In einer Demenzbox Tipps im Umgang mit Erkrankten zusammengefasst
Angehörige fragen – Karin Alex antwortet

Hiddenhausen (HK). Sie wissen nicht, wo sie gerade sind. Sie wissen nicht, wie ihre Nachbarn heißen. Sie können Bargeld nicht mehr richtig zu ordnen. Sie finden den gewohnten Weg zum Supermarkt nicht mehr. Sie sind an Demenz erkrankt. Für pflegende Angehörige ist es nicht immer leicht, Verständnis für das Verhalten des Erkrankten zu haben. Sie haben viele Fragen, brauchen Unterstützung. Für sie hat Karin Alex, die unter anderem im Haus Stephanus in Lippinghausen als Demenzberaterin im Einsatz ist, die Demenzbox geschaffen.

Mittwoch, 03.06.2020, 16:00 Uhr
Demenzberaterin Karin Alex weiß um die vielen Fragen, die Angehörige von Demenzkranken haben. In einer Demenzbox hat sie jetzt die wichtigsten kurz und knapp beantwortet. Dazu gibt sie auch eine Menge Tipps. Foto: Koteras-Pietsch

Tipps und ganz Praktisches

„In der Box habe ich authentische Fragen, die Angehörige mir in den vergangenen 30 Jahren gestellt haben, und die Antworten, die ich gegeben habe, niedergeschrieben“, beschreibt Karin Alex ihre neue Box. In drei Themenbereichen – Bad-Bereich, Küche/Ernährung und Allgemeines – hat Alex auf jeweils einer Karte Fragen und Ereignisse zusammengefasst. Hinter jeder Fragen steht eine Zahl, die auf die Karte hinweist, auf der die Antworten und Tipps zu finden sind. Die drei Bereiche sind farbliche gekennzeichnet, so dass die Antworten leicht zu finden sind.

Beigelegt zur Demenzbox hat die Beraterin ganz praktische Karten: eine Notfallkarte für den Angehörigen. Darauf ist vermerkt, dass ein dementer Angehöriger allein zu Haus ist und dringend Hilfe braucht. Auf der Verständniskarte wird das ungewöhnliche Verhalten eines Dementen kurz erklärt ist. Und auf der blauen Karte, die der Demente bei sich tragen kann, ist die Nummer eines Angehörigen notiert, der im Notfall angerufen werden kann.

Wenn die Mutter nicht mehr baden will

„Angehörige haben mich sehr häufig gebeten, die Antworten, die sie in der Beratung gehört haben, aufzuschreiben“, erzählt Karin Alex. Sie entschied sich gegen ein Buch und für die Demenzbox, weil diese leichter zu handhaben ist. Kurz und knackig gibt sie Tipps. Ein Beispiel: das Anliegen „Meine Mutter möchte nicht mehr baden. Wenn ich sie zwinge, schlägt sie nach mir“ weist auf Karte Nummer 5 hin. Der Tipp: „Eine Möglichkeit ist es, Ihrer Mutter einen Badezusatz in Geschenkpapier gewickelt zu überreichen. Wenn sie es auspackt, können Sie ihr anbieten, es sofort auszuprobieren... Manchmal hilft es auch, eine ‚Belohnung‘ nach dem Bad anzupreisen.“

Immer greifbar

„Mir war es wichtig, dass die Angehörigen mit Hilfe der Karten einen anderen Blickwinkel bekommen und dieser manches nicht so schlimm erscheinen lässt“, meint Karin Alex. Die Box kann an einem präsenten Ort liegen und immer greifbar sein. Ihre Demenzbox hat die Beraterin in einer Auflage von 1000 Stück drucken lassen. Zu haben ist sie zum Preis von 15 Euro bei Karin Alex, Telefon 05221/66779. Die nächste Box wird sich übrigens dem Thema Beschäftigung mit Dementen widmen.

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