Flächen in Kirchlengern in Privatgärten umfunktioniert
Öko-Ausgleich fehlgeschlagen

Kirchlengern  (WB). Wird ein Wohn- oder Gewerbegebiet neu erschlossen, müssen dafür Ausgleichsflächen geschaffen werden. So will man den Eingriff in die Natur kompensieren. Aber was tun, wenn Ausgleichsflächen in Privatgärten umfunktioniert werden? So geschehen in Kirchlengern.

Donnerstag, 09.05.2019, 14:10 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 15:00 Uhr
In Kirchlengern ist eine ökologische Ausgleichsfläche von den Eigentümern angrenzender Grundstücke in Erweiterungen ihrer Privatgärten umgewandelt worden. Foto: dpa / Symbolfoto

Vor 16 Jahren hatte der zuständige Fachausschuss den Bebauungsplan Beerenweg beschlossen. In der Folge wurde festgelegt, dass eine Ausgleichsfläche am Eulenhorster Weg vom damaligen Erschließungsträger, der LEG, angelegt und mit an die Käufer der Baugrundstücke in diesem Bereich übergeben werden sollte. Im Laufe der Zeit scheint bei den Eigentümern allerdings das Bewusstsein für den Erhalt dieser Flächen in den Hintergrund geraten zu sein, und bei erfolgten Eigentumswechseln ist diese Verpflichtung vielleicht auch nicht ausreichend weitergegeben worden.

Ausgleichsfläche umfunktioniert

Jedenfalls stellte die Gemeindeverwaltung während einer Kontrolle fest, dass diese Fläche auf einem Grundstück komplett verschwunden war, und auf den anderen nur noch andeutungsweise existierten. »Die Eigentümer haben diese Flächen zum Teil schon in ihre Privatgärten einbezogen. Die damals vorgesehene Ausgleichsfunktion kann jedenfalls keines der Grundstücke mehr übernehmen«, stellte Fachbereichsleiter Karl-Heinz Saße nun während der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses fest. Und kritisierte die Entscheidung, die man vor Jahren getroffen habe: »Es ist eine schlechte Idee, Ausgleichsflächen auf privaten Grundstücken anzulegen. Daraus kann nichts Dauerhaftes werden.«

In einer Anliegerversammlung habe man die Eigentümer darüber informiert, dass diese Flächen wieder anzulegen seien. Gleichzeitig habe man als Alternative aber auch darauf verwiesen, dass grundsätzlich eine Änderung des Bebauungsplanes mit dem Ziel möglich sei, die Ausgleichsfläche entweder zu verlegen oder über eine Ausgleichszahlung abzulösen. Die Verwaltung selber bevorzuge letztere Lösung, so Saße. »Wir wollen an anderer Stelle einen sinnvollen ökologischen Ausgleich schaffen.« Saße nannte in diesem Zusammenhang die weitere Renaturierung des Markbaches.

»Ausgleichsflächen auf Privatgrundstücken machen einfach keinen Sinn«, stellte auch Falk Krüger (SPD) fest. Der vorliegende Fall sollte Verwaltung und Politik eine Mahnung sein.

In der Abstimmung sprachen sich die Kommunalpolitiker mehrheitlich dafür aus, den Bebauungsplan zu ändern und somit den Grundstückseigentümern den Erwerb der bisherigen Ausgleichsfläche zu ermöglichen.

Kommentar

Ausgleichsflächen, die von Privatpersonen betreut werden sollen? Das ist wirklich keine gute Idee. Derartige Flächen sollten stets im Besitz der öffentlichen Hand sein oder zumindest durch sie gepflegt werden. Denn nur so kann auch gewährleistet werden, dass der zugrunde liegende Gedanke eines sinnvollen ökologischen Ausgleichs tatsächlich und über Jahre hinweg umgesetzt wird. Den Anliegern, die die Bereiche am Eulenhorster Weg in ihrem Sinne umgestaltet haben, ist indes kein Vorwurf zu machen. Sie haben direkt angrenzende Flächen als Erweiterung ihrer Gärten betrachtet. Weshalb sollten sie sich auch zwangsverpflichtet fühlen, hier den Öko-Gärtner zu spielen? Hilko Raske

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