Antrag der SPD-Fraktion: Privat angepflanzte Bäume sollen gefördert werden – mehr Blühflächen auf Gemeindegrund gewünscht
Sozialdemokraten schärfen ihr Öko-Profil

Kirchlengern (WB/hr) -

Der Kreis Herford zählt zu den baumärmsten Gebieten in ganz Deutschland. Die Gemeinde Kirchlengern bildet da keine Ausnahme. Ökologie fängt nach Ansicht der SPD-Fraktion der Elsegemeinde im Kleinen an. Die Sozialdemokraten wollen deshalb durch finanzielle Anreize das Anpflanzen von Bäumen auf Privatgrundstücken unterstützen. Die SPD-Fraktion hat nun einen entsprechenden Antrag gestellt.

Mittwoch, 20.01.2021, 05:54 Uhr aktualisiert: 20.01.2021, 09:58 Uhr
Blühstreifen auf gemeindeeigenen Flächen wünschen sich die Sozialdemokraten Kirchlengern und haben einen entsprechenden Antrag gestellt. Foto: Patrick Pleul/dpa

„Das Anpflanzen von Bäumen dient als anerkanntes Mittel gegen den Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Neben dem öffentlichen Engagement ist hier insbesondere auch das private Engagement der Bürger von entscheidender Bedeutung“, begründet SPD-Fraktionschef Oliver Lüking den Vorstoß seiner Fraktion. Mit einem solchen Förderprogramm sollten private Grundstücksinhaber ermutigt und motiviert werden, auf ihrem eigenem Grund Bäume anzupflanzen und zu pflegen.

„Wie ein solches Förderprogramm im Detail ausschaut, darüber müssen wir sprechen und erwarten hierzu auch Vorschläge der Verwaltung“, sagt SPD-Ratsmitglied Hans-Günter Mehrkühler, Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Ratsmitglied Ingo Scheiding betont, dass Investitionen in die Nachhaltigkeit einen positiven Nutzen für alle Bürger hätten und solche Maßnahmen daher auch öffentlich unterstützt werden sollten. „Bei der Fördersumme haben wir uns am Förderprogramm der Stadt Bünde orientiert. Diese stellt 25.000 Euro zur Verfügung. Bezogen auf die Einwohnerzahl wären 10.000,- Euro durchaus eine realistische Größenordnung“, so abschließend Ingo Scheiding.

Aber nicht nur in Sachen Baumpflanzungen wollen die Sozialdemokraten ökologische Akzente setzen. In einem weiteren Antrag fordert die SPD-Fraktion die Umgestaltung gemeindlicher Flächen in Blühstreifen. „Durch die negativen Entwicklungen unserer Kulturlandschaften haben sich die Lebensbedingungen der Blüten bestäubenden Insekten in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert. Von den etwa 550 Wildbienenarten stehen 52 Prozent auf der roten Liste, 39 Arten gelten bereits als ausgestorbenoder verschollen. Das gilt nicht nur für die Biene, sondern auch für andere (Insekten-)Arten“, so Oliver Lüking.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, beantragt die SPD-Fraktion, alle öffentlichen Flächen zu ermitteln und zu dokumentieren, auf denen Blühwiesen und Blühstreifen angelegt werden könnten. Diese beziehungsweise ein Teil dieser Flächen sollten zeitnah in Blühflächen mit geeigneten Saatmischungen und Blumenzwiebeln umgewandelt werden.

„Neben dem mangelnden Nahrungsangebot wie Wildblumen und -kräuter ist hierbei auch das Verschwinden der Nistmöglichkeiten für den Rückgang der Arten verantwortlich. Die Umsetzung der Maßnahmen ist ein erster Schritt, um dieser negativen Entwicklung Einhalt zu gebieten“, erläutert Kathleen Krüger, Sprecherin der SPD im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. „Bei den Umwandlungen der ermittelten Flächen besteht neben dem ansprechenden Anblick von Blumen und Wildkräutern für die Bürger auch die Chance, sich von der Anwesenheit der vielfältigen Insekten in und an solchen Flächen zu überzeugen“, so Krüger weiter.

Ratsmitglied Ingo Scheiding ist überzeugt: „Stellt sich die Gemeinde als Vorreiter dar, ist eventuell auch der eine oder andere Gartenbesitzer bereit, seine heimischen Flächen dahingehend umzugestalten. Die Gemeinde könnte hier durch entsprechende Beratung und dem Bereitstellen von heimischen Saatmischungen Unterstützung leisten. Denkbar wäre auch die Suche nach „Paten“ für die Begrünung von Verkehrsinseln, kleinen öffentlichen Beeten und Ortseingangsbereichen.“

Kommentar von Hilko Raske

Die SPD Kirchlengern scheint ihre „grüne Seele“ entdeckt zu haben. Baumpflanzförderung, Blühstreifen auf Gemeindeflächen – das sind bewährte Mittel, die sich auf lokaler Ebene relativ unproblematisch umsetzen lassen und bei Bürgern gut ankommen. Generell ist dieser Vorstoß lobenswert. Allerdings vermittelt er auch den Eindruck, als wäre Kirchlengern bislang ein weißer Fleck auf der Öko-Landkarte gewesen. Und das ist nun wirklich nicht zutreffend.So gibt es – im Gegensatz zum benachbarten Bünde – schon seit vielen Jahren einen Umweltausschuss, hat sich die Gemeinde der Förderung der Biodiversität verschrieben. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang auch der naturnahe Mustergarten auf dem ehemaligen Schulhof Häver – übrigens eine Anregung der CDU – und die Staudenbeete am Feuerwehrhaus Südlengern. Beides gemeindeeigene Flächen, die Vorbildfunktion haben.

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