Die Firma Budich beliefert vor allem Altenheime und Krankenhäuser Desinfektionsmittel: ein Bedarf wie nie

Hiddenhausen (WB).Desinfektionsmittel – kaum ein Produkt ist aktuell so gefragt wie dieses. Kein Wunder, dass bei der Firma Budich in Hiddenhausen die Produktion auf Hochtouren läuft. Sofern genügend Rohstoffe vorhanden sind.

Von Karin Koteras-Pietsch
Per Hand werden bei Budich die Flaschen mit Desinfektionsmitteln in Kartons gepackt, bevor sie an die Kunden ausgeliefert werden.
Per Hand werden bei Budich die Flaschen mit Desinfektionsmitteln in Kartons gepackt, bevor sie an die Kunden ausgeliefert werden. Foto: Koteras-Pietsch

Die Budich-Gruppe mit ihren Standorten Hiddenhausen und Wittenberg bedient mit ihren Produkten drei Bereiche: die Herstellung von Reinigungsmittel für die Discounter- und Drogerie-Ketten, die Herstellung von Produkten wie zum Beispiel Kaffeemaschinenreiniger für Maschinenhersteller, die diese Produkte unter ihrem eigenen Namen verkaufen, und schließlich die eigene Marke Kleen Purgatis, die Reinigungsmittel für Krankenhäuser, Altenheime aber auch Großküchen und Catering vertreibt, die bei Budich hergestellt werden. Rund 400 Mitarbeiter sind bei Budich beschäftigt.

65 Millionen Euro Umsatz

Michael Aupke, Geschäftsführer der Budich-Gruppe, verweist auf einen Umsatz in Höhe von 65 Millionen Euro in 2019. Im ersten Quartal 2020 sei der Umsatz sogar höher gewesen als das gesteckte Ziel. Aupke: „Als die Corona-Krise begann, war der Gastronomie-Bereich noch da und der Bedarf an Desinfektionsmitteln stieg enorm.“

Der April sei dann eher mau gewesen. Die Nachfrage nach Reinigungsmitteln sei durch die Schließung der Gastronomie um 50 bis 80 Prozent zurückgegangen. „Dem entgegen steht ein starker Zuwachs bei Hände- und Flächendesinfektionsmitteln und bei desinfizierenden Waschmitteln, die in Krankenhäusern und Altenheimen benötigt werden“, erklärt der Geschäftsführer. Damit könne der Verlust durch die fehlenden Aufträge aus der Gastronomie etwas ausgeglichen, aber nicht kompensiert werden.

Dabei, so Aupke, sei in der Produktion nicht einmal die Kapazitätsgrenze erreicht. „Wir könnten noch mehr Desinfektionsmittel herstellen, wenn wir genügend Rohstoffe hätten.“ Wesentliche Bestandteile von Desinfektionsmitteln sind unter anderem Ethanol, Isopropanol und N-Propanol.

Keine Lieferung aus Übersee

Ein weiterer Rohstoff ist QUAT (Quartäre Ammoniumverbindungen). „Das ist einer der Rohstoffe aus Übersee. Hier gibt’s große Probleme. Davon kommt bei uns nichts mehr an“, sagt der Geschäftsführer. QUAT zum Beispiel käme aus den USA. „Und die liefern nichts mehr. Eigenbedarf.“ Die Gesamtsituation habe natürlich auch zu steigenden Kosten geführt. „Aber wir sind froh, unsere Kunden bedienen zu können“, meint Aupke und Laura-Maria Rullàn Lemke (Marketing) ergänzt, dass die Kunden aus dem Gesundheitssektor selbstverständlich Priorität hätten.

Bei der Herstellung seiner Produkte wird dem Unternehmen an der Dieselstraße (hier werden alle flüssigen Reinigungsmittel hergestellt, in Wittenberg Pulver und Tabs) ein hohes Maß an Flexibilität abverlangt. Fehlt ein Rohstoff, müsse zum Beispiel die Produktion von Desinfektionsmitteln unterbrochen werden. Ein anderes Reinigungsmittel könne in der Zeit produziert werden.

Lieferketten müssen passen

Wenn sich eine Lieferung verzögert, sei die Produktion eines anderen Produktes in Gefahr. „Eine schwierige Situation“, mein Aupke und verweist auf ein weiteres Problem: die Verpackung. „Manchmal fehlt es uns an Flaschen, Verschlüssen oder Etiketten.“ Man sei auf eine funktionierende Lieferkette angewiesen. Es könne aber durchaus sein, dass der Lieferant auch auf Produkte warten muss. „In Absprache mit den Kunden müssen wir in solchen Fällen auf andere Varianten zugreifen. Dann haben die Flaschen auch schon mal eine veränderte Form.“

Kurzarbeit gibt es bei Budich noch nicht. Im Gegenteil. „Wir beschäftigen aktuell sogar Leiharbeiter“, sagt der Geschäftsführer. Das sei aber der Stand heute. Wie es weitergehe, wisse man heute noch nicht.

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