Projekt „Chancenreich“ unterstützt junge Eltern nun auch in Kirchlengern
Erst skeptisch, jetzt begeistert

Kirchlengern (WB). Was in Herford gut funktioniert, wird seit Kurzem auch in Kirchlengern angeboten: Das kostenlose Projekt „Chancenreich“, das junge Eltern bei der Pflege und Erziehung von Neugeborenen drei Jahre lang begleitet. Nimmt man alle Angebote wahr, winkt sogar eine Geldprämie.

Samstag, 08.02.2020, 10:50 Uhr
Familienbesucherin Ramona Juse (links) hat Sarah und Niklas Meier für die Teilnahme am „Chancenreich“-Programm begeistern können. Foto: Daniel Salmon

Bereits seit zehn Jahren gibt es das vom gleichnamigen Verein gestützte „Chancenreich“-Projekt in der Kreisstadt. Träger waren hier zunächst die Kommune selbst und die Carina-Stiftung. Durch die Ausweitung auch auf Kirchlengern sind zudem die Elsegemeinde, die Anton-Hettich-Stiftung und der Kreis Herford mit im Boot. Seit August letzten Jahres ist das Projekt in der 16.000-Einwohner-Gemeinde am Start und zunächst bis zum 31. Juli 2022 befristet.

So fuktioniert das Projekt

Und so funktioniert die Teilnahme an „Chancenreich“: Eine sogenannte Familienbesucherin – in Kirchlengern übernimmt Ramona Juse diese Aufgabe – sucht die Eltern mit ihrem Kind in der Regel acht Wochen nach der Entbindung zu Hause auf. Bei dem Treffen stellt sie ihnen alle Aspekte und Angebote des Programms vor. „Wir unterstützen die Familien als Ansprechpartner, informieren sie, was es für Angebote für Kinder und Eltern in den jeweiligen Kommunen gibt“, klärt Beatrix Lüer, Geschäftsführerin von „Chancenreich“ auf. Weitere Projektbausteine sind – das Mitmachen der Familien vorausgesetzt – kostenfreie Teilnahme an Kursen und Workshops zu ganz verschiedenen familienspezifischen Themen, der Besuch regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen bis zum dritten Lebensjahr sowie die Anmeldung des Nachwuchses in einer Kita.

650 Teilnehmer im jahr

Andreas Hettich (von links), Norbert Burmann, Ulrich Feldkötter, Rüdiger Meier, Beatrix Lüer, Hans-Ulrich Höhl und Holger Kasfeld freuen sich, dass Chancenreich nun auch in der Gemeinde Kirchlengern an den Start geht.

Andreas Hettich (von links), Norbert Burmann, Ulrich Feldkötter, Rüdiger Meier, Beatrix Lüer, Hans-Ulrich Höhl und Holger Kasfeld freuen sich, dass Chancenreich nun auch in der Gemeinde Kirchlengern an den Start geht. Foto: Daniel Salmon

In Herford wird das Programm rege genutzt, rund 650 Familien werden jährlich angeschrieben, bei 80 Prozent komme es zu einem ersten Besuch in der Familie und knapp zwei Drittel nehmen letztlich an „Chancenreich“ teil. Und wer daran teilnimmt, der hat auch etwas davon, wie Vereinsvorsitzender Holger Kasfeld und Hans-Ulrich Höhl von der Carina-Stiftung versichern: „‚Chancenreich‘ wird von Anfang an wissenschaftlich begleitet. Und unabhängige Stellen haben uns den Erfolg bestätigt.“ Demnach profitieren die Familie durch langfristig durch die positiven Effekte von der Teilnahme an „Chancenreich“.

Kreisdezernent Norbert Burmann betont: „Es ist wichtig, früh an junge Eltern heranzutreten, sie auf unterstützende Angebote hinzuweisen, die sie im Bedarfsfall annehmen können.“ Er hofft daher, dass sich das Projekt künftig nicht nur auf Kirchlengern und Herford beschränkt, sondern auch auf die anderen Kommunen im Kreis ausgeweitet werden kann.

Das sagt ein Elternpaar

Eines der ersten Elternpaare in der Elsegemeinde, die sich für die Teilnahme entschieden haben, sind Sarah und Niklas Meier mit Söhnchen Milan (fünf Monate). „Wir waren zunächst etwas skeptisch“, gibt die 28-Jährige zu. Dann habe sie sich auf der Website des Projekts über das Angebot schlau gemacht. „Und ich war erstaunt, was es alles für tolle Angebote gibt.“ Nun sei die Familie regelrecht begeistert von „Chancenreich“ – so wie bislang 15 weitere Kirchlengeraner Familien.

Und zudem haben die Meiers die Chance auf die Teilnahmeprämie. Die kann bis zu 500 Euro betragen. Laut Vereinsgeschäftsführerin Lüer könne die Auszahlung einer ersten Tranche nach dem Zweitbesuch durch die Chancenreich-Beraterin nach gut einem Jahr ausgezahlt werden. Erfüllt die Familie weitere Voraussetzungen und meldet ihr Kind in der Kita an, wird die zweite Hälfte der Summe fällig. „Diese Prämie ist gut investiertes Geld“, ist sich Andreas Hettich sicher. Der Kirchlengeraner Unternehmer ist Stiftungsrats-Chef der Anton-Hettich-Stiftung und zugleich Kuratoriumsmitglied der Carina-Stiftung. Hettich betont: „Kinder von Familien, die an ‚Chancenreich‘ teilnehmen haben bessere Entwicklungschancen.“

Das sagt der Bürgermeister

Bürgermeister Rüdiger Meier sieht das Chancenreich-Projekt als weiteren Baustein hin zu einer noch familienfreundlicheren Kommune. „Wir bringen ein bewährtes Projekt in den ländlichen Raum.“ Laut seiner Aussage gebe es in Kirchlengern ein Potenzial von 140 bis 150 Geburten pro Jahr. Rüdiger Meier hofft, dass sich viele Familien mit Neugeborenen die Chance an einer Teilnahme, die bis zu sechs Monate nach der Entbindung besteht, nicht entgehen lassen.

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