Ulrich Hempelmann sät Wildblumen auf 38.500 Quadratmetern
Buntes Hiddenhausen

Hiddenhausen (WB). „Klimaerwärmung und Artensterben lassen sich ja nicht mehr leugnen. Wir müssen wirklich was tun“, sagt Ulrich Hempelmann und meint damit nicht nur die Politik auf Bundesebene.

Freitag, 05.06.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 12:48 Uhr
Ulrich Hempelmann freut sich so sehr über die bunte Pracht in seinem Garten und das darin schwirrende Leben, dass er in diesem Jahr 38.500 Quadratmeter seiner Ackerflächen zu Blühwiesen gemacht hat. Foto: Daniela Dembert

„Nicht nur reden, einfach machen“, hat sich der Landwirt gedacht und in diesem Jahr 38.500 Quadratmeter von seinen Äckern in Hiddenhausen, Oetinghausen und Belke-Steinbeck abgezwackt, um Wildblumen einzusäen.

„Hiddenhausen muss bunter werden“, sagt er. „Damit meine ich nicht nur die farbenfrohen Blüten sondern die Artenvielfalt, die in Blühwiesen herrscht“, so der 55-Jährige.

Als zweifacher Vater und Großvater mache er sich natürlich Gedanken um das ökologische Erbe. Seine landwirtschaftliche Produktion von Zuckerrüben werde er deshalb im kommenden Jahr umstellen auf die Hacktechnik zur Unkrautbekämpfung, um Pflanzenschutzmittel auf einen Bruchteil reduzieren zu können. „Was das für den Ertrag bedeutet, werden wir dann sehen“, sagt Hempelmann.

Blühwiesen kann jeder anlegen

Jeder, davon ist der Bürgermeisterkandidat der CDU überzeugt, kann sich aktiv am Schutz der Arten beteiligen. Blühwiesen könnten sowohl von Privatpersonen im heimischen Garten, von Landwirten auf Teilen ihrer Äcker als auch von Industriebetrieben auf deren häufig nur mit Rasen begrünten Ausgleichsflächen angelegt werden, meint Hempelmann.

Selbstverständlich sei ihm die Bedeutung von Ackerflächen als Broterwerbsgrundlage für die Landwirte bewusst und auch über die strittige Attraktivität von EU-Programmen zur Förderung von Blühwiesen wisse er Bescheid. „Aber warum sollte die Gemeinde Hiddenhausen da nicht Anreize schaffen und finanziell unterstützen?“, meint der Bürgermeisterkandidat. Naturschutz dürfe und müsse kosten, auch auf Gemeindeebene.

Nistkästen für den Artenschutz

In Sachen Artenschutz hat Ulrich Hempelmann noch weitere Ideen, zu kleinen, seines Erachtens aber effektiven Schritten. Beispielsweise könnte das Anbringen von Nistkästen in der Baugenehmigung verankert werden.

„Blühwiesen“, erklärt der Naturliebhaber, „sind ein wichtiger Beitrag zur Förderung der Biodiversität. Sie sind ein Lebensraum für Insekten und geben samenfressenden Vögeln Nahrung, sogar den Winter über. Bodenbrüter finden ebenso Deckung wie Kaninchen, Hasen und junge Rehe. Außerdem können Blühstreifen als Verbindung zwischen Biotopen dienen. Und sie sehen auch noch gut aus.“

Im eigenen Garten blühen bereits die Ringelblumen aus der Saatmischung vom Vorjahr. Auf den Feldern, die Hempelmann erst nach den Eisheiligen eingesät hat, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis die ersten Pflanzen sprießen. Denn sie brauche eines: mehr Regen.

Kommentare

Oetinghauserin  wrote: 07.06.2020 17:53
@Anonym: Interessante Antwort. Die Verbindung zwischen dem Artikel, der anstehenden Kommunalwahl und den Wählern mit dem Text „der macht ja nichts, den wähle ich nicht“ finde ich aber etwas zu simpel. Ein komplexes Wahlprogramm könnte ja für Informationen sorgen. Und abschließend angemerkt, gibt es schon etliche Taten für ein „Buntes Hiddenhausen", zu dem u.a. die Gemeinde Hiddenhausen stetig beigetragen hat und den Menschen in Hiddenhausen immer wieder Anregungen gibt.
Anonym  wrote: 06.06.2020 12:09
Berichterstattung
@Oetinghauserin: Dann bin ich beruhigt, dass nicht direkt gemeckert wird und Ihre Sicht lediglich neutral gehalten war. Ist wohl nur falsch rüber gekommen.
Ich bin ganz bei Ihnen, dass über Privatmann XY bestimmt nicht berichtet wird. Aber sagen wir mal so: Würde über so etwas nicht berichtet werden, würden dann nicht wieder alle sagen „den wähle ich nicht, der macht ja gar nichts“? Klar, im Wahlkampf kommt sowas sicherlich gut. Aber wenn nicht drüber geredet wird, woher sollen die Leute denn auch wissen, dass man auch Taten hat sprechen lassen?
Grundsätzlich darf sich jeder sein eigenes Bild machen. Meins ist durchweg positiv, auch wenn ich kein Hiddenhauser bin.
Oetinghauserin  wrote: 06.06.2020 08:49
Einseitige Interpretation
@Anonym: mein Kommentar ist kein Gemeckere, sondern mit einem neutralen Blick auf die Situation und vor dem Hintergrund fehlender Informationen entstanden. Das jeder Quadratmeter zählt, sehe ich genauso. Dennoch denke ich über den Artikel nach und ordne ihn für mich ein. Meine Feststellung: Blühstreifen an Ackerrändern sowie blühende Zwischenfruchtkulturen nehmen schon seit einigen Jahren erkennbar zu. Es wird aber nicht über jeden Quadratmeter, der von Privatleuten und Landwirten naturnah angelegt wird, in epischer Breite berichtet...
Anonym  wrote: 05.06.2020 20:52
Top! Machen ist besser als nur reden!
@Oetinghauserin : Typisch. Erst einmal meckern, dass 38.500 Quadratmeter nicht genug sind. Es geht doch um die Denkweise und die scheint bei der CDU in Hiddenhausen zu stimmen! Herr Hempelmann scheint selbst umzusetzen was er fordert. Hier ist völlig egal ob es 30.000 oder 3 Quadratmeter sind. Eigenleistung statt leerer Versprechen finde ich sehr löblich, gerade im Naturschutz. Sollten sich viele mal eine Scheibe abschneiden oder wie viel Blühwiese blüht in ihrem Garten?
Mein absolut ehrliches und neutrales Fazit: Toller Beitrag zur Erhaltung der Natur und eine klasse Vorbildfunktion!
Oetinghauserin  wrote: 05.06.2020 16:56
Machen und nachvollziehbar informieren
Die Einsaat von Blühflächen durch Landwirte als Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt Fvon Insekten ist ja durchaus löblich . Interessant wäre es jedoch für die Leser/-innen wenn sie erführen, wieviele Hektar Fläche insgesamt vom Landwirt bewirtschaftet werden. So kann man "bewerten", wie groß der Beitrag durch 38.000 m² Blühfläche, also knapp 4 Hektar, ist. Außerdem frage ich mich, ob die Aktion Blühstreifen am Ackerrand aus EU-Mitteln subventioniert wird. Mein kritisches Fazit: Naturschutz ist doch ein prima Thema im Wahlkampf!
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