Älteste Bürgerin des Kreises Herford: Helene Blase wird am Sonntag 107 Jahre alt Humor und Lebensfreude bewahrt

Kirchlengern (WB). Monarchie, Diktatur, zwei Weltkriege, die innerdeutsche Teilung: Was die meisten Deutschen nur aus Geschichtsbüchern kennen, hat Helene Blase selbst erlebt. Die älteste Bürgerin im Wittekindsland vollendet am Sonntag, 26. März, ihr 107. Lebensjahr.

Von Karl-Hendrik Tittel
Die 1910 geborene Helene Blase hat Zeit ihres Lebens auf ihr Äußeres geachtet und liebt es nach wie vor, sich chic zu kleiden und zu lachen. Zum Geburtstag haben sich Bürgermeister Rüdiger Meier und Vertreter der Kreisverwaltung angekündigt.
Die 1910 geborene Helene Blase hat Zeit ihres Lebens auf ihr Äußeres geachtet und liebt es nach wie vor, sich chic zu kleiden und zu lachen. Zum Geburtstag haben sich Bürgermeister Rüdiger Meier und Vertreter der Kreisverwaltung angekündigt.

Die Frühlingssonne scheint durch die Fenster, es sind der Jahreszeit entsprechend heitere Lieder, die der kleine Chor im Begegnungsraum des AWO Seniorenzentrums Kirchlengern anstimmt. Mitten im Geschehen sitzt Helene Blase in ihrem Rollstuhl und singt lächelnd mit. Kein ungewohnter Anblick, denn »Frau Blase erfreut sich einer für ihr Alter guten Gesundheit und nimmt immer noch an vielen Aktivitäten hier im Haus teil«, sagt Einrichtungsleiter Heiko Höflich. So geht es nach dem Singen und vor dem Mittagessen per Fahrstuhl noch für einige Minuten auf die bereits österlich dekorierte Dachterrasse, um ein paar Sonnenstrahlen einzufangen.

Auf ihr Aussehen legt sie viel Wert

Mit ihrer akkurat gescheitelten Kurzhaarfrisur, dem roséfarbenen Strickpullover und der weißen Hose sieht es beinahe so aus, als hätte sich Helene Blase zum Ausgehen zurechtgemacht. Alltag für die Seniorin, der ein gepflegtes Äußeres zeit ihres Lebens sehr wichtig war. »Bis heute macht es ihr große Freude, chic angezogen zu sein«, so Höflich.

Im Laufe der Jahre hat Helene Blases Gehör merklich nachgelassen, wer sich mit ihr unterhält, muss laut und deutlich sprechen, das Gesagte mitunter wiederholen. Ja, ihr ganzes Leben habe sie in Kirchlengern verbracht, sagt sie. »Weil ich hier zuhause bin und mich immer wohlgefühlt habe – warum sollte ich in die Stadt ziehen?« Mit sieben Geschwistern ist sie auf einem Bauernhaus aufgewachsen. Geheiratet hat sie nie, es »hat sich nie ergeben«. Bis zum Rentenalter war sie als Haushälterin tätig und seit inzwischen 15 Jahren lebt sie im Seniorenheim am Mittelacker, wo »immer etwas los ist«, wie sie betont.

Humor bewahrt

Helene Blase hat sich neben ihrer Lebensfreude vor allen Dingen eines bewahrt: ihren Humor. »Das frag’ ich mich auch«, antwortet sie mit einem verschmitzten Lächeln auf die Frage, wie man solch ein beachtliches Alter erreicht und ergänzt: »Vielleicht, weil ich immer ruhig bleibe, es bringt nichts, wenn man sich aufregt.« Und wie alt will sie noch werden? Diese Frage ist genau nach dem Geschmack der Seniorin: »Oh, da lass’ ich mich überraschen«, sagt sie, nun wieder mit einem Lächeln auf den Lippen. Trotz Märzsonne wird es der Dame so langsam etwas kalt unter freiem Himmel. Schließlich will sie sich so kurz vor ihrem Ehrentag nicht erkälten. Am Geburtstagstag ist eine Feierstunde mit Sektempfang geplant. Neben ihren Neffen und Großneffen sowie Bürgermeister Rüdiger Meier haben sich Vertreter der Kreisverwaltung angekündigt. Denn Helene Blase ist nicht nur die älteste Bewohnerin Kirchlengerns, sondern auch des gesamten Kreises Herford, in dem nach Aussage von Kreissprecherin Petra Scholz »aktuell 81 Personen, die 100 Jahre oder älter sind«, leben.

»Eine kleine Feier und einen Blumenstrauß, das habe ich schon ganz gerne – und vielleicht ein paar Pralinen und etwas Kuchen«, das wünscht sich die 1910 geborene Dame zum Geburtstag. »Ja, Frau Blase ist immer noch ein süßer Zahn«, sagt Heiko Höflich, der sie zurück ins Haus fährt – und beide müssen lachen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.