Nabu gibt in den Beeten vor der Gemeindebücherei Kirchlengern Anregungen für eine naturnahe Gartengestaltung
„Totes Holz steckt voller Leben“

Kirchlengern (WB) -

Laubhaufen, Totholz – vielen Gartenbesitzern ist das ein Dorn im Auge. So etwas hat in einem ordentlichen Garten nichts zu suchen, lautet die Devise. Das kann man aber auch anders sehen.

Montag, 08.03.2021, 02:25 Uhr aktualisiert: 08.03.2021, 02:30 Uhr
Wie man auch mit einfachen Mitteln Beete so gestalten kann, dass Insekten, Vögel und Kleinsäuger Lebensräume finden, zeigt der Naturschutzbund vor der Gemeindebücherei Ostermeiers Hof. Nabu-Kreisvorsitzender Friedhelm Diebrok (vorne rechts) überreichte Bürgermeister Rüdiger Meier (vorne links) dabei das Buchgeschenk „Haufenweise Lebensräume“. Mitgeholfen bei der Gestaltung haben zudem die Nabu-Mitglieder (hinten von links) Manfred Walter, Hubert Wiebeler, Siegfried Thüte und Willi Niemeier. Foto: Hilko Raske

Dass es sich dabei aber um wertvolle Lebensräume im Kleinstformat handelt, darauf hat nun der Naturschutzbund mit einer Aktion vor der Gemeindebücherei Ostermeiers Hof in Kirchlengern aufmerksam gemacht.

Seit etlichen Jahren betreut der Nabu die Beete im Eingangsbereich der Bibliothek. Unterstützt wird er dabei von der Gemeindeverwaltung. Mehr als 100 verschiedene Stauden haben die Naturfreunde während dieser Zeit in die Beete gepflanzt. „Außerdem etwa zehn verschiedene Straucharten, darunter Felsenbirne und Berberitze, sowie diverse Wildrosen“, informiert Nabu-Kreisvorsitzender Friedhelm Diebrok.

Anlässlich des „Tages des Artenschutzes“ hatte sich der Nabu nun etwas ganz Besonderes einfallen lassen. So schichteten die Naturfreunde in den Beeten Totholz auf, legten einen Baumstamm neben eine Wildrose, formten ein kegelähnliches Gebilde aus Reisig und Ästen und garnierten das Ganze mit einer dekorativen Baumwurzel. „All das tote Holz steckt voller Leben“, erklärt Friedhelm Diebrok. Der Reisighaufen werde im Laufe der Jahre von Insekten zersetzt, könne beispielsweise einem Zaunkönig als Nistplatz dienen. Und auch für Totholz, den Baumstamm und die Wurzel gebe es spezialisierte Tiere und Pflanzen, die hier Nahrung finden würden. Diebrok verweist auf eine Studie, nach der in deutschen Wäldern beispielsweise von 60 Säugetierarten 28 eine Beziehung zum Totholz hätten. Bei Käfern wäre der Anteil noch deutliche höher: von 4620 bekannten Arten würden 1377 ein Faible für Totholz haben.

Rückendeckung für ihre Aktion haben die Umweltschützer des Nabus von Bürgermeister Rüdiger Meier erhalten. Der ließ es sich nicht nehmen, die Beete vor der Gemeindebücherei persönlich in Augenschein zu nehmen. Meier nannte als ein Beispiel für praktizierten Naturschutz die Benjeshecken, wie sie vom Nabu, aber auch der Kreisjägerschaft angelegt würden. „So etwas kann aber eigentlich jeder in seinem eigenen Garten anlegen – es muss ja nicht gleich eine Hecke sein, es reicht auch ein Benjeshaufen.“ Es gehe bei diesen Maßnahmen nicht darum, ob es ordentlich aussehe, betonte das Gemeindeoberhaupt. „Man muss sich das ja nicht gerade vor der eigenen Terrasse platzieren. Aber über einen Laubhaufen im Garten freut sich sicher der Igel.“ Und nicht jeder Baumstumpf müsse im Garten ausgegraben werden. „Einfach stehen lassen und mit einer Kletterrose kombinieren“, gab er einen Gestaltungstipp aus dem eigenen Garten.

Meier erwähnte in diesem Zusammenhang das Projekt Umweltpfad an der Else, für das er sich einsetzt. Auf geführten Wegen könne so unter anderem die Else und ihre Uferbereiche als Lebensraum dargestellt und erlebt werden. Besonders als Angebote für Kindertagesstätten und Schulen sei das reizvoll, da man den Jüngsten dadurch die Bedeutung des Naturschutzes vermitteln könnte.

Für den Bürgermeister gab es vom Naturschutzbund übrigens noch ein Geschenk. Passend zur Aktion an der Gemeindebücherei überreichte ihm Friedhelm Diebrok das Buch „Haufenweise Lebensräume: Ein Lob der Unordnung im Garten“ von Sigrid Tinz.

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