Aqua Fun: Gemeinde sperrt vorsorglich Innenbereich – marode Technik Ursache? Legionellen im Badewasser

Kirchlengern (WB). Auf Rutsche, Kinder- und Schwimmbecken im Innenbereich des Aqua Funs werden Besucher bis auf Weiteres verzichten müssen. Der Grund: Im Badewasser sind Legionellen nachgewiesen worden. Die Gemeinde hat daraufhin in Absprache mit dem Gesundheitsamt diesen Bereich vorsorglich gesperrt.

Von Hilko Raske
Im Innenbereich des Aqua Funs ist unter anderem das Schwimmbecken gesperrt worden. Bei Routineuntersuchungen wurden Legionellen nachgewiesen.
Im Innenbereich des Aqua Funs ist unter anderem das Schwimmbecken gesperrt worden. Bei Routineuntersuchungen wurden Legionellen nachgewiesen. Foto: Hilko Raske

Das Wasser im Freibad werde regelmäßig auf seine Bestandteile hin untersucht, informiert Bürgermeister Rüdiger Meier. Bei einer dieser Routineuntersuchungen seien Legionellen nachgewiesen worden, so Meier. Die Gemeinde sei darüber in der vergangenen Woche vom Gesundheitsamt in Kenntnis gesetzt worden. »Die gemessenen Werte sind zwar nicht gesundheitsgefährdend, aber deutlich erhöht.«

Rutsche, Kinder- und Schwimmbecken gesperrt

Um jedes Risiko zu vermeiden, sei deshalb beschlossen worden, die Rutsche sowie das Kinder- und Schwimmbecken zu sperren. »Die Vorsorge ist für uns wichtiger als die Einnahmen, die uns dadurch entgehen«, betont der Bürgermeister. Nicht betroffen davon sei der Außenbereich, also das Freibad.

Wie konnte es überhaupt dazu kommen? »Das Aqua Fun ist in die Jahre gekommen«, hält Meier fest. Schon lange, bevor die Politik über einen möglichen Neubau diskutiert habe, sei die Verwaltung der Frage nachgegangen, ob das Bad in seiner jetzigen Form überhaupt sanierungsfähig sei. »Diese Frage ist von einem Gutachter verneint worden.«

Enorme Schäden im Keller

Im Keller des Freizeitbades, wo sich die Technik befinde, sei es aufgrund von Undichtigkeiten zu enormen Schäden gekommen – »hier haben sich das Salzwasser aus dem Solebecken und Chlor vermischt.« Man habe deshalb auch entschieden, beim Neubau des Aqua Funs auf ein Solebecken zu verzichten.

Legionellen könne man mit technischen Maßnahmen bekämpfen, informiert Stefan Pöppel, Hygieneberater beim Kreis-Gesundheitsamt. So könne man heißes Wasser durch die Leitungen schicken oder mittels Chemie – beispielsweise mit einer Chlorlösung – das Bakterium abtöten. »Die Frage ist nur, ob die Leitungen des Aqua Funs das überhaupt aushalten«, so Pöppel. Eine Frage, die auch die Gemeindeverwaltung bewegt. »Die Technik gibt uns nicht viele Möglichkeiten«, sagt Meier.

Quelle für Legionellenbefall finden

Man könne versuchen, die Quelle des Legionellenbefalls zu finden, in dem man dort, wo das Wasser im Leitungskreislauf zur Ruhe kommt – eine der Voraussetzungen, damit sich Legionellen vermehren –, die Fließgeschwindigkeit erhöht. »Das ist aber detektivische Spürarbeit.« Generell müsse die Frage gestellt werden, was überhaupt an Maßnahmen wirtschaftlich noch vertretbar sei. Immerhin sei ja beabsichtigt, das Freizeitbad neu zu bauen.

In Klartext: Die Gemeinde wird im jetzigen Gebäudebestand nicht in neue Filtertechnik oder in ein neues Leitungssystem investieren. »Das zeigt auch, wie dringlich es ist, in Sachen Neubau voranzukommen«, sagt Meier. Sollte es nicht gelingen, das Legionellen-Problem in den Griff zu bekommen, sei es durchaus denkbar, dass der Innenbereich des Aqua Funs langfristig gesperrt bleibe.

Regelmäßige Proben

In der Zwischenzeit wird das Gesundheitsamt regelmäßig Proben entnehmen und überprüfen. »Erst wenn mehrere Wochen hintereinander bei mehreren aufeinander folgenden Proben keine kritischen Werte mehr festgestellt werden konnten, können wir Entwarnung geben«, so Stefan Pöppel.

Kommentar

Wenn es noch Zweifler gegeben habe sollte, so zeigt der Nachweis von Legionellen im Badewasser, dass es höchste Eisenbahn ist, beim Neubau des Aqua Funs Nägel mit Köpfen zu machen. Aufgrund der maroden Technik des Freizeitbades ist jede Sanierung – auch mit Blick auf den anstehenden Neubau – rausgeworfenes Geld. Sollte sich die Quelle des Legionellenbefalls nicht ausfindig machen lassen, bleibt den Badbesuchern zwar noch das Außenbecken als Alternative. Aber spätestens dann, wenn der Sommer sich verabschiedet hat, gibt es in Kirchlengern keine Bademöglichkeit mehr.

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