Hiddenhauses Bürgermeister nennt das Alter als Grund – SPD schickt Andreas Hüffmann ins Rennen
Ulrich Rolfsmeyer tritt nicht mehr an

Hiddenhausen (WB). Nach 16 Jahren an der Spitze der Verwaltung und 42 Jahren im Dienst der Gemeinde ist Schluss: Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer (64) wird – wie berichtet – bei der Kommunalwahl am 13. September nicht wieder antreten. Die SPD will Ratsmitglied Andreas Hüffmann (57) ins Rennen schicken.

Samstag, 01.02.2020, 13:00 Uhr aktualisiert: 01.02.2020, 15:52 Uhr
Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer (links) hat sich entschieden: Nach 16 Jahren Amtszeit ist im Herbst Schluss. Er will den SPD-Kandidaten Andreas Hüffmann unterstützen. „Er verfügt über ausreichend Erfahrung, um Hiddenhausen voran zu bringen.“ Foto: Bexte

„Ich übe meinen Beruf gerne aus. Die Entscheidung ist mir schwergefallen“, sagte Rolfsmeyer (SPD) am Freitag bei einem Pressegespräch im Hotel Freihof. Er werde in diesem Jahr allerdings 65. Bei einer möglichen Wiederwahl wäre er am Ende der Wahlperiode 70. „Das ist ein sehr ‚dickes Brett‘. Man kann diesen Beruf nur mit vollem Einsatz machen.“ Eine Sieben-Tage-Woche mit etwa 70 Arbeitsstunden sei Normalität. Hiddenhausen bleibe für ihn aber „eine Herzensangelegenheit“.

Dieser Schritt kommt selbst für viele Sozialdemokraten überraschend. „Ja, das ist sicher so“, sagt Fraktionsvorsitzender Ulrich Ewering, der nach der Wahl ebenfalls aufhören wird. Mit Andreas Hüffmann stehe allerdings ein Kandidat zur Verfügung, der in der Gemeinde weithin bekannt sei und für Kontinuität stehe. Der Hiddenhauser ist Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter des Bielefelder Krankentransportunternehmens Biekra (270 Mitarbeiter). Der 57-Jährige wohnt mit Familie in Hiddenhausen und vertritt seit 2014 die SPD im Rat. Zudem ist er Vorsitzender des Museumsschulvereins Hiddenhausen. „Ich weiß, dass das große Fußstapfen sind, die Ulrich Rolfsmeyer hinterlässt. Ich würde mich freuen, wenn ich seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen könnte.“

Noch keine Pläne für den Ruhestand

Rolfsmeyer will seinen potenziellen Nachfolger bis dahin unterstützen. „Er kann gut mit Menschen, hat das Herz am rechten Fleck und verfügt über ausreichend Erfahrung, um Hiddenhausen weiter voran zu bringen.“ Die Verwaltung (130 Mitarbeiter) sei auf jeden Fall gut aufgestellt. Ebenso wie die Gemeinde mit ihren sechs Dörfern: „Das ist mir das Wichtigste: Alle haben eigene Kindergärten und Grundschulen“, betonte Rolfsmeyer.

Es sei richtig gewesen, auch in Zeiten sinkender Kinderzahlen daran festzuhalten. Auch das bundesweit beachtete Immobilienprojekt „Jung kauft Alt“ sowie die Einführung des neuen kommunalen Finanzmanagements (NKF), für das Hiddenhausen Modellgemeinde war, zählt er zu den Meilensteinen seiner Amtszeit. Nicht zuletzt sei die Gemeinde wirtschaftlich stark. „Zahlreiche Firmen investieren gerade in den Standort.“

Was er in der Zeit des Ruhestandes anfangen werde? „Ich habe noch keine großen Pläne. Ich lasse das erst mal auf mich zukommen“, sagt Rolfsmeyer, der noch bis Ende Oktober Bürgermeister bleiben wird. Erst dann konstituiert sich der neue Rat.

Einstimmiges Votum

Hüffmann gesteht, dass die Idee, für den Spitzenposten im Rathaus zu kandidieren, ihn schon länger umtreibe. „Das war keine schnelle Entscheidung, und meine Frau unterstützt mich dabei.“ Im Falle eines Wahlerfolges freue er sich auf eine neue Herausforderung. Denn die habe  er noch nie gescheut. Der gebürtige Bünder, seit 1994 SPD-Mitglied und Bürger Hiddenhausens, wollte eigentlich Lehrer werden, unterbrach sein Studium 1990 aber, um sich mit Freunden ganz dem 1988 gegründeten Krankentransportunternehmen Biekra zu widmen. „Es sollte zunächst nur unser Studium finanzieren, daraus wurde dann aber mehr.“ Mit seiner Frau hat der Hobby-Schlagzeuger zwei Kinder: eine 24-jährige Tochter und einen 18-jährigen Sohn.

Der SPD-Gemeindeverbandsvorstand hat sich einstimmig für Hüffmann ausgesprochen. In einer Wahlkonferenz mit 30 Delegierten aus den sechs Gemeindeverbänden soll er am 19. März nominiert werden. „Ich bin sicher, dass er breite Zustimmung erhält“, sagt Gemeindeverbandsvorsitzende Christiane Möller-Bach.

CDU: „Haben mindestens zwei gute Kandidaten“

Auch die Hiddenhauser CDU bringt sich für die anstehende Kommunalwahl in Stellung. Am kommenden Montag werde man bei einer Vorstandssitzung unter anderem auch über Personalien sprechen, kündigt Gemeindeverbandsvorsitzender Jörg Düning-Gast an. „Wir sehen gute Chancen, aus mehreren potenziellen Bürgermeisterkandidaten auswählen zu können“, sagt er im Gespräch mit dem HERFORDER KREISBLATT. Man habe bereits „mindestens zwei gute Kandidaten in Aussicht“, beides Männer. Zum jetzigen Zeitpunkt wolle er aber noch keine Namen nennen. Am 16. März wird die CDU ihre Kandidaten auch für die Wahlbezirke benennen. Zum SPD-Bewerber Hüffmann sagt Düning-Gast: „Er steht für ein Weiter-so, nicht für Erneuerung.“

Kommentar:

Eine Ära geht im Herbst zu Ende: Ulrich Rolfsmeyer, einer der dienstältesten Bürgermeister in der Region, verlässt den Chefsessel im Rathaus. Seine Entscheidung ist zu respektieren, auch wenn vor allem viele Sozialdemokraten ihn gerne fünf weitere Jahre im Amt gesehen hätten. Rolfsmeyer hinterlässt ein gut bestelltes Feld. Gerade im Januar ist die Einwohnerzahl Hiddenhausens wieder über 20.000 gestiegen – die Gemeinde wächst.

Dabei waren es zwei Dinge, die ihn und von ihm ausstrahlend die Arbeit von Verwaltung und Politik ausgezeichnet haben: Rolfsmeyer ging nie parteipolitisch oder gar ideologisch vor, er sah das Gelingen für die Gemeinde als Maßstab – auch wenn dies natürlich in vielen Fällen strittig war. Zudem suchte er nie den Konflikt, wollte über Parteigrenzen hinweg Sachfragen lösen. Im Vergleich zu Nachbarkommunen war das Debattenklima in Hiddenhausen fast immer konstruktiv und sachlich.

Vor 16 Jahren hatte er das Amt von Klaus Korfsmeier nahtlos übernommen. Darauf hofft die SPD auch jetzt wieder. Mit Andreas Hüffmann hat sie einen kompetenten, vor Ort bekannten Kandidaten. Mitbewerber werden es schwer haben. Bernd Bexte

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