Helene Blase aus Kirchlengern verstarb wenige Tage nach ihrem Geburtstag
Sie wurde 110 Jahre: älteste Kreisbürgerin gestorben

Kirchlengern (WB). Helene Blase hat zwei Weltkriege erlebt, die deutsche Teilung und die Wiedervereinigung: Im Alter von 110 Jahren ist die älteste Bürgerin des Kreises Herford verstorben. „Sie hat ein erfülltes Leben geführt“, sagt Erika Sewing, die Frau des Neffen der Verstorbenen.

Samstag, 04.04.2020, 08:32 Uhr aktualisiert: 04.04.2020, 08:40 Uhr
Dieses Bild entstand anlässlich von Helene Blases 107. Geburtstag. Die Seniorin legte auch im hohen Alter noch viel Wert auf gepflegtes Äußeres. Derzeit leben im Kreis Herford übrigens noch 47 Menschen, die 100 Jahre oder älter sind. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Ihren Geburtstag hatte Helene Blase, die im Kirchlengeraner AWO-Seniorenzentrum am Mittelacker lebte, erst vor wenigen Tagen gefeiert, am 26. März. „Vorbeikommen durften wir da aber leider wegen der Auflagen aufgrund der Corona-Pandemie nicht mehr“, sagt Erika Sewing. Vor dem Ausbruch des Virus habe ihr Mann Wilhelm (71) seine Tante aber jeden Sonntag im Heim besucht. „Sie war eine großherzige Frau, hatte zudem viel Humor“, sagt Sewing.

Auf Bauernhof aufgewachsen

Geboren wurde Helene Blase 1910 in Kirchlengern als fünftes von sieben Geschwistern, wuchs dort auf einem kleinen Bauernhof auf. In ihrem Heimatort besuchte sie die Volksschule, arbeitete danach als Hausmädchen, später als Haushälterin. „Von 1952 bis zu ihrem Renteneintritt war sie bei einem Lehrer in Herford beschäftigt, dort wohnte sie dann. Als dieser pensioniert wurde, kamen beide zurück nach Kirchlengern“, erinnert sich Erika Sewing. In den 1960ern habe Blase gemeinsam mit dem Pensionär die Reiselust entdeckt. „Sie sind nach Spanien geflogen, nach Teneriffa und haben dort teils drei bis vier Monate überwintert.“

Später hatte sie gemeinsam mit ihrer älteren Schwester in einem Haus gewohnt – bis sie nach einem Sturz ins Krankenhaus musste. Gemeinsam zog das betagte Duo dann ins AWO-Heim. „Das war 2002“, erinnert sich Erika Sewing, die sich mit ihrem Mann um die alte Dame kümmerte. Am Mittelacker habe sich Blase schnell eingewöhnt, rege am Leben und den Angeboten dort teilgenommen. „In den Anfangsjahren hat sie Gymnastik gemacht, Ballsport und gesungen hat sie auch.“

Sie war nie verheiratet

Geheiratet hat Helene Blase übrigens nie. „Wenn wir sie danach gefragt haben, hat sie immer gesagt: Das hat sich nie ergeben. Vielleicht war das auch das Geheimnis ihres hohen Alters“, mutmaßt Sewing. Helene Blase sei aber stets kinderlieb gewesen. „Sie hat viel auf meinem Mann aufgepasst, als der noch klein war, später dann auf unsere Kinder. Mit denen hat sie sehr viel unternommen und war immer ganz begeistert. Wir haben ihr wirklich sehr viel zu verdanken, sie war immer da, wenn wir sie brauchten.“

Nach ihrem 106. Geburtstag habe sich Helene Blases Zustand langsam etwas verschlechtert. Auf die Feiern zu ihren Ehrentagen habe sich die Tante ihres Mannes aber immer gefreut, versichert Erika Sewing. „Dann kam ja immer viel Besuch: der Bürgermeister, der stellvertretende Landrat. Das hat sie dann genossen und es war immer lustig mit ihr.“

Als Kind hatte Blase schon einmal den Ausbruch einer großen Pandemie miterlebt: Ab dem Ende des Ersten Weltkriegs forderte die Spanische Grippe Millionen Todesopfer. „Gesprochen hat sie darüber aber nie. Vielleicht waren die Auswirkungen hier auf dem Land bei uns nicht so angekommen“, meint Erika Sewing.

Die Beisetzung von Helene Blase findet in der kommenden Woche im engsten Familienkreis statt.

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