Mann (27) soll Bedienung in den Schritt gefasst haben – Freispruch Sexuelle Belästigung bei Vereinsparty?

Kirchlengern (WB). Weil er einer 33-Jährigen bei einer Vereinsfete in den Schritt gefasst haben soll, hat sich ein Kirchlengeraner (27) am Montag vor dem Bünder Amtsgericht verantworten müssen. Verurteilt wurde der Verwaltungsangestellte allerdings nicht.

Von Daniel Salmon
Vor dem Amtsgericht Bünde wurde ein Fall von sexueller Belästigung verhandelt.
Vor dem Amtsgericht Bünde wurde ein Fall von sexueller Belästigung verhandelt. Foto: Daniel Salmon

Angeklagt worden war der Mann wegen sexueller Belästigung. Wie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ausführte, soll sich die vermeintliche Tat im November 2018 bei einer Saisonabschlussfete in einem Kirchlengeraner Vereinsheim zugetragen haben. Auf der Fete hatte die junge Frau als Thekenkraft gearbeitet. Zu späterer Stunde sei es dann zu dem Übergriff gekommen. Während die 33-Jährige Gläser in einen Schrank räumte, soll der 27-Jährige ihr mit der Hand von hinten zwischen die Beine an die Vagina gefasst haben.

»Feucht-fröhliche Party«

Der Beschuldigte selbst äußerte sich zu den Vorwürfen in der Verhandlung nicht. Die junge Frau, die auch als Nebenklägerin auftrat, schilderte die Geschehnisse aus ihrer Sicht. Sich beschrieb die Feier als »feucht-fröhliche Party«, bei der sich alle gut verstanden hätten. Zum Zeitpunkt des Übergriff soll der Kirchlengeraner dann den Thekenbereich passiert haben. Als sie sich nach dem Vorfall umdrehte, will sie gesehen haben, wie er weiterging, sich dann an den Tresen setzte. Zeitgleich hatte sich noch ein 26-Jähriger an der Theke aufgehalten. »Er hat gezapft. Er war zu weit weg und kann mir nicht vorstellen, dass er es war«, gab die junge Frau zu Protokoll.

Erst zwei bis drei Minuten später, habe die Industriekauffrau – sie hatte an dem Abend auch Alkohol getrunken– überhaupt realisiert, was ihr widerfahren war: »Es fühlte sich nicht gut an. Ich bin dann einfach raus«, sagte die 33-Jährige. Der Verteidiger des Mannes hakte schließlich nach, wollte Details vom Tatabend wissen, die die Bünderin aber nicht gänzlich liefern konnte. »Ich weiß nicht, wie Sie sich fühlen würden, wenn ihnen so etwas passiert«, sagte die in Tränen aufgelöste Frau. Wie im Laufe der Verhandlung herauskam, soll der Beschuldigte während der Party zuvor schon einer anderen Frau an den Po gefasst haben. Auch diesen Vorwurf hatte die später gerufene Polizei aufgenommen. Das Verfahren war jedoch eingestellt worden.

Der 26-jährige Zeuge, der ebenfalls hinter der Theke war, hatte den Vorfall nicht bemerkt: »Ansonsten wäre ich eingeschritten.« Er führte aber aus, dass er den mit 2 Promille stark alkoholisierten Angeklagten mehrfach ermahnt habe, sich nicht hinter der Theke aufzuhalten. Wie auch schon die 33-Jährige konnte er keine Angaben machen, wie viele Leute sich zum Tatzeitpunkt auf der Party aufhielten.

»Es bleiben letzte Zweifel«

Während für die Anklagevertreterin letztlich nicht abschließend feststand, dass der Beschuldigte die Tat begangen hatte und sie einen Freispruch forderte, sah die Nebenkläger-Anwältin die Vorwürfe als erwiesen an. Letztlich erkannte auch der Amtsrichter nicht die in dem Fall erforderliche Sicherheit für einen Schuldspruch: »Es bleiben letzte Zweifel.« Er sei zwar überzeugt, dass es den Vorfall wie vom Opfer geschildert, gab. Die Täterschaft des Angeklagten lasse sich aber nicht zweifelsfrei nachweisen: »Theoretisch hätte es auch der Zeuge sein können.« Daher sprach er Kirchlengeraner frei.

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