Heimbewohnerin Margret Petring schildert, wie sie den Lockdown erlebt hat
„Jetzt ist es wieder schön“

Hiddenhausen (WB). Auf dem Nachttisch steht ein Strauß mit rosafarbenen Gladiolen, an den Wänden hängen Bilder von der Familie, die Blumen in den Kästen am Geländer des französischen Balkons bringen Farbe ins Zimmer. Margret Petring sitzt in ihrem gemütlichen Sessel und lächelt zufrieden. „Jetzt ist es wieder schön“, sagt sie.

Dienstag, 07.07.2020, 16:00 Uhr
Margret Petring, Bewohnerin im Haus Stephanus, fühlt sich wieder wohl nach dem Lockdown. Sie habe immer große Angst vor einem Krankheits-Fall im Heim gehabt.

Die 86-Jährige wohnt seit eineinhalb Jahren im Haus Stephanus in Lippinghausen und hat bedingt durch den Lockdown harte Wochen hinter sich. „Mitte März ist von jetzt auf gleich alles geschlossen worden. Die Kinder und Enkel durften nicht mehr ins Haus, die Ehrenamtlichen, die mit uns das Mittwochs-Café gestalten, und Tagesgäste auch nicht mehr“, erinnert sich die Seniorin. Plötzlich sei alles so still gewesen. Und die neuen Bewohner, die ins Haus kamen, habe sie auch nicht kennen lernen können.

Die Angst

Zwei Töchter und eine Sohn hat Margret Petring. Sie und ihre Familien besuchen die 86-Jährige regelmäßig. Doch auch damit war wochenlang Schluss. „Aber sie kamen ab und zu vorbei und haben unterm Fenster gestanden. So konnten wir wenigstens ein bisschen sprechen“, erzählt Margret Petring.

Sie habe ihr Sudoku, sie lese gern und sie habe ihren Fernseher. Und im Garten habe sie immer jemanden getroffen. „Einsam habe ich mich nicht gefühlt“, sagt sie. Fehlende Kontakte seien für sie nicht so schlimm gewesen. „Wirklich schrecklich war die Angst, dass etwas passiert. Wäre jemand krank geworden, hätte das Konsequenzen für das ganze Haus gehabt. Aber Gott sei Dank war das ja nicht der Fall. Wir sind hier zusammengewachsen – wie eine große Familie.“

Mehr Zusammenhalt

Das bestätigt auch Pflegefachkraft Sandra Kampeter. „Es war eine sehr stressige und anstrengende Zeit. Auch deshalb, weil uns manchmal das Verständnis der Angehörigen fehlte. Aber unsere Mitarbeiter hat der Lockdown richtig zusammengeschweißt. Unter uns ist mehr Freundlichkeit und mehr Zusammenhalt als früher“, weiß die 43-Jährige Positives aus den vergangenen Wochen zu berichten. Und sie hofft, dass ein bisschen davon im Haus Stephanus erhalten bleibt.

„Es haben sich sogar erstaunlich viele Mitarbeiter freiwillig gemeldet, die bei einem Erkrankungs-Fall auf einer Infektionsstation arbeiten würden“, ergänzt Heimleiterin Manuela Schock. Auf der anderen Seite, sagt Sandra Kampeter, sei es aber schlimm gewesen, mit ansehen zu müssen, wieviel Traurigkeit geherrscht habe, weil die Bewohner nicht von Kindern oder Ehepartnern besucht werden konnten. „Am Ende brachte manchmal auch das Telefonieren nichts mehr.“

Wertschätzung

Aufgemuntert habe alle, Personal wie Bewohner, die Wertschätzung, die das Alten- und Pflegeheim nach der Schließung Mitte März erfahren habe. „Die Menschen haben für uns gebacken, uns Blumen und kleine Geschenke vor die Tür gelegt“, erzählt Heimleiterin Manuela Schock. Die Bevölkerung hätte jeden Abend für die Pfleger applaudiert. Davon sei jedoch nicht viel geblieben. All die Zeichen der Wertschätzung seien weniger geworden. Für die Zukunft hoffen Manuela Schock und Sandra Kampeter allerdings, dass wenigstens ein bisschen davon hängen bleibt und „die Menschen die Pflege mehr wertschätzen“.

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