Schausteller will mit kleinem Jahrmarkt auf seinem Privatgrundstück ein Zeichen setzen
Andrang auf Mini-Kirmes überschaubar

Hiddenhausen (WB). Für ihn ist es ein Schritt zurück in die Normalität: Mit einer Kirmes im Kleinformat hat der Hiddenhauser Schausteller Robert Heitmann am Wochenende ein Zeichen gesetzt – und ist froh, endlich wieder seinem Gewerbe nachgehen zu können.

Sonntag, 05.07.2020, 17:46 Uhr aktualisiert: 05.07.2020, 17:50 Uhr
Unter Aufsicht von Ivan Schmalhorst versucht sich Frank Slansky beim Dosenwerfen. Foto: Sophie Hoffmeier

„Wenn ich am Ende finanziell bei Null rauskomme, dann ist es schon ein Erfolg“, sagt Heitmann zum Start am Samstag. Zu diesem Zeitpunkt steht er bereits mehrere Stunden hinter der Theke seines Eiswagens. „Ich freue mich einfach, dass überhaupt Leute gekommen sind und uns unterstützen wollen“, sagt der Schausteller mit Blick zum Eingang der Fläche, an dem immer wieder vereinzelt neue Gesichter auftauchen.

Sechs Wochen hatte der 54-Jährige auf die Bestätigung von Gemeinde und Gesundheitsamt gewartet und dabei jeden Tag um seine Existenz gebangt. Nun durfte er seinen Betriebshof an der Gerstenstraße 43 erstmals der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Insgesamt hat er dort 10.000 Quadratmeter Platz. Der genehmigte Aufbau entstand auf einem 2475 Quadratmeter großen Teilstück des Geländes. Mit seinem Hygiene-Konzept will Heitmann zeigen, dass auch die Kirmes, wie schon Kino und Freibad, das Recht hat, zurückzukommen.

Ingrid Schulz holt sich bei Mini-Kirmesbetreiber Robert Heitmann eine leckere Eistüte ab.

Ingrid Schulz holt sich bei Mini-Kirmesbetreiber Robert Heitmann eine leckere Eistüte ab. Foto: Sophie Hoffmeier

Der Schausteller in achter Generation hat einige ereignisreiche Tage hinter sich: Noch am Tag vor der Eröffnung war er für die Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen seiner Branche in Berlin. „Direkt nachdem ich zurück kam, haben wir dann damit angefangen, die Buden aufzubauen“, berichtet Heitmann.

Um die kleine Kirmes zu stemmen, greift er ausschließlich auf die Hilfe von Familie und Freunden zurück. Seine Tochter Madeleine (14) sitzt an der Kasse vom Spiegellabyrinth, das die Hauptattraktion bildet. Für sie sei es keine Frage, sich zu beteiligen, um die 200 Jahre alte Schausteller-Tradition ihrer Familie am Leben zu erhalten: „Kirmes bedeutet für mich, Familie und Freunde aus ganz Europa zu sehen“, erklärt die Jugendliche.

Ein Stückchen weiter dreht sich das historische Nostalgie-Kinderkarussell. Bedient wird es von Madeleines Großvater, der es sich trotz seiner 79 Jahre nicht nehmen lässt, mit anzupacken.

Theoretisch dürfen bis zu 150 Besucher gleichzeitig auf das Gelände, auf dem sich neben den zwei Fahrgeschäften und dem Eiswagen noch ein Mandelstand, eine Imbissbude, sowie eine Ballwurf-Bude befinden. Am Samstag sind es bis zum Nachmittag knapp 50 Besucher, die sich über den Tag verteilt auf dem Betriebshof aufhalten. Sie müssen am Eingang ihre Daten hinterlassen und auf dem Grundstück eine Mund-Nasen-Maske tragen. Insgesamt ist die Verweildauer der Besucher am Auftakttag eher gering.

Mini-Kirmes läuft bis Ende August

Anziehungspunkt sind besonders die Essens-Angebote, von denen auch Claudia und Marlis Schröder Gebrauch machen. „Uns haben die gebrannten Mandeln hergelockt“, verraten sie. Der Bünder Frank Slansky ist in erster Linie da, um zu unterstützen: „Die Schausteller können einem aktuell echt leid tun.“

Für Charleen Bügler ist ein Besuch auf der Mini-Kirmes eine Herzensangelegenheit. Sie stammt selbst aus einer Artistenfamilie und freut sich, dass Robert Heitmann mit seinem Angebot ein Zeichen setzt: „Das hier ist unser Leben. Wenn ich gebrannte Mandeln und Zuckerwatte rieche, dann ist das für mich Heimat.“

Wer selbst wieder Kirmes-Atmosphäre erleben will, der hat weiterhin die Gelegenheit dazu: Bis Ende August will die Familie Heitmann jeden Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 20 Uhr ihre Tore öffnen.

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