SPD-Fraktionschef Ulrich Ewering tritt bei der Kommunalwahl nicht mehr an „Politisches Handeln war mein Leben“

Hiddenhausen (WB). Wer hört auf, wer möchte weitermachen? Eine spannende Frage im Jahr der Kommunalwahl. Die SPDler in Hiddenhausen haben noch Beratungsbedarf. Nur einer, der weiß schon, was er macht. „Ich höre in diesem Jahr definitiv auf“, sagt Ulrich Ewering, seit 50 Jahren SPD-Mitglied, seit 1977 Ratsmitglied, seit 1989 Fraktionsvorsitzender.

Von Karin Koteras-Pietsch
Ulrich Ewering (69) auf dem Sofa in seinem Haus in Oetinghausen. Ab Oktober hat er mehr Zeit, hier zu sitzen. Nach mehr als 40 Jahren Ratsarbeit hört er in der Kommunalpolitik auf. Ein Blick auf sein Alter habe ihn dazu bewogen.
Ulrich Ewering (69) auf dem Sofa in seinem Haus in Oetinghausen. Ab Oktober hat er mehr Zeit, hier zu sitzen. Nach mehr als 40 Jahren Ratsarbeit hört er in der Kommunalpolitik auf. Ein Blick auf sein Alter habe ihn dazu bewogen. Foto: Karin Koteras-Pietsch

Nein, sagt er, leicht falle ihm das wahrlich nicht. Aber nach einem Blick auf sein Geburtsdatum habe er für sich entschieden, dass es an der Zeit ist, aufzuhören. „Es tut mir unendlich leid, dass ich nicht mehr dabei sein kann. Es ist mein Leben gewesen, politisch zu handeln“, meint der 69-jährige Vater zweier Söhne. Das habe auch mit Einflussnahme zu tun, mit der Chance, Entscheidungen für die Gemeinde mit zu treffen.

Ulrich Ewering kommt aus einer „ur-sozialdemokratischen Familie“. Schon sein Großvater saß als SPDler im Engeraner Rat, sein Vater in Hiddenhausen. Von Kindesbeinen an habe er sozialdemokratisches Wirken miterlebt, gewerkschaftliche Zugehörigkeit sei selbstverständlich gewesen.

1970 in die Partei eingetreten

Der SPD sei er aber nicht ohne Weiteres beigetreten. Eigentlich sei er strikt links gewesen. „Die SPD habe ich dann als kleineres Übel gesehen.“ Ihm habe die Veränderbarkeit der Gesellschaft am Herzen gelegen und da sei die SPD-Mitgliedschaft für ihn ein geeignetes Mittel gewesen. Immerhin habe es in der Partei damals auch den Wunsch der Veränderung der Sozialdemokratie gegeben.

Ulrich Ewering ist in Oetinghausen geboren und hat „es auch nicht eine Sekunde bereut“, dort geblieben zu sein. Als Inspektor in der Agentur für Arbeit war er zwar in verschiedenen Städten eingesetzt, seinen Wohnort hat er nie geändert.

1970 trat Ewering in die SPD ein, engagierte sich in den ersten Jahren stark bei den Jungsozialisten. „Wir waren damals eine einflussreiche Truppe, die sich auf den Weg gemacht hatte, die SPD zu verändern. Das kann man mit der Arbeit der Jusos von heute nicht mehr vergleichen.“ Damals habe es zum Beispiel viele Schulungen für die jungen Politiker gegeben. „Wer das nicht miterlebt hat, hat eine andere politische Tiefe“, meint Ewering. Daher könne er ältere Menschen, die heute in die Politik gingen, nicht ernst nehmen.

Viele Jahre Unterbezirksvorsitzender

Der Sozialdemokrat war viele Jahre Unterbezirksvorsitzender bei der Kreis-SPD und 30 Jahre im Kreisvorstand aktiv. Seit 1977 sitzt er ununterbrochen im Hiddenhauser Rat, seit mehr als 30 Jahren als Fraktionschef. „Sie werden in NRW lange jemanden suchen, der diese Daten übertrifft“, sagt Ewering und verweist in diesem Zusammenhang auf Kontinuität. Er sei erst der dritte Fraktionsvorsitzende in der Geschichte der Hiddenhauser SPD. Die CDU könne da auf doppelt so viele verweisen.

Der Bereich Schule habe ihn seit eh und je besonders interessiert. Er erinnert sich noch gut an die Diskussionen um Schulformen. Höhepunkt seiner Arbeit sei der Aufbau der OPG gewesen. Während die CDU gern eine Realschule in Hiddenhausen gehabt hätte, wurde die Einrichtung einer Gesamtschule mit Mehrheit der SPD beschlossen. Ewering verweist außerdem auf die gute Betreuung der Grundschüler außerhalb der Unterrichtszeiten.

„Verkehrsmäßig alles im Griff“

So habe es anfangs Schulkinderhäuser gegeben, später kam dann der offene Ganztag. „Im schulischen Bereich sind wir top aufgestellt, sowohl baulich als auch fachlich“, sagt der Oetinghauser. Im Offenen Ganztag seien an allen sechs Grundschulen, 70 bis 80 Prozent der Schüler angemeldet.

Und nicht nur bei den Schulen, „auch verkehrsmäßig haben wir in Hiddenhausen alles im Griff“, sagt Ewering und nennt als Beispiele die Bünder Straße und zuletzt die Maschstraße. Es bewegt ihn, wenn er an die vielen politischen Diskussionen denkt, die letztlich zu guten Ergebnissen geführt haben, zum Beispiel die Ausweisung von neuen Gewerbegebieten oder die Unterbringung, beziehungsweise Integration der Flüchtlinge.

„Unsere gute Arbeit werden die Bürger honorieren”

„All unsere Erfolge haben mit guter politischer Kultur zu tun. Wir profitieren von einer langen gewerkschaftlichen Struktur und letztlich auch von einer schlappen CDU, die in weiten Teilen ohne Plan handelt“, meint der SPD-Fraktionschef. „Unsere gute Arbeit werden die Bürger honorieren. Bei der nächsten Kommunalwahl werden sich die Zahlen in Hiddenhausen deutlich von denen auf Bundesebene abheben“, ist sich Ewering ganz sicher.

Und so ganz persönlich? „Ich werde die Zeit nach der Politik einfach auf mich zukommen lassen. Vielleicht engagiere ich mich in der Museumsschule“, überlegt er. Und auch wenn der Gedanke, mit der Politik aufzuhören, nicht behaglich sei, „ich muss aber wohl doch ganz loslassen.“

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