Prozess wegen Totschlags fortgesetzt – Kammervorsitzende droht mit Ordnungsstrafen
Parteien geraten aneinander

Löhne/Bielefeld (uko/sg). Im Prozess um den gewaltsamen Tod des 49-jährigen Löhners Harun A. sind vor dem Landgericht Bielefeld die ersten Konflikte zwischen den Parteien aufgebrochen. Kammervorsitzende Jutta Albert kündigte in der gestrigen Verhandlung im Fall der Wiederholung sogar Ordnungsstrafen an.

Freitag, 16.10.2015, 13:05 Uhr
Der Prozess wegen Totschlags gegen den 26-jährigen Angeklagten (Mitte) Mikhail Z., der hier mit seinen Verteidigern Lutz Klose (rechts) und Helmut Wöhler zu sehen ist, ist gestern fortgesetzt worden. Ausgesagt haben zwei jugendliche Zeuginnen. Foto: Hans-Werner Büscher

Grund für diese klare Ansage der Chefin der zehnten Strafkammer ist eine Konfrontation am Ende des ersten Verhandlungstages am Dienstag. Da waren vor dem Sitzungssaal des Schwurgerichts die Mutter des Angeklagten Mikhail Z. (26) und die Witwe des Opfers, Yasmine A., aneinandergeraten und stritten sich lautstark.

Angehörige sollen »Zurückhaltung« üben

Jutta Albert nahm diesen Vorfall aus dem bisher sehr ruhig verlaufenen Prozess gestern zum Anlass, die Familien von Täter und Opfer gleichermaßen streng zu ermahnen: »Ich erwarte, dass sich jeder angemessen benimmt.« Die Angehörigen sollten »Zurückhaltung« üben. Das Gericht werde künftig das Verhalten »überwachen«. Diese mündliche Anweisung nahm die Kammervorsitzende sogar zu Protokoll. Gebe es wiederholt solche Auseinandersetzungen, werde das Schwurgericht mit Ordnungsstrafen reagieren. Albert: »Wenn so etwas passiert, dann fliegen die Personen achtkantig raus.«

Die Kammervorsitzende habe ihre Ansage neutral formuliert und keinen dabei ins Visier genommen, meinten anschließend Rechtsanwalt Christian Thüner, der die Witwe des Opfers als Nebenklägerin vertritt, sowie seine Kollegin Deborah Weinert.

Geprägt war der zweite Tag des Totschlags-Prozesses gegen den gebürtigen Kirgisen mit russischer Staatsangehörigkeit danach von den Aussagen zweier Zeuginnen, die am 14. Mai 2015 den Vorfall auf dem Löhner Bahnhofsvorplatz beobachtet hatten. Die 16-jährigen Schülerinnen hatten den Tag in Bad Oeynhausen verbracht, waren abends mit dem Zug zurück gekehrt. Sie hielten sich mit Freunden an und auf einer Sitzbank am Bahnhof auf, als Mikhail Z. neben ihnen Platz nahm. Er habe mit Freunden über Belanglosigkeiten wie deren Alter, über Rauchen und Trinken gesprochen. Auf beide Schülerinnen wirkte der Mann alkoholisiert. »Er war ein bisschen angetrunken«, fasste eine der Jugendlichen ihre Eindrücke zusammen.

Laborwerte maßgeblich für Bewertung

Überdies schilderte zumindest eine der beiden Schülerinnen die Ereignisse der folgenden Prügelei jedoch abweichend von ihrer polizeilichen Aussage. Die erste Zeugin gab unter anderem an, dass sie gesehen habe, wie der Geschädigte gegangen und dann umgefallen sei. Zudem habe sie gesehen, dass der Angeklagte nach dem Opfer getreten habe, jedoch nicht, ob diese Tritte den Löhner getroffen hätten.

Die zweite Zeugin beschrieb dann eine von ihrer vorherigen Aussage abweichende Rangelei um den Holzstiel. A. habe damit nach Mikhail Z. geschlagen. Dann habe zunächst der Russe, dann der Familienvater, schließlich wieder Z. den Holzstiel gehabt. Schließlich sei der 49-Jährige geschubst, gefallen, geschlagen und getreten worden. Harun A. war seinen schweren Kopfverletzungen erlegen.

Der 26-jährige Anlagenbauer aus Bad Salzuflen ist deswegen des Totschlags angeklagt worden. Eine Blutprobe von ihm hatte zur Tatzeit mindestens 2,1 Promille, höchstens jedoch 2,55 Promille ergeben. Diese Laborwerte sind neben den subjektiven Empfindungen der Zeugen am Tatort maßgeblich für die Bewertung, ob der Angeklagte als vermindert schuldfähig eingestuft wird. Der Prozess soll nun am Freitag, 6. November, fortgesetzt werden. Dann ist vorgesehen, dass drei der Männer, in deren Begleitung der Angeklagte war, zu dem Geschehen aussagen. Ebenso wird voraussichtlich der Gerichtsmediziner Art und Umfang der erlittenen Verletzungen erörtern.

»Die relativ lange Pause bis zur nächsten Verhandlung ist für meine Mandantin eine schwere seelische Belastung«, schilderte Thüner die Gemütslage seiner Mandantin

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