Stadt Herford ernennt Hans Rodax und „seinen“ Chor zu Vorbildern im Ehrenamt Kapitän im Shanty-Boot

Hiddenhausen/Herford (WB). Sein Lieblingsshanty? „Das ist Roll, Alabama roll“, sagt Hans Rodax mit einem anerkennenden Nicken. Und er kennt viele. Sein jahrzehntelanger Einsatz für die Musik von der Waterkant hat ihm sowie dem gesamten Shanty-Chor der Hansestadt Herford jetzt eine Ehrung eingebracht.

Von Bernd Bexte
Die Karikatur zeigt Hans Rodax in seinem Element – als Kapitän und Dirigent im Shanty-Boot. Seine Frau hat ihm das Bild geschenkt, ein Bekannter hat es gezeichnet.
Die Karikatur zeigt Hans Rodax in seinem Element – als Kapitän und Dirigent im Shanty-Boot. Seine Frau hat ihm das Bild geschenkt, ein Bekannter hat es gezeichnet. Foto: Bexte

Aber nicht nur wegen der musikalischen Aktivitäten, auch weil sie als Botschafter Herfords international unterwegs sind und zudem schon so manche karitative Aktion unterstützt haben, hat die Stadt Herford den Oetinghauser Rodax und den Chor als „Vorbilder im Ehrenamt“ ausgezeichnet. „Sie tragen den Ruf der Hansestadt in die weite Welt“, heißt es in der Begründung. Zudem unterstützten sie Vereine und Einrichtungen, „die den Menschen Gutes tun“ – von der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger bis zum Freundeskreis Herforder Bismarckturm, unter anderem durch Spendensammlungen bei den Konzerten.

Mit der Marine um die Welt

Dabei waren Rodax die Seemannslieder nicht in die Wiege gelegt worden. Der heute 76-Jährige wurde in Jüterbog in Brandenburg geboren, kam aber noch im Säuglingsalter nach Herford. Schon lange ist er aber in Oetinghausen zu Hause. Lange hat es auch gedauert, bis er auf den Geschmack der Salzwassersongs kam. „Obwohl ich 1966 als Zeitsoldat bei der Marine rund um die Welt gefahren bin. Da haben wir auch Lieder gesungen“, erinnert sich der damalige Obermaat.

Erst 1989 trat er dem damaligen Shanty-Chor der Marinekameradschaft Herford bei. „Ein Bekannter hatte mich bei einer Silvesterfeier angesprochen, ob ich nicht mal mitsingen wolle.“ Es blieb nicht beim Mitsingen: Schnell wurde Rodax zum Kapitän auf der Brücke des Chores, der später in Shanty-Chor der Hansestadt Herford umbenannt wurde.

Immer montags ab 19.30 Uhr proben die derzeit 18 Sänger und drei Damen der Sailorband im Pfennigskrug an der Engerstraße in Herford unter der musikalischen Leitung von – natürlich Hans Rodax. „Meine Frau Conny hilft mir bei der Bearbeitung der Songs. Sie spielt zudem Akkordeon in der Band.“

Auch international steht Rodax am Shanty-Steuer: Der neugegründete Weltverband der Shantychöre, die International Shanty and Seasong Association (ISSA), hat ihn jetzt in sein Präsidium berufen. Der Vorgängerorganisation stand er bereits von 1993 bis 2012 vor. „Doch nach so langer Zeit sollten dann auch mal andere übernehmen“, sagt der frühere Versicherungsmakler. Schließlich ging es darum, weltweit 455 Chöre zu vertreten.

Taktgeber auch international

Doch ohne Rodax lief es wohl nicht so recht. Deshalb nun die Rückkehr auf internationaler Ebene in leitender Funktion. Schließlich hat er auch den Fachverband Shantychöre Deutschland gegründet, weiß also, wie Verbandsarbeit funktioniert. Auch wenn die ISSA jetzt etwa 500 Chöre mit 10.000 Mitgliedern vertritt, plagen die Shanty-Sänger Nachwuchssorgen. „Es ist nicht einfach, neue Mitglieder zu gewinnen“, blickt Rodax leicht skeptisch in die Zukunft. Auch das Publikum bei den Konzerten werde immer älter.

Viele verstünden die englischen Texte nicht. Also mehr deutschsprachige Lieder? Andererseits seien Songs mit englischen Texten häufig für Jüngere attraktiver. Keine leichte Aufgabe also, das Kulturgut Shanty lebendig und attraktiv zu halten. Für die Vorbilder im Ehrenamt Hans Rodax und den Shanty-Chor eine Aufgabe für die Zukunft.

Vorbilder im Ehrenamt

Den vor 35 Jahren von der UN ausgerufenen Tag des Ehrenamtes hat die Stadt Herford im Dezember zum zwölften Mal zum Anlass genommen, einzelne Ehrenamtliche oder Gruppen zu Vorbildern zu erklären, die in ihren Bereichen Bemerkenswertes tun. Sechs „Vorbilder im Ehrenamt 2020“ wurden ausgewählt und bei einer Feierstunde geehrt. Das HERFORDER KREISBLATT wird die Ausgezeichneten in den kommenden Wochen in einer Serie vorstellen.

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