Durchlasserweiterung: Sechs Jahre nach dem verheerenden Starkregen schickt die Bahn eine Planungsvereinbarung
Das letzte Nadelöhr

Kirchlengern (WB) -

2014 zeigte sich in der Gemeinde Kirchlengern, dass Bäche, wenn sie in ein von Menschen geschaffenes Korsett gezwängt werden, zu einer Gefahr werden können. Ein Starkregen, wie er statistisch gesehen eigentlich nur alle paar tausend Jahre vorkommen sollte, ließ den Markbach derart anschwellen, dass er unter anderem das Freizeitbad Aqua Fun flutete. Einer der Gründe war ein Rückstau, der sich am Durchlass unter der Bahnlinie Hannover-Osnabrück gebildet hatte.

Freitag, 18.12.2020, 05:30 Uhr
Der Durchlass des Markbaches unter den Bahngleisen: etwa ein Meter breit – und damit viel zu schmal in Zeiten von Starkregen-Ereignissen. Foto: Hilko Raske

 

Zwischenzeitlich hat die Gemeinde in Sachen Hochwasserschutz vieles in Bewegung gesetzt. Letztes Nadelöhr ist aber der Durchlass unter den Gleisen. Unmittelbar nach dem Starkregen knüpfte die Gemeinde erste Kontakte zur Deutschen Bahn und wies auf die Probleme hin, die der vorhandene, viel zu schmale Durchlass mit verursacht hatte. Der Vorschlag der Gemeindeverwaltung: man soll ihn doch erweitern. Aber erst jetzt, sechs Jahre danach, kommt wirklich Bewegung in die Sache.

„Wir haben uns damals gleich selbst überlegt, wie wir dieses Problem lösen können und dafür auch Geld in die Hand genommen“, sagt Karl-Heinz Saße, zuständiger Fachbereichsleiter im Rathaus Kirchlengern. Allerdings könne die Gemeinde hier nur Anregungen geben – die Gleisanlage befindet sich schließlich im Besitz der Deutschen Bahn. Und aus Sicht der Bahn stelle sich das Ganze recht einfach da: Nicht die Bahn hat ein Problem, sondern die Gemeinde Kirchlengern, skizziert Saße die Situation, in der sich die Gemeinde während der letzten Jahre befunden hat.

Im Rathaus Kirchlengern wuchs unterdessen die Frustration. Unter anderem wurde eine Planungsvariante der Gemeinde zurückgewiesen, weil sie nicht den Baurichtlinien der Bahn entspricht. Hingewiesen auf diese Richtlinien hatte die Bahn im Vorfeld der Planung aber nicht.

Inzwischen ist von Seiten der Bahn aber eine Planungsvereinbarung im Rathaus eingegangen. „Da geht es unter anderem um die Übernahme der Kosten“, informiert Saße. Der Anteil, den die Gemeinde zu zahlen habe, sei im Haushalt schon dargestellt. „Wir haben nur noch auf diese Vereinbarung gewartet und wollen sie zügig unterzeichnen.“ Nun gehe es hoffentlich in die Planung, die durch die Bahn erfolge. Wie die Lösung für dieses Problem letztlich aussehe, könne er aber nicht sagen. „Wir haben natürlich vorgearbeitet und Varianten vorgestellt. Jetzt schaut die Bahn, welche sie befürwortet – schließlich soll der Bahnverkehr möglichst wenig beeinträchtigt werden.“ Eine der Varianten, die die Gemeinde einreicht, sieht einen zweiten Durchlass vor. Ob es dazu kommen wird? Im Rathaus kennt man die Antwort darauf derzeit noch nicht. Eines ist aber sicher: „Wir müssen weiterhin der Motor sein, der im Hintergrund drängelt“, sagt Saße.

Ein weiteres Problem in Sachen Hochwasserschutz will die Gemeinde in den kommenden Monaten in Eigenregie lösen. Beim Starkregen vor sechs Jahren staute sich auch an der Lärmschutzwand am Vahrenhorstweg das Wasser. Damals schlug die Feuerwehr mit der Axt ein Loch in die Wand, um das Wasser fließen zu lassen. „Dort oben haben wir noch eine Engstelle“, so Saße. Man werde deshalb mit Anwohnern über einen zweiten Kanal sprechen, der die Situation bei extremen Regenfällen entspanne. „Wir werden das Problem beseitigen“, stellt Saße klar. Die Kosten dafür würden im unteren sechsstelligen Bereich liegen.

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