Firma Mestemacher prämiert gelungene Vereinbarkeit von Familie und Beruf Spitzenpapa kommt aus Schweicheln

Hiddenhausen (WB). Papa muss zum Bahnhof. Dort steigt Hannes Gesmann (34) in den Zug, um in Berlin von der Gütersloher Großbäckerei Mestemacher als „ Spitzenvater des Jahres “ ausgezeichnet zu werden. Kali (5), Suvi (4) und Loki (bald 3) wollen mit. Schuhe an. Jacke an. Rucksack auf.

Von Stephan Rechlin
Hannes Gesmann wird in Berlin zum Spitzenvater des Jahres ausgezeichnet. Tatjana Bokämper freut sich mit Kali, Loki und Suvi.
Hannes Gesmann wird in Berlin zum Spitzenvater des Jahres ausgezeichnet. Tatjana Bokämper freut sich mit Kali, Loki und Suvi. Foto: Thomas Bremes

Lebensgefährtin Tatjana Bokämper (28) fragt: „Können die Kinder die roten Halbschuhe anbehalten? Es ist kalt auf dem Bahnsteig.“ Hannes Gesmann: „Können sie. Nur Jacken müssen sie anziehen.“

2014, 2015, 2017 – die Geburtsjahre ihrer Kinder, die ihr bisheriges Leben vollkommen auf den Kopf stellten. Mutter Tatjana wird Englisch- und Geschichtslehrerin, sie kann ihr Referendariat auf einer Dreiviertel-Stelle absolvieren: „Das gibt es, soweit ich weiß, nur in NRW.“ Vater Hennes nahm zunächst Elternzeit und reduzierte anschließend seinen Einsatz im Online-Marketing der Steute Technologies GmbH & Co. KG in Löhne-Gohfeld auf 20 Stunden pro Woche: „Freunde und Bekannte in anderen Firmen stoßen mit solchen Wünschen auf enorme Vorbehalte. Bei uns war das auch ein Problem, aber wir fanden eine Lösung.“

Geschwister sind frei

„Loki, ich glaube, Du hast die Schuhe falsch rum angezogen. Darf ich mal schauen?“, fragt die Mama. „Nein“, sagt Loki. „Aber dann tun Dir später die Füße ganz doll weh. Lass mich doch mal eben...“ „Nein“, sagt Loki.

Alle drei Kinder gehen inzwischen in den Kindergarten. Die Familie hat die 45-Stunden-Woche gebucht, obwohl sie nicht ganz ausgeschöpft wird. Hannes Gesmann: „Besser so als jeden Tag hetzen, um die Bring- und Abholzeiten einzuhalten.“ In der Gemeinde Hiddenhausen muss nur für ein Kind gezahlt werden, Geschwister sind frei. Außerdem steuert Gesmanns Arbeitgeber 50 Euro pro Monat zu den Kitakosten bei. Morgens auf 8.30 Uhr hin, Nachmittags auf 15.30 Uhr wieder zurück – das ist das Zeitfenster, in dem Gesmann derzeit arbeiten kann. Schon mit der Einschulung von Kali im Sommer wird sich das ändern. Gesmann: „Um jungen Vätern zu helfen, müssen Firmen nach individuellen Lösungen suchen. Die Lebenssituationen ändern sich, wenn die Kinder aufwachsen.“

Nudeln auf der Terrasse

Kurz bevor es zum Bahnhof geht, gibt es Nudeln. Die hat Papa eben noch gekocht. Die Familie steckt schon in Jacken, also werden die Nudeln draußen auf der Terrasse gegessen. „Boh, sind die heiß“, sagt Loki und lässt eine fallen. „Für die Marienkäfer“, sagt Suvi und lacht.

Die bevorstehende Trennung der Eltern ändert nichts an der gemeinsamen Verantwortung, sie erfordert nur neue Absprachen. Gesmann wird versuchen, im wechselnden Wochenrhythmus zu arbeiten, Bokämper möchte ihre Eltern mit einspannen. Ja, über Home-Office werde bei Steute auch gesprochen, da wo es in Frage komme. Doch Gesmann ist vorsichtig: „Wer Home Office annimmt, muss zu Hause auch die Zeit haben zu arbeiten.“

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