Am Bahnübergang Schelmenbrink regelt eine seltene Anrufschranke den Verkehr
Weiterfahrt nur für Eigentümer

Kirchlengern (WB). Es wirkt wie ein Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten: „Schranke wird auf Anruf geöffnet. Bitte Taste drücken. Bitte um Zuruf, wenn Übergang geräumt ist oder weitere Benutzer folgen“, steht auf dem gelben Kasten mit einem weißen Druckknopf. Wer in Kirchlengern den Bahnübergang am Schelmenbrink überqueren will, muss die selten gewordene Anrufschranke bedienen.

Mittwoch, 07.10.2020, 05:16 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 08:16 Uhr
Für wen geht’s hier überhaupt weiter? Hinter der Anrufschranke am Schelmenbrink zeigt das Verkehrsschild ein Verbot für Fahrzeuge aller Art an. Trotzdem dürfen Eigentümer der Grünflächen zur Bewirtschaftung weiterfahren. Foto: Lars Krückemeyer

Am anderen Ende der Leitung nimmt ein Bahn-Mitarbeiter des Stellwerks die Bitte entgegen und öffnet, wenn kein Zug in der Nähe ist. Einblick auf den eingleisigen Übergang gibt’s im Stellwerk nicht. Deshalb müssen die Nutzer melden, wenn sie auf der anderen Seite sind und die Schranke wieder herunterlassen werden kann.

Verbot für alle Fahrzeuge

Doch wer braucht diesen Übergang eigentlich? Denn von der besiedelten Seite am Schelmenbrink führt der Weg ins Nichts, dort liegt nicht mal Asphalt auf dem Boden. Zudem verkündet ein Verkehrsschild ein Verbot für Fahrzeuge aller Art. Zwischen hochstehendem Rasen führt der Weg an einem Miniwäldchen und einem Strommasten vorbei in Richtung eines dreieckig angelegten Ackers und schließlich kreuzen sich die B239 und die Else.

Karl-Heinz Saße, bei der Gemeinde Kirchlengern unter anderem für Verkehrsplanung zuständig, klärt auf: „Die Weiterfahrt hinter der Schranke auf die Grünflächen und den Acker ist nur für Eigentümer zur Bewirtschaftung erlaubt. Anders können sie aufgrund der beiden Bahnstrecken nicht drankommen Für alle anderen gilt das angezeigte Durchfahrtsverbot.“

Die Strecke wird täglich regelmäßig von Regionalbahnen mit diversen Zielen genutzt, in erster Linie von Berufspendlern. Im Internet kursieren zudem Videos, auf denen Bahnfans historische Züge aufgenommen haben.

Noch 480 Anrufschranken

Beim Thema Sicherheit von Anrufschranken – in Deutschland sind es 480 von insgesamt mehr als 15.000 Bahnübergängen – gehen die Meinungen auseinander. Einerseits sind Kollisionen von Zügen mit Autos nahezu unmöglich. Ganz im Gegenteil zu unbeschrankten Bahnquerungen: An einer solchen hatte es in Petershagen-Frille (Kreis Minden-Lübbecke) erst kürzlich einen tödlichen Unfall gegeben.

Andererseits klagen Verkehrsteilnehmer über zum Teil sehr lange Wartezeiten an Anrufschranken, nachdem sie im Stellwerk um Öffnung gebeten hatten. Dies wiederum erhöhe die Gefahr, dass sich ungeduldige Fußgänger und Radfahrer bei geschlossener Schranke – wie am Schelmenbrink – vorbeimogeln.

350 Euro Strafe

Das übrigens ist kein Kavaliersdelikt. Es ist nicht nur gefährlich, sondern hat eine saftige Geldstrafe in Höhe von 350 Euro zur Folge, wenn man erwischt wird. Auch hier gilt: Besser den Knopf am alten gelben Kasten drücken! Denn: Bahnanlagen sind kein Abenteuerspielplatz, betont die Bahn. 

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