Nach einer schweren Operation ist ein Hiddenhauser an Demenz erkrankt Wenn das Vergessen zunimmt

Hiddenhausen (WB). „Ich habe nie zuvor in meinem Leben Dinge vergessen“, erzählt Robert L. (75) aus Hiddenhausen. Doch nach einer schweren Operation vor sechs Jahren war alles anders. Er vergaß plötzlich Dinge. „Wenn ein eben geführtes Gespräch vorbei war, konnte ich das nicht mehr reflektieren“, erzählt der Akademiker, der seit neun Jahren im Ruhestand ist. Es gab und gibt Lücken im Kurzzeitgedächtnis. Die Diagnose: Demenz.

Von Karin Koteras-Pietsch
Nach einer schweren Operation vor sechs Jahren vergisst Robert L. (75) aus Hiddenhausen plötzlich Dinge. Es gab und gibt Lücken im Kurzzeitgedächtnis. Die Diagnose: Demenz.
Nach einer schweren Operation vor sechs Jahren vergisst Robert L. (75) aus Hiddenhausen plötzlich Dinge. Es gab und gibt Lücken im Kurzzeitgedächtnis. Die Diagnose: Demenz. Foto: dpa

„Wir haben damals einen Arzt aufgesucht, der verschiedene Untersuchungen bei meinem Mann vorgenommen hat. Am Ende stand nach Auskunft des Arztes fest, dass bei der OP etwas im Hirn geschädigt wurde“, erzählt Ehefrau Marita (74). Ihr Mann habe die Diagnose sehr ruhig aufgenommen. „Er war so ruhig wie immer schon“ erzählt Marita L.

Endlich Klarheit

Sie selbst war dankbar, endlich Klarheit zu haben. „Aber die Diagnose hat mich schon sehr gefangen genommen“, sagt sie. Robert L. entschied sich, mit niemandem über die Demenz zu sprechen. „Das ist eine Situation unter uns. Und so handhaben wir das auch“, stand für den Hiddenhauser von Beginn an fest. Deshalb möchte er seinen Namen auch nicht in der Zeitung lesen.

Einzig seine Frau und seine Kinder wissen Bescheid. „Man hat sonst den Stempel“, sagt der 75-Jährige. Das wollte er nicht. Er wollte einfach sein ganz normales Leben weiterleben. Und dennoch gab es Fragen, die ihn beschäftigten. Wie manifestiert sich die Krankheit? Wird sie fortschreiten? Kann man sie aufhalten? Wie kann ich Einfluss nehmen? Noch heute geht der Rentner regelmäßig zum Arzt und bekommt Antworten.

Mediterrane Kost und Bewegung

Der Mediziner hat ihm zu mediterraner Kost geraten und zu reichlich Bewegung. Seither gehört der tägliche ausgedehnte Spaziergang zum Leben des Ehepaares. Sie gehen sehr gern tanzen und schwimmen. Außerdem riet der Arzt dem Akademiker, eine Sprache zu lernen. Das sei im Frühstadium der Krankheit gut möglich. Und schließlich gab er noch eine ganz wichtige Empfehlung: „Regeln Sie Ihre Angelegenheiten.“ Das hatte das Paar längst getan. Darüber hinaus bekommt L. Exelon verschrieben, ein Medikament, dass zur Behandlung einer leichten bis mittelschweren Alzheimerschen Krankheit eingesetzt wird.

Der 75-Jährige empfindet nach eigener Aussage auch heute noch kein Defizit, das kompensiert werden müsste. „Ich fühle mich nicht krank und ich denke auch nicht daran. Ich lebe einen ganz normalen Alltag. Die Krankheit macht sich auch gar nicht bemerkbar“, sagt er. „Diese Form der Wahrnehmung und Verdrängung ist in diesem Zustand völlig normal“, sagt Demenzberaterin Karin Alex, die L. gut kennt, dazu.

Liebevolle Unterstützung

Zum Glück hat Robert L. eine sehr einfühlsame Frau an seiner Seite. Fast liebevoll hilft sie ihm „auf die Sprünge“, wenn er beispielsweise nicht mehr weiß, was am Tag geplant war. Oder wenn er vergessen hat, wo sie hingehen wollten. „Man muss versuchen, das tägliche Leben bewusst zu gestalten. Wir sind dankbar für die Zeit, die wir jetzt miteinander haben. Wir helfen einander, wir sind ein Team“, sagt Marita L.

Im Gegensatz zu ihrem Mann würde sie gern einmal über die Krankheit sprechen. Aber sie respektiert seinen Wunsch. In dieser Situation tun ihr normalerweise die Treffen im Haus Stephanus in Lippinghausen gut, die aktuell natürlich nicht stattfinden. Einmal in der Woche kommen sonst dort an Demenz Erkrankte und ihre Angehörigen zum Mittagstisch zusammen. Erst wird gemeinsam gegessen, dann folgt für die Angehörigen ein Gespräch mit Karin Alex, die unter anderem im Haus Stephanus das Kontaktbüro Selbsthilfe führt.

Austausch mit anderen

Außerdem ist Raum für den Austausch und zum Plaudern. „Wir Teilnehmer sind schon so richtig zusammengewachsen“, freut sich Marita L. Sie spürt, dass die Demenz ihres Mannes ein schleichender Prozess ist, in dem das Vergessen zunimmt. Und dennoch macht sie sich nicht zu viele Gedanken darüber, was sein wird, wenn die Situation sich verschlimmert.

„Unsere Kinder würden uns helfen“, ist sie sich sicher. Unterstützung bekommt das Ehepaar zudem jederzeit, wie viele andere auch, von Karin Alex. Sie ist für alle Interessierten zu erreichen unter Telefon 05221/66779.

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