Gewaltopfer Harun A. wird auf muslimischem Gräberfeld beigesetzt – Trauerfeier vor der Moschee
Hunderte Menschen nehmen Abschied

Löhne (WB). Hunderte Menschen haben Harun A. die letzte Ehre erwiesen. Der 49-Jährige, der an den Folgen der Prügelattacke vor dem Bahnhof gestorben ist, wurde gestern auf dem muslimischen Gräberfeld des evangelischen Friedhofes in Mahnen beigesetzt.

Mittwoch, 20.05.2015, 10:32 Uhr
Der Imam steht vor dem Sarg und spricht vor der Trauergemeinde das Totengebet für Harun A. Foto: Sonja Gruhn

Der Platz vor der Moschee an der Werster Straße in Mennighüffen war voller Menschen, die Abschied nehmen wollten. Darunter auch die C-Jugend des VfL Mennighüffen. Die 19 Jungs waren in Begleitung ihrer Trainer zur Trauerfeier gekommen – zu Ehren von Harun A. in ihren Sportanzügen. »Er war ein Vater für die Mannschaft«, sagte einer der 13- bis 15-Jährigen Spieler.

Gemeinsam mit dem Sohn des Verstorbenen hatten sie noch am Samstag gehofft, dass der Familienvater die schweren Verletzungen übersteht: »Wir haben an dem Tag für ihn gespielt. Auch die B-Jugend. Auch deren Sieg war für Harun«, sagen sie. Er sei immer dabei gewesen, habe für sie gekocht, sich immer für sie eingesetzt. »Harun hat uns aufgebaut, wenn wir nicht gut drauf waren. Er fehlt uns.« So steht beispielsweise auf einem der Kränze, die die Jungs von der C- und der D-Jugend mitgebracht haben: Du bist nicht mehr da, wo Du warst, aber Du bis überall, wo wir sind. Um ihren Mitspieler, der seinen Vater verloren hat, wollen sie sich kümmern: »Wir ziehen ihn durch diese schwere Phase durch.«

Ufuk Gezer, der türkische Generalkonsul aus dem Konsulat in Münster, wohnte den Trauerfeierlichkeiten ebenfalls bei. »Ich bin aus Solidarität mit der Familie, den Verwandten und der Gemeinde hier«, sagte Gezer. Zudem biete er der Familie Unterstützung an. Er wünsche sich einen schnellen Prozess und Transparenz bezüglich des Vorfalls.

Während die Trauergäste warteten, erhielt Harun A. in einem Nebengebäude die letzte Waschung. »Sie wird von den Familienangehörigen, die sich dazu in der Lage fühlen, und vom Imam durchgeführt, damit der Verstorbene rein und sauber in die Erde kommt. Dabei wird er zum letzten Mal aufgedeckt«, erläuterten Mitglieder der Gemeinde die Prozedur. Bevor der Leichnam dann von dem Imam in ein weißes Tuch aus hochwertigem Stoff wie Seide oder Leinen – das sogenannte Kefen – gewickelt wird, ist seine Ehefrau, die letzte, die ihn sehen darf. »Das Tuch muss weiß sein, es steht für Reinheit«, sagte ein Gemeindemitglied.

Nach dem Mittagsgebet wurde der Leichnam, auf die rechte Seite gebettet, in einem Sarg von mehreren Männern aus dem Waschraum getragen und direkt vor der Moschee aufgebahrt. Nach den Ansagen des Imam sprach die Trauergemeinde das Totengebet. Üblicherweise stehen dabei die Frauen in den hinteren Reihen. »Das Gebet endet, indem wir einmal nach rechts und einmal nach links blicken. Das ist wie das Amen in der christlichen Kirche«, sagt einer der Muslime. Anschließend frage der Imam diejenigen, die ihn näher gekannt haben, ob sie mit dem Toten zufrieden waren, ob er ein guter Mensch gewesen sei. Nachdem alle Anwesenden noch einmal an dem Sarg vorbeigegangen sind, sei das Ritual vorbei.

Ein Bestattungsunternehmen der muslimischen Gemeinde brachte den Sarg anschließen zum muslimischen Gräberfeld nach Mahnen. Auch dort hatten sich zahlreiche Menschen versammelt. Kränze und Blumen waren am Wegesrand bereitgelegt worden. Harun A.s eingewickelter Leichnam wurde, wie es bei muslimischen Bestattungen üblich ist, aus dem Sarg herausgehoben und auf der rechten Seite liegend mit dem Gesicht in Richtung Mekka beigesetzt, während der Imam aus dem Koran rezitierte. Danach nahm die Familie Abschied. Bürgermeister Heinz-Dieter Held, der ebenfalls anwesend war, durfte der Zeremonie beiwohnen.

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