Überangebot lässt Erlös einbrechen – Extragebühr im Kreis Höxter – mit Kommentar Altpapierkrise droht Müllabfuhr zu verteuern

Höxter/Kirchlengern/Hiddenhausen  (WB). Eine Krise auf dem Altpapiermarkt könnte für Haushalte und Firmen künftig spürbar höhere Müllgebühren bedeuten. Weil Asien als Abnehmer weitgehend ausgefallen und der Rohstoff in Europa im Überfluss vorhanden ist, sind die Altpapierpreise abgestürzt. Verdienten die Städte lange Jahre Geld mit der Altpapierverwertung und subventionierten damit die Müllabfuhr, drohen nun in diesem Bereich Kosten statt Erlöse.

Von Oliver Horst
Ein Arbeiter steht vor Ballen mit gepressten Altpapier (Symbolbild).
Ein Arbeiter steht vor Ballen mit gepressten Altpapier (Symbolbild). Foto: Patrick Pleul/dpa

Der Kreis Höxter erhebt seit Jahresbeginn ab einer bestimmten Zahl von Altpapiertonnen Extragebühren. Das dürfte vor allem Firmen und Geschäftsleute treffen, die bislang mehrere Tonnen oder Container kostenfrei nutzten. Zusätzliche 1100-Liter-Container kosten nun je nach Leerungsintervall zwischen 120 und 480 Euro im Jahr.

Altpapierpreis auf tiefstem Stand seit der Wirtschaftskrise 2008/09

Hintergrund ist, dass die Ankaufpreise für Altpapier auf den tiefsten Stand seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 gefallen sind. Sortiertes gemischtes Altpapier – zunehmend Versandkartons – wurde zuletzt noch für rund 60 Euro pro Tonne gehandelt – vor Jahresfrist waren es 90 Euro. Höherwertiges Zeitungs- und Zeitschriftenpapier kauften Papierfabriken im Dezember noch für 123 statt zuvor 163 Euro je Tonne an. Gegenüber 2017 sind die Preise teilweise um zwei Drittel eingebrochen.
Die Erlöse decken die Kosten der Sammlung und des Transports nicht mehr. Der Entsorger Kuhlmann Mulden in Kirchlengern hat die Preise für die Leerung der Altpapierbehälter bei seinen Gewerbekunden angepasst. „Bislang war das für Kunden kostenfrei und erhielten sie zum Teil eine Vergütung aus der Verwertung. Jetzt ist die Dienstleistung in der Regel kostenpflichtig“, sagt Geschäftsführer Eckhard Kuhlmann.

Überangebot an Altpapier

„Inzwischen haben viele Betriebe ein Problem, Altpapier von den Papierfabriken überhaupt abgenommen zu bekommen. Da türmt sich das Material auf dem Hof, geht es überhaupt nicht mehr um den Preis, sondern nur noch darum, Abnehmer zu finden“, sagt Daniel Berg vom gleichnamigen Hiddenhausener Entsorgungsbetrieb. „Wir haben dank langjähriger Geschäftsbeziehungen von unseren Partnern die Zusicherung, dass wir die selbe Menge wie 2019 anliefern können.“
Berg beziffert das Überangebot an Altpapier in Europa auf acht Millionen Tonnen im Jahr. Etwa in dieser Größenordnung ist der Rohstoff früher nach Asien, vor allem China exportiert worden. Seit einiger Zeit werde dort aber nur noch hochsortiertes Material angenommen – das zu erfüllen, wäre unwirtschaftlich und komme einem Exportstopp gleich. Berg: „Eine Entspannung der Situation ist nicht in Sicht.“
Auch Peter Queitsch, Umweltreferent beim Städte- und Gemeindebund NRW, rechnet damit, dass die Altpapierentsorgung künftig Geld kostet statt abwirft. Das müsse in einer „nachhaltigen Kreislauf- und Abfallwirtschaft“ aber akzeptiert werden. Etwas Entlastung könnte eine stärkere Beteiligung der Inverkehrbringer von Versandeinwegverpackungen wie große Onlinehändler bringen. „Darüber wird gerade verhandelt“, sagt Queitsch. Der Anteil von Versandverpackungen beim Altpapier mache auf Gewichtsbasis bis zu ein Drittel, beim Volumen aber 50 bis 75 Prozent aus.
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