Kirchlengern: Algerier soll Marihuana in Asylunterkunft gekauft und an 17-Jährigen übergeben haben »Ich bitte um ihre Nachsicht!«

Kirchlengern/Herford (WB/jmg). Weil er Marihuana gekauft und in einem Fall auch an einen Minderjährigen weitergegeben hat, wurde ein Algerier (27) am Dienstag im Amtsgericht Herford zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt.

Weil er mehrfach Drogen gekauft und in einem Fall auch weitergegeben haben soll, wurde ein Algerier (27) jetzt zu einer Gesamtstrafe von etwa 900 Euro verurteilt.
Weil er mehrfach Drogen gekauft und in einem Fall auch weitergegeben haben soll, wurde ein Algerier (27) jetzt zu einer Gesamtstrafe von etwa 900 Euro verurteilt. Foto: dpa

Insgesamt 35 Mal soll sich Bilal A. Drogen beschafft haben. In 20 Fällen will er das Marihuana bei einer Dealerin in Bünde gekauft haben, 15 Mal sei er dafür nach Kirchlengern gefahren. Im Juli des vergangenen Jahres habe er dort einen damals 17-Jährigen aus Hiddenhausen getroffen, der sich ebenfalls Drogen habe besorgen wollen. Daraufhin habe A., wie er in der Verhandlung vor dem Schöffengericht erklärte, zwei Päckchen zu je etwa ein Gramm in der Flüchtlingsunterkunft am Hasenbrink erworben und eines davon an den Jugendlichen weitergegeben. »Ich wusste nicht, dass er minderjährig ist«, ließ A. über die Dolmetscherin mitteilen. Nach dem Kaufgeschäft waren beiden von der Polizei festgenommen worden. Beim Angeklagten seien später außerdem 17 weitere Marihuana-Päckchen gefunden worden. A. gibt allerdings an, dass diese nicht ihm gehörten.

Zeuge hat Erinnerungslücken

Der Jugendliche selbst, mittlerweile volljährig und als Zeuge geladen, gab in der Verhandlung an, sich nicht mehr an die genauen Umstände des Kaufes erinnern zu können. Auch von der Festnahme wüsste er nicht mehr viel, weil er zu dieser Zeit häufiger mit der Polizei zu tun gehabt hätte. Sein Alter sei bei etwaigen Drogenkäufen aber nicht thematisiert worden.

Mit 90 Tagessätzen zu je 10 Euro entsprach Richterin Alea Blöbaum der Forderung der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Diese betonte, dass der Angeklagte vom Äußeren des damals Minderjährigen kaum auf sein Alter hätte schließen können. Zudem habe er ein vollumfängliches Geständnis abgelegt. »Ich bitte um ihre Nachsicht!«, erklärte Bilal A., bevor das Schöffengericht sein Urteil fällte.

A. wurde mit Fußfesseln vorgeführt. Weil er beim ersten Verhandlungstermin nicht erschienen war, wurde er am 2. Oktober in Untersuchungshaft genommen. Der 27-Jährige gibt an, vor drei Jahren nach Deutschland gekommen zu sein. Seinen Asylantrag habe er in Dortmund gestellt, bis heute warte er auf eine Antwort. In Algerien habe er als Schmied gearbeitet.

Kommentare

Nicht wahr

Wenn es nicht so traurig und zudem auch real wäre, könnte man herzhaft drüber lachen. Da beschäftigen sich Polizei, Staatsanwaltschaft, Anwälte und Richter tage- bzw. wochenlang mit so einem Fall und dann einigt man sich sage und schreibe auf eine irrsinnige Strafe von 900 Euro.
Die Abschreckungswirkung geht gegen Null. Auchdie deutlich höheren Kosten für alle Beteiligten wird sicherlich nicht der Angeklagte tragen.

Dies finde ich dann doch nicht zum Lachen, obwohl der Angeklagte wohl mit einem breiten Grinsen aus dem Gerichtssaal gegangen sein wird...auf zu neuen Taten, die keine echte Strafe nach sich ziehen.

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