Eilshauser Bluttat: Brüderpaar wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt
Messerstecher müssen ins Gefängnis

Bielefeld/Hiddenhausen (WB). „Ich weiß, dass das für Angehörige nur schwer zu akzeptieren ist“, wandte sich Richter Georg Zimmermann abschließend an die Geschwister von Raschad A., die neben ihren Anwälten als Nebenkläger den Prozess seit Dezember vergangenen Jahres verfolgt hatten.

Donnerstag, 05.11.2020, 17:52 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 18:08 Uhr
SymIsmet A. (vorne) soll für achteinhalb Jahres ins Gefängnis, sein Bruder Ferhan für sieben Jahre. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kündigte umgehend Revision an. Sie hatte einen Freispruch gefordert, die Tat habe den Angeklagten nicht nachgewiesen werden können. Foto: Bernd Bexte

Die Eltern des 30 Jahre alten Opfers, das am späten Abend des 30. Mai 2019 auf offener Straße in Eilshausen niedergestochen worden und verblutet war, waren wegen der nervlichen Belastung der Verhandlung gleich ganz fern geblieben. Nicht wegen Mordes, wie sie und ihre Anwälte es gefordert hatten, sondern lediglich wegen Körperverletzung mit Todesfolge hat die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Bielefeld am Donnerstag die angeklagten Brüder verurteilt: Haupttäter Ismet A. (32) soll für achteinhalb Jahre, Ferhan A. (34) für sieben Jahre ins Gefängnis.

20 Messerstiche

„Ein Tötungsplan war den Angeklagten nicht nachzuweisen“, erläuterte Zimmermann das Urteil, mit dem das Schwurgericht unter der Forderung von Staatsanwältin Claudia Bosse blieb (zehn und neuneinhalb Jahre Haft). Die Brüder aus einer kurdischen Großfamilien sollen auf den Deutsch-Libanesen mindestens 20 Mal eingestochen haben. Bis zu 23 Zentimeter tief waren laut Obduktion die Stichkanäle.

Ein Streit um 1200 Euro, die Raschad A. angeblich Ismet A. schuldete, sollen der Anlass für eine erste Auseinandersetzung gewesen sein, bei der das spätere Opfer am Tag vor der Tat Ismet A. mit einem Schlaghandschuh das Nasenbein gebrochen hatte. Dafür habe er sich rächen wollen, ist das Gericht überzeugt. Doch einen direkten Tötungsplan habe es nicht gegeben. Das belege allein schon die Tatsache, dass die Brüder Raschad A. per Telefon an die relativ viele befahrene Bünder Straße vor die Bäckerei Hensel gelockt hätten. „Sie haben sich mit dem Opfer zu einer Aussprache verabredet.“

Vom Tatwerkzeug fehlt jede Spur

Ihnen sei es um eine Entschuldigung und eine Entschädigung für den Nasenbeinbruch gegangen. „Sie haben wohl auch erwogen, ihm eine Abreibung zu erteilen, jedoch nicht, ihn zu töten“, sagte Zimmermann. Dann sei die Situation aber offenbar aus dem Ruder gelaufen. Wer das Messer geführt habe, sei unklar.

Von dem Tatwerkzeug fehlt bis heute jede Spur. „Möglicherweise war auch ein Dritter beteiligt“, sagte Zimmermann. Für die Tatbeteiligung der Angeklagten gebe es aber klare Beweise: Neben der Leiche seien zwei Feuerzeuge gefunden worden, eines mit DNA von Ismet A., eines mit einem Fingerabdruck von Ferhan A. Auch die Auswertung der Telefonate und Chats vor der Tat legten eine Beteiligung nahe.

Widersprüche

Zudem hätten sich beide gegenüber der Polizei in Widersprüche verstrickt, wo sie sich am 30. Mai 2019 wann genau aufgehalten hätten. Im Prozess hatten beide Angeklagte geschwiegen. „Zudem hatte Ismet A. ein Motiv: die Vergeltung für den Angriff am Vortag. Das hat er gegenüber Personen in seinem Umfeld klar thematisiert.“ Er sei der Initiator gewesen, Ferhan A. sein Komplize. Zimmermann sprach aber auch von einer „unbefriedigenden Erkenntnis“: Die Tat habe „in weiten Teilen“ nicht aufgeklärt werden können.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kündigte umgehend an, eine Revision vor dem Bundesgerichtshof anzustreben. Für die Nebenklagevertreter sei dies „wahrscheinlich“, wie Anwalt Christian Simonis sagte. Staatsanwältin Bosse wollte sich direkt nach der Urteilsverkündung dazu noch nicht äußern.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7665106?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514616%2F
Coronavirus-Newsblog: Die aktuellen Zahlen aus OWL: 15 neue Todesfälle - Länderübergreifende Demo gegen Corona-Maßnahmen - 13 Millionen Infektionen in den USA
 Die Pandemie und ihre Folgen für Ostwestfalen-Lippe, Deutschland und die Welt : Coronavirus-Newsblog: Die aktuellen Zahlen aus OWL: 15 neue Todesf...
Nachrichten-Ticker