Streit um Telefonrechnung: Anbieter sperrt Familie vorübergehend den Anschluss
Zwölf Stunden ohne Pause telefoniert?

Kirchlengern (WB). Bis zu zwölf Stunden soll ihr 17-jähriger Sohn vom Festnetzanschluss zu Hause mit der Freundin an ihrem Handy telefoniert haben. »Das stimmt nicht«, sagen Angela und Andreas Bentrup aus Kirchlengern.

Samstag, 04.05.2019, 06:29 Uhr
Angela und Andreas Bentrup aus Kirchlengern streiten sich seit Monaten mit Anbieter Unitymedia über eine Telefonrechnung in Höhe von 380 Euro. Der Anbieter hatte ihnen vorübergehend sogar den Anschluss abgeklemmt. Erst nach dem Einschreiten ihres Anwaltes können sie wieder telefonieren. Foto: Daniel Salmon

Weil sie die Telefonrechnung über gut 380 Euro deshalb nicht bezahlen, hatte Anbieter Unitymedia ihnen den Anschluss am 10. März abgeklemmt.

Mehr als einen Monat war es der Familie nicht möglich, von zu Hause zu telefonieren. »Wir konnten nur noch Gespräche annehmen«, sagt Angela Bentrup. »Und auch das Internet war total langsam«, ergänzt die 55-jährige Hausfrau. Erst als sie mit ihrem Mann einen Anwalt einschaltete, habe sich der Anbieter bewegt. »Er hatte Unitymedia eine Frist gesetzt«, erklärt Andreas Bentrup. Wenige Minuten vor deren Ablauf am Gründonnerstag um 12 Uhr sei der Anschluss wieder freigegeben worden. »Aber die Sache mit der Rechnung ist damit immer noch nicht geklärt.«

»Unser Sohn war in der Schule«

Als diese bei der Familie in Kirchlengern eintraf, sei der Schock groß gewesen. »Unser Sohn soll neun Stunden ohne Pause, einmal sogar zwölf Stunden telefoniert haben«, schüttelt Andreas Bentrup den Kopf. Ja, der Filius habe die in der Rechnung aufgeführte Nummer – die seiner Freundin – angerufen. »Aber er hat definitiv nicht so lange mit ihr telefoniert«, berichtet der 59-jährige Verwaltungsangestellte. »Bei den angegebenen Uhrzeiten geht das gar nicht, in einem Fall war er in der Schule. Da konnte er doch gar nicht von unserem Festnetz aus telefonieren.«

Zudem würden die Akkus der Schnurlos-Telefone gar nicht so lange Strom liefern. »Das haben wir ausprobiert.« Das Ehepaar schaltete seine Rechtsschutzversicherung ein, die wiederum über eine Mediatorin Kontakt zu Unitymedia habe aufnehmen wollen. »Das hat aber auch nichts gebracht.«

Verweis auf das Telekommunikationsgesetz

Erst ihr Anwalt habe dann unter Androhung einer einstweiligen Verfügung erreichen können, dass die Bentrups wieder ans Netz angeschlossen wurden. Andreas Bentrup beruft sich auf den Paragraphen 45k des Telekommunikationsgesetzes. Darin heißt es: »Wegen Zahlungsverzugs darf der Anbieter eine Sperre durchführen, wenn der Teilnehmer nach Abzug etwaiger Anzahlungen mit Zahlungsverpflichtungen von mindestens 75 Euro in Verzug ist.« Nicht berücksichtigt werden dürften bei der Berechnung des Betrags allerdings »nicht titulierte Forderungen, die der Teilnehmer form- und fristgerecht und schlüssig begründet beanstandet hat«. »Und genau das haben wir getan«, sagt Bentrup.

Er und seine Frau behalfen sich in der anschlusslosen Zeit mit dem Handy. »Dabei habe ich selber überhaupt keins mehr«, sagt Angela Bentrup. »Ich wollte ganz bewusst entschleunigen.« Um den leidigen Streit beizulegen, hätten sie Unitymedia auch die Zahlung von 150 Euro angeboten. »Das wurde aber abgelehnt.« Die Bentrups geben sich weiterhin kämpferisch. »Das wird wohl vor Gericht landen«, prognostiziert Andreas Bentrup.

Unitymedia beharrt auf Zahlung

Denn auch Unitymedia sieht keinen Grund, einzuknicken. Ein technischer Fehler, der möglicherweise zu einer überhöhten Rechnung geführt habe, sei auszuschließen, teilt das Unternehmen auf Anfrage dieser Zeitung mit. »Die Kunden sind demnach zur Zahlung verpflichtet«, erklärt eine Sprecherin. Der Fall werde nun juristisch geprüft.

Derweil bucht das Unternehmen aus Köln die monatlichen Rechnungen der Bentrups nicht mehr wie zuvor automatisch vom Konto ab, sondern stellt sie per Post zu. Die Familie wolle die Beträge selbstverständlich überweisen – nur halt die strittigen 380 Euro nicht.

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