Experte schult 21 Feuerwehrleute aus dem Kreis Herford bei Großtierrettung
Wenn ein Pferd in Not gerät

Herford (WB). Ein Pferd ist in die Werre gerutscht und droht zu ertrinken. Die Feuerwehr kommt gerade noch rechtzeitig und kann das Tier retten. Immer wieder müssen die Einsatzkräfte Pferde, Rinder, Esel und andere große Tiere aus solchen und ähnlichen Notlagen befreien. Damit die Feuerwehren im Kreis Herford dafür noch besser vorbereitet sind, übten sie bei einer Großtierrettung an der Feuerwehrzentrale in Eilshausen.

Mittwoch, 08.07.2020, 15:55 Uhr aktualisiert: 08.07.2020, 15:58 Uhr
Hier ist Muskelkraft gefragt: (von links) Robin Finkemeyer (Rödinghausen), Dirk Rethmeier (Vlotho), Benjamin Grefe (Bünde) und Lea Tellbüscher (Rödinghausen) bewegen „Hengst Sam“ mit breiten Gurtbändern. Sie wenden mit dem Seitwärtsassistenten eine spezielle Technik an. Foto: Jens Vogelsang

Der erfahrene Großtierretter Lutz Hauch aus dem Kreis Jülich schulte die 21 Ehrenamtlichen. Er hatte die Attrappe „Hengst Sam“ im Pferdeanhänger mitgebracht. Gräben, Böschungen, Bachläufe oder Schlammlöcher in unwegsamem Gelände können den Vierbeinern zum Verhängnis werden. Hinzu kommen Unfälle beim Tiertransport im Straßenverkehr. „Die Einsatzkräfte wissen nicht, was sie erwartet“, sagte Hauch.

Oft komme es zu Rettungsaktionen, die wenig vorbildlich abliefen. Die Helfer mühten sich stundenlang ab, zwar hoch motiviert, aber ungeschult und unzureichend ausgerüstet. „Sie setzen sich großen Gefahren aus und muten den Tieren großen Stress und unnötige Schmerzen zu“, berichtete der Experte und veranschaulichte die Probleme mit Videos.

Tierarzt verständigen

Hauch wies daraufhin, dass am Einsatzort anwesende Personen, wie etwa Pferdebesitzer, Reiter und Passanten ein zusätzliches Risiko darstellen. Die gute Absicht kann schlimme Folgen haben. „Ein Pferd in Not wird, sobald es die Freiheit spürt, vehement ums Überleben kämpfen“, schilderte der Großtierretter. Deshalb sei es wichtig, rechtzeitig einen Rückzugsweg für die Retter und einen sicheren Ort für die Freilassung zu bestimmen. Bei jeder Großtierrettung müsse außerdem ein Tierarzt verständigt werden.

Im zweiten Teil des Seminars trainierten die Feuerwehrleute die fachgerechte Rettung eines Pferdes, ohne den Eigenschutz aus dem Blick zu verlieren. An „Hengst Sam“, ein lebensgroßes Kunststoffpferd mit beweglichen Gelenken, demonstrierte Hauch eine Reihe von Techniken, um den „verletzt“ am Boden liegenden Schimmel zu bewegen.

Rudernde Pferdebeine

Die Ehrenamtlichen verwendeten eine gebogene Fädelstange aus biegsamem Federstahl, mit der sie breite Spanngurtbänder unter dem „Tierkörper“ hindurch zogen. Hirtenstäbe dienten als Armverlängerungen, um dem „Hengst“ nicht zu nahe zu kommen. „Die rudernden Pferdebeine können schwere Verletzungen verursachen“, warnte Hauch.

Ein Seminarteilnehmer übernahm deshalb bei jeder Übung die Aufgabe des Sicherheitsassistenten und passte auf, dass niemand der Kameraden versehentlich in die sogenannte Kickzone geriet. Ein anderer kümmerte sich als Gerätemanager um die Bereitstellung der Werkzeuge. Die Feuerwehrleute aus allen Teilen des Kreisgebietes arbeiteten als Team zusammen.

Hebegeschirr angelegt

Thomas Graf, Marco Ruschhaupt (beide Hiddenhausen), Carsten Albsmeier (Bünde), Christin Lamsfuß-Mende (Rödinghausen), Heiko Kamm, Matthias Niekamp (beide Enger) und Björn Hamann (Herford) zogen den 200 Kilogramm schweren „Zossen“ schließlich auf einer Schleifplatte zum Pferdeanhänger. Währenddessen übernahmen Björn Schäffer (Löhne) und Sarah-Jane Rainey (Hiddenhausen) mit Notfallhalfter und Bergetuch die Kopfsicherung. Andere Feuerwehrleute legten später ein Hebegeschirr an, um die Attrappe am Kranhaken aufzurichten, und sicherten es mit einem speziellen Gurtsystem für den Transport.

Etwa 35 Lehrgänge und Fachseminare, die einen Großteil des Einsatzspektrums abdecken, finden an der Kreisfeuerwehrzentrale Jahr für Jahr statt. Durch die Corona-Krise sind einige Veranstaltungen ausgefallen, erklärte der stellvertretende Kreisbrandmeister Holger Klann. „Wir haben erst Anfang Juni den Lehrgangsbetrieb wieder aufgenommen.“

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