Hiddenhauser „Benny und ich“ sind Bielefeld-Fans – Tour zum neuen Album soll 2021 starten
Musikalische Liebeserklärungen

Kirchlengern/Hiddenhausen (WB) -

„Es war uns irgendwann wichtig, unseren Bandnamen relativ schlicht zu halten. Früher hießen wir „Ocean View“ und die Leute fragten uns, warum heißt ihr so? Mittlerweile fragt keiner mehr, denn wir sind ‘Benny und ich‘ und in zwanzig Jahren werden wir es noch immer sein“, erzählt Sebastian Hinz, das „Ich“ neben seinen Bruder Benjamin.

Dienstag, 01.12.2020, 05:05 Uhr aktualisiert: 01.12.2020, 05:10 Uhr
Früher hießen sie „Ocean View“

Samstags im Tonstudio in Hiddenhausen: Benny und ich, die zwei lässigen Typen im modischem Outfit, 30 und 34 Jahre alt, hantieren mit ihren Gitarren und stellen die zwei Mikrofone ein. So international die Musik, so deutsch sind die Texte. Fast ostwestfälisch, denn immer wieder wird die Sparrenburg-Metropole Bielefeld in den selbst geschriebenen Texten erwähnt.

Wurde sie im letzten Album noch im Gegensatz zu Tokio gesetzt, ist ihr nun sogar ein ganzes Lied gewidmet. Man hört schnell heraus: Ihre Texte sind echt und raffiniert. Die Gitarrenriffs machen gute Laune! Unbeirrbar zwischen Country und Jazz, grandios zwischen Bewährtem und künstlerisch Neuem lassen die Brüder Sebastian und Benjamin Hinz ihr drittes Album auf den Musikmarkt los und erobern nicht nur mit Liebeserklärungen wie „Wo ich mit dir bin, da ist Paris“ die Hörer.

Ebenso scharfzüngige Verse erlauschen sich im neuen Album von „Benny und ich“. Wortspiele wie der Refrain „Bonnie im Kleid“ zielen frech auf das legendäre US-Gangster-Paar Bonnie und Clyde ab. Mit „Ein Garten Eden aus Zement, in dem man keine Sorgen kennt“; wird voller Ironie und Wortwitz die eben erwähnte Stadt Bielefeld als „stadtgewordene Symphonie“ mit Gesang persifliert. „Wir lieben Bielefeld“, lacht Sebastian Hinz, „es ist wirklich toll da! Es ist aber auch toll, wenn die Ironie darin erkannt wird. Es ist keine Art von Ironie die abwertend, sondern liebevoll sein soll. Für uns ist immer klar, dass wir immer in dieser Region leben wollen, in der Nähe von Bielefeld.“

Bruder Benny kann dieses bestätigen: „Ich habe in Bielefeld an der Uni studiert. Wenn die Leute im Herbst sagen, zu diesem grauen Kasten hat man keine Lust hinzufahren. Ich meine, dass auch der jener graue Kasten einen gewissen Charme.

Schon als Kinder liebten es die Brüder Benjamin und Sebastian Hinz aus Hiddenhausen, gemeinsam zu musizieren. Sebastian beschreibt die Anfänge so: „Wir haben im Alter von fünf Jahren zur selben Zeit mit unseren beiden anderen Geschwistern angefangen, Klavier zu spielen. Bei mir haben sich Tasteninstrumente irgendwann ganz verabschiedet und ich entdeckte meine Liebe zur Gitarre, Schlagzeug und Ukulele.“

Benny ist zunächst bei Tasteninstrumenten geblieben. „Dennoch war Gitarre immer mein Lieblingsinstrument, nur weil ich Linkshänder bin, habe ich es erst spät angepackt“, erklärt der 34jährige. Im Jahr 2017 der Bandgründung veröffentlichten sie ihr erstes Album „Jukebox“ in englischer Sprache.

Mit „Kapitel Eins“ folgte 2018 das zweite Album und das Duo wechselte komplett auf deutsche Texte. Auf „Kapitel eins“ folgt nun „Kapitel zwei“. „Wir haben auf Englisch gesungen, würden aber heute nicht mehr auf die Idee kommen. In Deutsch haben wir mehr Möglichkeiten, unseren Humor ausdrücken und größere Chancen, in unsere Welt zu gucken“, meint Sebastian, der zugeben muss, dass es Benny war, der die Idee für deutsche Texte hatte.

Traum der beiden Brüder ist es jedoch noch, ihre Musik auf Vinyl zu verewigen. „Wir sind älter, als wir aussehen, aber als wir uns damals unser Kinderzimmer geteilt haben, gehörte zu Mobiliar ein Plattenspieler. Wir hatten damals von Pumuckl über Mike Krüger, Reinhard Mey bis hin zu den Beatles auf Vinyl. Auch wenn die schwarzen Scheiben eine Zeitlang als out galten, sind sie jetzt wieder cool. Es ist eine tolle Sache, wenn man auf CD ist, aber Vinyl ist noch eine Ecke gigantischer“, schmachtet Sebastian und philosophiert den Vinyl-Hype als musikkulturelle Ritual: „Vinyl ist die perfekte Art Musik zu hören, wenn man es wirklich ernst meint, weil du nicht einfach mal einen Song weiter skippen kannst. Du hörst etliche Songs in deiner Playlist und gehst alles durch. Es ist schon Ritual eine Schalplatte aus der Hülle zu nehmen. Leider haben wir es bis jetzt noch nicht geschafft, eine schwarze Scheibe aufzunehmen.“

Ausgestattet mit zwei Gitarren und zwei Stimmen müssen ihre Lieder auf Konzerten so glattgehen wie mit einer vollständigen Band. „Kapitel zwei“ ist jedoch mit einigen Gastmusikern wie dem Melbourner Schlagzeuger Daniel Farrugia dem Drummer von Angus und Julia Stone, einem Geschwister-Duo aus Newport entstanden. „Ich habe einen Konzertmitschnitt aus Köln „gesuchtet“, wo Farrugia gespielt hat“, schwärmt Sebastian, „Benny und ich haben ihn angeschrieben und ihm Schlagzeug- Demos geschickt als grobe Idee. Er meinte jedoch, wir bräuchten noch einen Bassisten, der auch für Angus und Julia Stone spielte. Beide haben dann das ganze Album übers Internet am Schlagzeug und Bass für uns eingespielt.“ Im Jahr 2021 müssen die beiden Hiddenhauser Brüder noch ihre Album-Tour nachholen. Derzeit bleiben ihnen die Aktivitäten auf soziale Kanäle mit Live-Streams oder Videos bei Youtube. Nächstes Jahr hofft „Benny und ich“ wieder auf Konzerte. Und vielleicht besuchen sie dann auch ihr geliebtes Bielefeld!?

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