SPD-Antrag an den Rat: Gemeinde soll noch mehr auf Müllvermeidung achten
Vorbild in Sachen Umweltschutz

Kirchlengern (WB). Keine Plastikbecher, keine Strohhalme und kein Einwegbesteck: Die Gemeinde Kirchlengern sollte noch mehr darauf achten, in öffentlichen Gebäuden und auf Festen weniger Müll zu produzieren. Dieser Meinung ist die SPD-Fraktion und stellt einen Antrag an den Rat.

Mittwoch, 05.06.2019, 10:00 Uhr
Wenn es nach der SPD geht, soll auf Gemeindefesten in Kirchlengern künftig komplett auf Einweggeschirr und -besteck verzichtet werden. Laut Fachbereichsleiter Michael Höke wird in vielen Fällen bereits Mehrweggeschirr von einem Caterer geliefert. Foto: dpa

»Weltweit steigt die Verschmutzung der Umwelt durch Plastikmüll. Kirchlengern ist da keine Ausnahme. Es ist höchste Zeit zu handeln«, sagt Ingo Scheiding, Ratsmitglied der SPD. Nur ein Teil des unter anderem über den Gelben Sack gesammelten und rückgeführten Plastiks könne sinnvoll wiederverwendet werden. Vieles werde thermisch verwertet oder lande auf Deponien. In der Natur verrotte Plastik erst nach vielen hundert Jahren. Achtlos weggeworfenes Plastik finde sich am Wegesrand, in Flüssen und Bächen und später in den Meeren wieder. »Dort verenden dann viele Meeresbewohner am Plastikmüll. Über die Nahrungskette gelangt es zudem in unseren Organismus«, sagt Scheiding, der auch die Industrie auffordert, verstärkt umweltfreundliche Verpackungsalternativen herzustellen und einzusetzen.

Mehrwegsystem soll eingeführt werden

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Umweltschutz ist wichtig, keine Frage. Die Gemeinde sollte, so wie es die Sozialdemokraten fordern, Vorbild sein, um dieses Thema auch im Bewusstsein der Bürger zu verankern. Öffentliche Veranstaltungen sind dafür eine gute Gelegenheit. Gut, dass die Gemeinde Kirchlengern bereits aktiv am Umweltschutz arbeitet. Mehr geht sicherlich immer, darum sollten die Verantwortlichen offen sein für neue Ideen. Es wird allerdings kaum möglich sein, jeden Strohhalm zu verbannen. Christina Bode

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»Allerdings«, so Scheiding weiter, »ist hierzu auch ein Umdenken bei den Verbrauchern nötig.« Um diesen Prozess voranzutreiben, sollte nach Ansicht von ihm und SPD-Fraktionschef Oliver Lüking die Gemeinde Kirchlengern Vorbild für ihre Einwohner sein und ein Zeichen für ein ökologisches Bewusstsein und den Schutz der Umwelt setzen. »Wir alle sind aufgefordert, die Lebensgrundlagen auch für zukünftige Generationen zu erhalten.«

Aus diesem Grund hat die SPD einen Antrag zur weitgehenden Vermeidung von Plastikmüll in gemeindlichen Einrichtungen und bei kommunalen Veranstaltungen eingebracht. Im Einzelnen sieht der Beschlussvorschlag wie folgt aus: Der Rat fordert die Verwaltung auf, im Rathaus und in allen öffentlichen Gebäuden (zum Beispiel Aqua Fun, Lichtblick, Schulen, Kindergärten) konsequent auf das Mehrwegsystem zu setzen. Glasgebinde sollten der Standard sein, andere Verpackungsmaterialien werden nur eingesetzt, wenn diese ökologisch sinnvoller sind. Einwegplastik wie zum Beispiel Strohhalme, Besteck, Teller, Umrührstäbchen oder Getränkebecher sollen weitgehend vermieden werden.

Für Veranstaltungen der Gemeinde wie Sommerfest, Kürbis-Zauber oder Weihnachtsmarkt gelten die gleichen Richtlinien. Veranstaltern, Vereinen und Organisationen in der Gemeinde sollen diese Leitsätze ebenfalls bekannt gemacht und Unterstützung bei der Umsetzung zugesagt werden.

Gemeinde hält Umweltschutz hoch

»Den Umweltschutz halten wir in der Verwaltung bereits sehr hoch«, sagt Michael Höke, Fachbereichsleiter Zentrale Dienste, Schule, Kultur und Sport. Dennoch bestehe an der ein oder anderen Stelle sicherlich noch Verbesserungsbedarf. »Auf den Toiletten verwenden wir weitestgehend Stoffhandtücher und bei Besuch von Kindern werden keine Trinkpäckchen sondern Saft aus Flaschen angeboten«, führt er einige Beispiele auf. Auch kleine Gummibärchentüten, die sonst an Kinder verteilt wurden, seien aufgrund der großen Müllproduktion abgeschafft worden. Auch bei Kulturveranstaltungen im Forum und auf dem Sommerfest habe man den Umweltschutz im Blick. Beispielsweise würde der Caterer, der Essen liefert, auch Mehrweggeschirr mitbringen. »Natürlich gibt es auch noch Bratwurst auf der Pappe und sicherlich auch den einen oder anderen Strohhalm«, sagt Höke. Aber auch ohne den Antrag hätte man in der Verwaltung an diesem Thema gearbeitet.

Kritisch sieht Höke es allerdings, in die Vereinsarbeit einzugreifen. »Wir können gerne beraten und unsere Hilfe bei der Umsetzung anbieten, wir sollten aber nicht bevormundend eingreifen«, sagt er.

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