Mohamed Cherif kam 2015 nach Deutschland und füllt in Hiddenhausen eine Lücke
Der Pfleger aus Guinea

Hiddenhausen (HK). „Das Wort ‚Stress‘ kannte ich bislang nur aus dem Wörterbuch.“ In Deutschland habe er dann erfahren, was das eigentlich bedeute. Vor fünf Jahren ist Mohamed Cherif aus dem westafrikanischen Guinea gekommen – ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Für ihn kein Hindernis: Im September hat er seine Ausbildung als Altenpfleger beendet und ist seitdem ein gefragter Mann.

Donnerstag, 05.11.2020, 05:30 Uhr
Mohamed Cherif mit dem Dienstwagen des Pflegedienstes. Foto: Bernd Bexte

Wer mit dem 24-Jährigen spricht – und das mittlerweile in fließendem Deutsch –, dem fällt sofort die Lebensfreude auf. Voller Elan, als müsste er ständig ein Lachen unterdrücken, erzählt er von seinem Werdegang in Deutschland. Und der ist beachtlich. Im Oktober 2015 hatte er sich aus seiner Heimat auf den Weg gemacht, war über die Türkei eingereist, zunächst nach Dortmund. Kurze Zeit später kam er dann nach Hiddenhausen.

Ein Lehrer aus Guinea

In Afrika hatte Mohamed Cherif Jura studiert, zuletzt dort als Lehrer gearbeitet, sagt er. Dann habe es Probleme gegeben, über die er nicht so gerne reden möchte, berichtet er mit ernstem Unterton. Deshalb habe er in Deutschland einen Asylantrag gestellt. „Der ist aber abgelehnt worden.“ Dagegen geht er derzeit immer noch rechtlich vor. Damit er seinem Gastland aber nicht auf der Tasche liege und für sich selbst eine Perspektive entwickele, hatte er vor gut drei Jahren eine Ausbildung zum Altenpfleger begonnen. „Mit einer qualifizierten Ausbildung hat Mohamed bessere Chancen für einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland“, sagt Shpetim Kaludra. Der Diplom-Pädagoge ist Flüchtlingsbeauftragter bei der Gemeinde Hiddenhausen und hilft Menschen wie dem 24-Jährigen, in der neuen Heimat auf eigenen Beinen zu stehen. „Eine Ausbildung ist der Schlüssel dazu“, meint Ordnungsamtsleiter Jörg Luttmann, der auch für Asylbewerber zuständig ist.

Doch bis dahin musste Mohamed Cherif einiges leisten. In der OPG paukte er, von Ehrenamtlichen unterrichtet, Deutsch, später dann bei der Volkshochschule und an der Uni Bielefeld. Dann bekam er die Chance für eine Ausbildung als Krankenpfleger – obwohl gar nicht sicher war, ob er längerfristig in Deutschland bleiben könne. „Die Ausbildungsbetriebe und Schulen sind da aber mittlerweile viel offener und flexibler“, sagt Kaludra. Im Fall des 24-Jährigen war dies ein Pflegedienst in Brackwede und die Pflegeschule des Johanneswerkes.

Pflegedienst sucht mit Annonce

„Ich habe online eine Stellenannonce des Pflegedienstes gesehen und mich einfach beworben“, erzählt Mohamed Cherif. Da es aber umständlich war, frühmorgens mit Bus und Bahn von Hiddenhausen in den Bielefelder Süden zu kommen, machte er kurzerhand den Führerschein. „Ja, das alles auf einmal war gar nicht so einfach“, erinnert er sich. Und Kaludra, der ständig mit ihm in Kontakt blieb, spricht von „vielen verzweifelten Gesprächen“. Hinzu kam die anfangs unbekannte Tätigkeit: „Bei uns in Guinea kennt man Pflegedienste gar nicht. Da kümmert sich die Familie um alte Menschen.“

Als er zum ersten Mal mit seinem Praxisanleiter bei einem 80-jährigen Mann zu Hause gewesen sei, habe er sich nicht vorstellen können, was da so auf ihn zukommen werde. Das sei aber längst Vergangenheit. „Meine Arbeit macht mir richtig Spaß.“ Und Vorbehalte gegen ihn habe er auch nie erlebt. „Es hat da wirklich nie Probleme gegeben.“ Beliebt ist er aber offenbar nicht nur bei den zu Pflegenden. „Es hat auch schon Abwerbeversuche gegeben.“

Hilfe im Mangelberuf

Genau deshalb sieht Jörg Luttmann einen jungen Mann wie Mohamed Cherif als Bereicherung: „Na klar, es gibt auch welche, die zu uns kommen und Probleme machen. Aber er hilft uns in einem Mangelberuf. Da hat er doch eine Chance verdient.“ So nimmt die Gemeinde am Landesprojekt „Gemeinsam klappt’s“ teil, mit dem junge Flüchtlinge in Ausbildung gebracht werden. „In der Spitze hatten wir da elf Teilnehmer – vom Maler über Metallbauer bis zum Kfz-Mechatroniker“, sagt Jörg Luttmann.

Derzeit leben etwa 200 Geflüchtete in Unterkünften der Großgemeinde – einer von ihnen ist Mohamed Cherif. Der hat übrigens schon weitere Pläne: „Später möchte ich mal Pflegewissenschaften an der Fachhochschule Bielefeld studieren.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7663677?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514616%2F
Coronavirus-Newsblog: Die aktuellen Zahlen aus OWL: 15 neue Todesfälle - Länderübergreifende Demo gegen Corona-Maßnahmen - 13 Millionen Infektionen in den USA
 Die Pandemie und ihre Folgen für Ostwestfalen-Lippe, Deutschland und die Welt : Coronavirus-Newsblog: Die aktuellen Zahlen aus OWL: 15 neue Todesf...
Nachrichten-Ticker