Nach dem Tod von knapp 400 Tieren: Tierschutzorganisation kritisiert unzureichende Vorsorgemaßnahmen PETA zeigt Schweinestallbetreiber an

Kirchlengern (WB). Der tragische Tod von knapp 400 Schweinen im Stall eines Tiermastbetriebs in Häver könnte noch ein juristisches Nachspiel haben. Die Tierschutzorganisation PETA hat jetzt nach eigenen Angaben Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld gegen den Eigentümer gestellt.

Von Daniel Salmon
Ein Experten-Team untersucht derzeit, wie es in der Nacht zu vergangenem Sonntag zum Ausfall der Lüftungsanlage und der Warnvorrichtung in dem Stall des Mastbetriebs in Kirchlengern kommen konnte. Fast 400 Schweine waren bei dem Vorfall verendet.
Ein Experten-Team untersucht derzeit, wie es in der Nacht zu vergangenem Sonntag zum Ausfall der Lüftungsanlage und der Warnvorrichtung in dem Stall des Mastbetriebs in Kirchlengern kommen konnte. Fast 400 Schweine waren bei dem Vorfall verendet. Foto: Ingo Schmitz

Der Vorwurf: »Durch die ungenügende Einrichtung und Kontrolle der Schutzmöglichkeiten wurde möglicherweise billigend in Kauf genommen, dass die Tiere qualvoll sterben.« Wie berichtet, war nach Angaben des  Herforder Kreisveterinäramtes in der Nacht zu vergangenem Sonntag eine Lüftungsanlage, die den Stall mit Frischluft versorgen und zugleich entstehende Schadgase ableiten sollte, ausgefallen.

Eine spezielle Warnvorrichtung, die solche Zwischenfälle verhindern soll, hatte nicht ausgelöst. Die Konzentration von Ammoniak,  Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid stieg in dem Gebäude daraufhin drastisch an. Zugleich unterblieb die Sauerstoffzufuhr, so dass  386 Tiere verendeten. Ein Mitarbeiter des Mastbetriebs entdeckte die Kadaver am nächsten Morgen. Nur 15 Tiere hatten den Vorfall überlebt. »Nach den Erfahrungen von PETA-Experten sind auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben die technischen Anlagen derart marode und nicht ordnungsgemäß gewartet, dass Vorfälle dieser Art immer wieder auftreten. Jedes Tier, das bei einem Zwischenfall wie dem Ausfall der Lüftungsanlagen im Stall stirbt, wurde grob fahrlässig getötet«, kritisiert daher  Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung bei PETA Deutschland. Er ergänzt: »Vorsorgemaßnahmen zum Schutz der Tiere werden in vielen Anlagen vernachlässigt – so genannte ›technische Defekte‹ und damit der Tod vieler Tiere werden hingenommen.«

Kreisveterinäramt wartet auf Gutachten

Ob die entsprechende Strafanzeige bereits bei der Bielefelder Staatsanwaltschaft vorliegt, war am Freitag nicht in Erfahrung zu bringen. »Zu diesem Fall gebe ich keine Auskunft«, sagte Pressedezernent Christoph Mackel auf Anfrage.
Das  Herforder Kreisveterinäramt habe bislang jedenfalls keine Kenntnis von der PETA-Anzeige in dem  betreffenden Fall. »Wir wissen von nichts. Ohnehin warten wir auch noch auf das Gutachten der Experten, die den Defekt an der Lüftungs- und der Warnanlage überprüfen«, sagte Dr. Reinhard Zwingelberg, Leiter des Kreisveterinäramtes dem WESTFALEN-BLATT.

Brisant: Laut Zwingelberg habe es in derselben Mastanlage in Kirchlengern vor knapp sechs Jahren bereits einen Zwischenfall gegeben, bei dem seinerzeit knapp 800 Tiere starben. Auch damals war die Lüftungsanlage ausgefallen. Und wie am vergangenen Sonntag hatte die Alarmanlage den Defekt nicht gemeldet.

Kommentare

Billigend

Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Ein Bauer soll angeblich "billigend" (!) in kauf nehmen, daß sein Schweinestall abbrennt.

Mal vorsorglich eine Anzeige erstatten

Da hat PETA einmal wieder vorsorglich eine Anzeige abgegeben, obwohl sie noch gar nichts wissen können. Einfach so einmal auf Verdacht und Vermutung hin. Der einzige Zweck scheint zu sein in die Medien zu kommen.? Dies ist Voraussetzung um bekannt zu sein und um Spenden zu generieren. Schließlich müssen die fast zwei Millionen Euro für die Öffentlichkeitsarbeit und die 1,2 Millionen Euro für die Personalkosten wieder hereinkommen.

Sollte der Bauer wirklich schuldig sein, dann gehört er bestraft. Dies ist Angelegenheit der Behörden, die ja schon vor PETA tätig geworden sind. Was soll also die Anzeige von PETA? Reiner Populismus eines Medienkonzerns, der sich besser direkt um Tiere kümmern soll. Dafür gibt PETA ber kein Geld aus.

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