Bad Temper Joe gibt Konzert und spricht über Corona, Blues und Klischees
„Wer nicht zweifelt, denkt nicht“

Hiddenhausen (WB). Über seinen Künstlernamen mag er nicht gerne reden, über sein Verständnis vom Blues dafür um so mehr. Bekanntschaft mit Bad Temper Joe können Interessierte am 16. August im Park von Gut Hiddenhausen machen. Vor dem Auftritt hat Hartmut Horstmann dem Musiker Fragen gestellt – es geht um Erfolg, Musik in Zeiten von Corona und Publikumsresonanz.

Dienstag, 04.08.2020, 23:28 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 23:30 Uhr
Bad Temper Joe, Bluesmusiker aus Bielefeld, hat mit 28 Jahren bereits zehn Alben veröffentlicht. In Memphis nahm er in diesem Jahr an einer internationalen Blues Challenge teil und kam in seiner Kategorie als einziger Europäer ins Finale. Foto: Gerald Oppermann

 

Wer den Namen Bad Temper Joe hört, erwartet keinen Karnevalssänger. Wie kam es zur Wahl dieses Künstlernamens?

Bad Temper Joe : Ich glaube, ich hatte keine Wahl. Wir leben in einer Welt, in der man Stempel aufgedrückt bekommt und verteilt. Das ist meiner.

 

Aber den Künstlernamen haben Sie sich doch selbst gegeben, oder?

Bad Temper Joe: Meines Wissens bekommt man Stempel von anderen Personen aufgedrückt. Irre ich mich da?

 

Das klingt sehr passiv. Gegen Stempel oder Etiketten von anderen kann man sich doch wehren, sofern man sie als unzutreffend beurteilt. Oder irre ich mich da?

Bad Temper Joe : Da irren Sie sich nicht.

 

Okay, viele Vertreter Ihrer Generation hören HipHop, Blues ist eher die Ausnahme. Fühlen Sie sich als Außenseiter?

Bad Temper Joe : Das ist ein ziemliches Klischee. Es gibt genügend Menschen in älteren Generationen, die genauso wenig Blues hören. Ich sehe es eher so, dass Personen, die HipHop oder auch Metal hören, ziemlich nah am Blues und dem Gefühl sind, das diese Musik vermitteln kann. Und dass sie verstehen, was jemand wie ich am Blues findet, und dass sie sich zur richtigen Zeit und am richtigen Ort auch drauf einlassen können. Gut gemachter HipHop, genauso wie Metal, ist handgemacht und natürlich. Obgleich es Abweichungen gibt, aber die gibt es im Blues auch.

 

Blues-Spötter sagen, die Musik klinge immer gleich. Was ist der Kick, der Sie antreibt?

Bad Temper Joe : Es klingt nicht immer gleich.

 

Ist Bielefeld denn eine Blues-Stadt?

Bad Temper Joe : Wir haben einige Namen in und um Bielefeld, die man in der Szene kennen sollte. Vielleicht ja.

 

Ray Charles soll gesagt haben, dass kein Weißer den Blues singen kann – womit er wohl auf den Aspekt der Glaubwürdigkeit anspielt. Was halten Sie dagegen?

Bad Temper Joe : Muddy Waters hat etwas Ähnliches gesagt und ergänzt, dass ein Weißer nicht erlebt habe, was er und seine Kollegen erlebt hätten. Aus dem Blickwinkel hat er durchaus recht. Denn was haben denn die Weißen gemacht, als sie anfingen, Blues zu spielen? Sie haben ihre europäische Musik einfließen lassen, und dadurch entstand mit Jimmie Rogers die Country Musik – schon damals als Blues der Weißen bezeichnet. Dagegen halten möchte ich daher nichts.

Ich versuche, meine eigene Art Blues zu spielen, die nur ihre Wurzeln in der Tradition der Mississippi-Sänger hat. Und ich denke, viele der deutschen Blueser sind auf diesem Weg. Das funktioniert, weil sie ihre eigenen Songs schreiben und spielen. Und wenn mal eine Fremdkomposition dabei ist, ist diese nicht unbedacht gewählt.

 

Sie haben in jungen Jahren bereits einige Auszeichnungen bekommen, unter anderem an der Blues Challenge in Memphis teilgenommen. Welche Bedeutung hat für Sie Erfolg?

Bad Temper Joe : Man hat Erfolg, wenn man morgens aufsteht und abends ins Bett geht und dazwischen tut, was man will.

 

Wirkt sich die Teilnahme an der internationalen Blues Challenge auf die Nachfrage nach Tonträgern aus? Auch im amerikanischen Raum?

Bad Temper Joe : Um meine Tonträger kümmert sich mein Label.

 

Sie könnten beim Label nachfragen. Interessieren Sie Verkaufszahlen nicht?

Bad Temper Joe : Das war der höfliche Hinweis, dass Sie diese Zahlen überhaupt nichts angehen.

 

Außenstehende denken beim Blues an die Rolling Stones, vielleicht auch an Muddy Waters. Haben Sie Vorbilder, an denen Sie sich orientieren oder mit denen Sie aufgewachsen sind?

Bad Temper Joe : Einige. Zu viele, um sie alle zu nennen. Wenn man meine Songs hört, findet man sie alle.

 

Das Konzert in Hiddenhausen gehört zu einer Reihe, die Künstlern in Coronazeiten helfen soll. Wie sieht es mit Ihrem künstlerischen Überleben aus?

Bad Temper Joe : Erst mal bin ich froh, dass es viele Veranstalter oder andere Personen gibt, die aus dem Nichts und kurzfristig Konzerte aus dem Boden stampfen. Diese Zeit hat alle Kulturschaffenden enger zusammengeführt. Kultur ist nicht tot und sie wird benötigt. Vielleicht erkennen das einige andere Leute, die in diesem Land etwas zu sagen haben, auch mal. Solange ich Konzerte spiele, überlebe ich.

 

Als Berufsmusiker setzen Sie alles auf eine Karte. Hatten Sie in letzter Zeit manchmal Zweifel, ob Sie den richtigen Weg eingeschlagen haben?

Bad Temper Joe : Wer nicht zweifelt, denkt nicht selbst.

 

Was ist das für Sie wichtigste Lob, das sie bisher bekommen haben?

Bad Temper Joe : All die Leute, die mich buchen, die zu meinen Konzerten kommen, die zuhören und klatschen, sind das wichtigste Lob.

Die Konzertreihe

Im Kleinen Park von Gut Hiddenhausen startet am 9. August eine Reihe, die Künstler in Zeiten von Corona unterstützen soll. Es handelt sich um Benefizkonzerte – das Publikum bestimmt die Gage der Künstler selbst.

Zu den Initiatoren zählt der Herforder Günter Scheding, der Vergleichbares auch schon in Herforder Kirchen angestoßen hat. Er sagt: „Das Publikum ist kulturell ausgedürstet und kommt in den Genuss kleiner Veranstaltungen von großer Intensität.”

Sitzgelegenheiten sind begrenzt vorhanden, das Mitbringen von Picknickdecken und Campinghockern wird empfohlen. Die sonntäglichen Konzerte von 15 bis 17 Uhr auf Gut Hiddenhausen im Überblick: 9. August: Jona, 16. August: Bad Temper Joe, 23. August: Andres Düker und 30. August: Mellon.

 

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