Grundschulen in Kirchlengern wollen Hilfe durch Schulsozialarbeiter Wenn Kinder Probleme machen

Kirchlengern  (WB). Kinder, die unkonzentriert sind, dem Unterricht nicht folgen und vielleicht noch Streit suchen – auch in den Grundschulen häufen sich Problemfälle. Nicht zuletzt deshalb erhoffen sich Lehrer Unterstützung durch Schulsozialarbeiter oder -pädagogen.

Von Hilko Raske
In den Grundschulen werden Lehrerinnen und Lehrer im häufiger mit Kindern konfrontiert, die unter emotionalen oder sozialen Problemen leiden. Die Kollegien in Kirchlengern haben deshalb Unterstützung durch Schulsozialarbeiter beantragt.
In den Grundschulen werden Lehrerinnen und Lehrer im häufiger mit Kindern konfrontiert, die unter emotionalen oder sozialen Problemen leiden. Die Kollegien in Kirchlengern haben deshalb Unterstützung durch Schulsozialarbeiter beantragt. Foto: dpa

Sowohl die Schulkonferenz der Grundschule Stift Quernheim als auch des Grundschulverbundes Elseaue haben deshalb den Antrag gestellt, eine entsprechende Fachkraft einzustellen. Über dieses Thema diskutierte am Mittwochabend der zuständige Schulausschuss der Gemeinde.

»Probleme im sozial-emotionalen Bereich«

Wie sich die Situation aus Sicht des Kollegiums an der Grundschule Stift Quernheim darstellt, erläuterte Schulleiterin Nicola Holtgräwe. »Kindheit hat sich in den letzten Jahren verändert. Vieles, was in Sachen Erziehung zuhause laufen sollte, wird neuerdings von der Schule erwartet.« Seitdem das Schuleingangsalter schrittweise nach vorn gesetzt worden sei, häuften sich die Defizite und Verhaltensauffälligkeiten der Schulanfänger sowie die Probleme im sozial-emotionalen Bereich. »Die Kinder sind

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Die heutige Kindheit hat mit der, die die ältere Generation erlebt hat, kaum etwas gemeinsam. Häufig sind beide Elternteile berufstätig, nicht selten dienen Fernseher, PC oder Smartphone als »Babysitter«. Dass sich das im Verhalten der Kinder niederschlägt, ist nicht verwunderlich. Was im Elternhaus an Erziehung zu kurz kommt, erleben tagtäglich vor allem Pädagogen an den Grundschulen. Sie sollen richten, was Eltern versäumt haben. Und das neben dem eigentlichen Lehrauftrag. Insoweit ist es absolut verständlich, wenn sie sich Unterstützung durch Schulsozialarbeiter erhoffen.

teilweise außer Rand und Band.« Zusätzlich erhöhe sich durch Zuwanderung die Zahl der Kinder, die nicht Deutsch sprechen könnten, sowie die Zahl der inklusiv zu beschulenden Kinder. Wenn eine Lehrkraft damit alleine konfrontiert werde, sei es schwierig, damit umzugehen. »Wir brauchen unbedingt die Unterstützung durch eine Fachkraft«, betonte die Schulleiterin.

Kreis Herford ist zuständig

Diese Unterstützung fand sie sowohl bei den Mitgliedern des Ausschusses als auch vonseiten der Verwaltung. Allerdings: Da die Gemeinde Kirchlengern kein eigenes Jugendamt hat, ist dafür der Kreis Herford zuständig, wie Fachbereichsleiter Michael Höke erklärte. Höke stellte auch mögliche und bereits vorhandene Formen von Schulsozialarbeit vor. So gebe es eine Variante, die sich nur an Empfänger von Leistungen wie Hartz IV oder Wohngeld richte – »das führt aber zu einer Zweiklassengesellschaft.« Ein bestehendes Angebot der Jugendhilfe des Kreises beziehe sich nur auf die Bewältigung einzelner Problemfälle. Für Kirchlengern interessanter ist nach Einschätzung der Verwaltung und des Ausschusses ein Projekt zur freiwilligen, also alltäglichen Schulsozialarbeit, das seit November 2017 im Kreis Herford die Arbeit aufgenommen hat. Hier werde der Kreis Herford mit den Kommunen das Gespräch suchen, informierte Höke. Dabei müsse aber auch die Frage nach der Finanzierung des Schulsozialdienstes geklärt werden.

Der Ausschuss sprach sich einstimmig dafür aus, dass ein Bedarf zur Schulsozialarbeit an den Grundschulen in Kirchlengern besteht. Allerdings soll erst einmal das Ergebnis des Projektes Schulsozialarbeit des Kreises Herford ausgewertet werden.

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