z. immer weiter in den Vordergrund des Prozesses. Der 26-Jährige sei bei der Justiz dreimal aktenkundig, teilte die Staatsanwältin mit. Im Jahr 2006 sei der Angeklagte in einem Strafverfahren wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall freigesprochen worden. Ein Verfahren aus dem Jahr 2009 wegen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort sei mit einer Auflage eingestellt worden. Das gleiche gelte für ein Strafverfahren wegen Körperverletzung im Jahr 2014. Mikhail Z. musste sich damals nach einer Schlägerei im Juli 2013 in einer Diskothek in seiner Heimatstadt Bad Salzuflen vor dem Amtsgericht Lemgo verantworten.

Am gestrigen Prozesstag sagten zwei 18-jährige Schüler aus Löhne und Schnathorst vor dem Schwurgericht Bielefeld aus. Die Männer hatten sich am Abend des Tattages mit Freunden am Bahnhof getroffen, um sich von ihren Vatertagstouren auszuruhen. Direkte Zeugen des Momentes, als Mikhail Z. mit dem Schaufelstiel auf Harun A. eingeschlagen haben soll, wurden die 18-Jährigen jedoch nicht. Sie saßen zu der Zeit auf einer Bank vor dem Bahnhof.

Der 18-Jährige aus Löhne berichtete dem Gericht, der alkoholisierte Angeklagte sei vor der Tat auf ihn und seine Begleiter zugekommen und »hat direkt angefangen zu pöbeln«. Dagegen brach sein vom Verbrechen nach wie vor traumatisierter Freund aus Schnathorst im Gerichtssaal in Tränen aus. Er bekomme das Bild vom schwer verletzten, auf dem Boden liegenden Harun A. nicht mehr aus seinem Kopf, erklärte er seine Erinnerungslücken.

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