Wie Bewohner des Altenheimes Haus Stephanus über das Corona-Virus denken und den Lockdown erleben
„Wir wollen 100 Jahre alt werden!“

Hiddenhausen (WB) -

Die Todesfälle in den Seniorenheimen in Mennighüffen und Enger lassen auch die Bewohner des Hauses Stephanus in Hiddenhausen nicht kalt. Doch in ständiger Sorge vor einer Corona-Ansteckung verharren Anna Reich (97), Ingrid Vogt (83) und Hans Fischer (84) deswegen auch nicht: „Wir wollen 100 Jahre alt werden. Mindestens!“

Mittwoch, 02.12.2020, 05:35 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 09:24 Uhr
Ingrid Vogt (83/rechts), Anna Reich (97) und Hans Fischer (84) leben im St. Stephanus Altenheim Hiddenhausen. Foto: Stephan Rechlin

Dazu seien die Schutz- und Hygieneauflagen des Altenheimes eben einzuhalten. Die Desinfektion der Hände, Maskenpflicht und die Besucher-Registrierung am Eingang schränkten den Alltag in der zweiten Welle nicht annähernd so ein wie das rigide Besuchsverbot im Frühjahr, finden die Drei. Vogt: „Hier ist es eigentlich wie immer. Wir gehen freundlich miteinander um, nehmen am Sitztanz teil. Wir kegeln sogar noch!“

Das allerdings findet derzeit nur innerhalb einer Bewohnergruppe statt. Weil Reich, Vogt und Fischer ein- und derselben Wohngruppe angehören, dürfen sie die Masken abnehmen, wenn sie miteinander sprechen – ansonsten unterliegen auch sie der Pflicht. „Na und?“, fragt Anna Reich, „dann setzen wir sie eben auf, wenn wir Mitbewohner treffen.“

Weitaus schwieriger, bedrückender, sei in ihrem Leben die Flucht nach dem Krieg gewesen. Mit zwei kleinen Kindern landete sie 1948 in Ostwestfalen, musste sich irgendwie durchschlagen. An die schlimmen Grippe-Epidemien der 50er und 60er Jahre, der weitaus mehr Menschen zum Opfer fielen als bisher der Corona-Pandemie in Deutschland, vermag sie sich dagegen kaum zu erinnern: „Allerdings haben die Medien das damals auch nicht jeden Tag aufgegriffen. Heute dreht sich ja alles nur noch um Corona, Corona, Corona.“

Den drei Senioren ist die Gemeinschaft in dieser Zeit besonders wichtig. Menschen, mit denen sie über alles reden und auch Witze reißen können – gerade auch über Corona. Niemand von ihnen kann sich vorstellen, wieder alleine zu Hause zu leben, mit dem Garten und der ganzen anderen Arbeit alleine klarkommen zu müssen.

Über den Besuch ihrer Angehörigen freuen sich die drei Bewohner, sie möchten ihnen aber auch nicht zur Last fallen, nicht in diesen Tagen. Das Thema Corona sprechen sie deshalb von sich aus gar nicht erst an – es sei denn, die Söhne, Töchter und Enkel erzählen von sich aus von ihren Erfahrungen am Arbeitsplatz und in der Schule. Überhaupt – die Sorge, dass die Angehörigen gesund bleiben wiegt schwerer als die Angst vor einer eigenen Ansteckung.

Über „Querdenker“, Maskengegner und Corona-Leugner schüttelt Hans Fischer nur den Kopf: „Völliger Blödsinn ist das, was die da treiben. So ein Geschrei, nur weil sie mal ein bisschen Rücksicht nehmen sollen.“

Für alle drei Bewohner des Hauses Stephanus steht indes fest, dass sie sich impfen lassen werden, sobald der Impfstoff zur Verfügung steht: „Und bis dahin machen wir es uns einfach weiter nett.“

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